Green & Generation TikTok-Phänomen: Warum alle plötzlich „chinesisch werden“ wollen

TikTok-Phänomen: Warum alle plötzlich „chinesisch werden“ wollen

Der neueste TikTok-Trend „Becoming Chinese“ revolutioniert westliche Selbstfürsorge mit traditionellen chinesischen Gesundheitspraktiken – und zeigt, wie digitale Plattformen kulturellen Austausch neu definieren.

TikTok hat wieder zugeschlagen. Diesmal mit heißem Wasser statt Eiskaffee und gedünsteten Äpfeln anstelle von Avocado-Toast.

Der „Becoming Chinese“-Trend erobert die Feeds und bringt westliche Nutzer dazu, chinesische Wellness-Praktiken in ihren Alltag zu integrieren. Was auf den ersten Blick kulturell bedenklich klingen mag, entpuppt sich als respektvoller Austausch – und könnte nebenbei die Art verändern, wie digitale Plattformen kulturelle Grenzen überwinden.

Vom Meme zum Lifestyle-Phänomen

Die digitale Bewegung begann bereits 2022 mit humorvollen Videos und entwickelte sich zu einem ernsthaften Lifestyle-Trend. Wie „Complex“ berichtet, startete alles mit einem viralen TikTok, in dem ein Nutzer namens Papist Dalton scherzhaft entdeckt, dass der Himmel chinesisch ist.

Der Wendepunkt kam mit einem Tweet, der eine berühmte Zeile aus „Fight Club“ parodierte: „You met me at a very Chinese time in my life.“ Was als ironischer Witz begann, hat sich zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit chinesischen Gesundheitspraktiken entwickelt. Laut „Thetab“ teilen chinesische Content-Creator nun Elemente ihrer Alltagskultur – von traditioneller Medizin bis zu saisonalen Ernährungsgewohnheiten – und westliche Follower integrieren diese begeistert in ihre Routinen.

Kultureller Austausch statt Aneignung

Was diesen Trend von problematischer kultureller Aneignung unterscheidet: Er wird aktiv von chinesischen Creators gefördert und geführt. Die chinesisch-amerikanische TikTokerin Sherry (@sherryxiiruii) kombiniert in ihren Videos trockenen Humor mit authentischen kulturellen Einblicken und hat sich zur Vorreiterin der Bewegung entwickelt.

Die Resonanz der chinesischen Community ist überraschend positiv. Während das Internet bei kulturübergreifenden Trends normalerweise skeptisch reagiert, wird dieser als Wertschätzung statt Kolonisierung verstanden. Wie „Thetab“ dokumentiert, führen chinesische Creator aktiv die Konversation und teilen ihre Traditionen mit einer einladenden „je mehr, desto besser“-Haltung.

Tech-getriebene Soft Power Revolution

Die technologische Dimension dieses Trends geht weit über virale Videos hinaus. Der Trend, „Chinesisch zu werden“, ist ironisch, aber auch seltsam aufrichtig. Die Plattform TikTok selbst fungiert als Katalysator für einen kulturellen Austausch, der traditionelle Medienbarrieren umgeht.

Chinas „Soft Power“ hat sich durch soziale Medien fundamental gewandelt. Während früher westliche Mainstream-Medien das Chinabild prägten, ermöglichen Plattformen wie TikTok nun direkten Einblick in chinesische Alltagsrealitäten. Diese Tech-getriebene Kulturvermittlung verändert internationale Wahrnehmungen effektiver als klassische Diplomatie.

Die digitale Wellness-Revolution

Der Trend manifestiert sich in konkreten Lifestyle-Änderungen: Thermosbehälter mit heißem Wasser statt Eiskaffee, gedünstete Äpfel mit Goji-Beeren als Snack, und die Vermeidung kalter Böden zum Schutz der Nieren. Diese Praktiken, basierend auf traditioneller chinesischer Medizin, werden durch TikToks algorithmische Verbreitung zu globalen Gesundheitstrends.

Der Trend spiegelt eine digitale Sehnsucht nach Alternativen zum westlichen Lebensstil wider – ermöglicht durch die demokratisierende Kraft sozialer Medien.

Business Punk Check

Hinter dem niedlichen Apfel-Kochen verbirgt sich ein massiver Shift im globalen Kultur-Tech-Ökosystem. TikTok hat geschafft, was jahrzehntelange Diplomatie nicht konnte: authentischen kulturellen Austausch jenseits politischer Narrative. Die wahre Innovation liegt nicht im Trend selbst, sondern in der Plattform-Architektur, die kulturelle Hierarchien umgeht.

Für Marken bedeutet das: Wer internationale Gen-Z erreichen will, muss kulturelle Zwischenräume verstehen – nicht als Marketing-Gimmick, sondern als neue digitale Realität. Die nächste Evolutionsstufe? KI-gestützte Kulturübersetzung, die über oberflächliche Trends hinausgeht und echten Wissenstransfer ermöglicht. Wer darauf setzt, positioniert sich für die nächste Welle digitaler Kulturvermittlung.

Häufig gestellte Fragen zum TikTok-Phänomen „Become Chinese“

Ist der „Becoming Chinese“-Trend kulturelle Aneignung oder echte Wertschätzung?

Anders als bei vielen kulturübergreifenden Trends führen hier chinesische Creator aktiv die Bewegung und fördern den Austausch. Die positive Resonanz der chinesischen Community zeigt, dass es als Wertschätzung wahrgenommen wird, solange Praktiken respektvoll übernommen und ihre Herkunft anerkannt wird.

Welche Rolle spielt TikToks Algorithmus bei der Verbreitung kultureller Trends?

TikToks KI-Algorithmus beschleunigt kulturellen Austausch, indem er Content unabhängig von Sprachbarrieren oder geografischen Grenzen verbreitet. Dies demokratisiert kulturelle Einflüsse und umgeht traditionelle Gatekeeper – ein Mechanismus, den Marken für authentisches Cross-Cultural Marketing nutzen können.

Wie können Unternehmen von der Tech-gestützten kulturellen Vermittlung profitieren?

Erfolgreiche Unternehmen setzen auf kulturelle Zwischenräume statt auf oberflächliche Stereotype. Investieren Sie in digitale Ethnografie, arbeiten Sie mit authentischen Creators zusammen und entwickeln Sie Produkte, die kulturübergreifend funktionieren, aber lokale Besonderheiten respektieren.

Welche technologischen Entwicklungen werden kulturellen Austausch weiter verändern?

KI-gestützte Echtzeit-Übersetzung, kontextbezogene kulturelle Erklärungen und AR-Erlebnisse, die kulturelle Praktiken immersiv vermitteln, werden die nächste Welle digitaler Kulturvermittlung prägen. Unternehmen sollten in diese Technologien investieren, um für die zunehmend globalisierte, aber kulturell bewusste Gen-Z relevant zu bleiben.

Quellen: „Complex“, „Thetab“

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