Green & Generation Vom Billy-Regal zum Strommarkt: Ikeas Angriff auf die Energiebranche

Vom Billy-Regal zum Strommarkt: Ikeas Angriff auf die Energiebranche

Möbelgigant Ikea mischt den deutschen Energiemarkt auf: Mit dem dynamischen Tarif „Svea Strom“ will der Konzern Haushalte zu aktiven Strommanagern machen – und verspricht Einsparungen bis 830 Euro jährlich.

Der schwedische Möbelriese Ikea erweitert sein Geschäftsmodell radikal. Nach Solarzellen und Wärmepumpen bringt der Konzern nun „Svea Strom“ auf den deutschen Markt – einen vollständig dynamischen Stromtarif, der Privathaushalten erstmals direkten Zugang zu Echtzeit-Börsenpreisen verschafft. Laut „Bild“ soll der Tarif ab 21. Januar buchbar sein und den etablierten Energieversorgern ernsthafte Konkurrenz machen.

Vom Möbelhaus zum Energieversorger

Wer Ikea bisher mit Kleiderschränken, Einbauküchen oder günstigen Gläsern verband, muss umdenken. Der Konzern hat sein Portfolio strategisch erweitert und bietet mittlerweile Balkonkraftwerke, Wärmepumpen und Wallboxen an.

Der neue Stromtarif rundet diese Transformation ab. Der dynamische Tarif sei für Ikea „der nächste logische Schritt, um einen aktiven Beitrag zur Energiewende zu leisten“, erklärt Jacqueline Polak, Energieverantwortliche bei Ikea Deutschland, wie „Stern“ berichtet.

So funktioniert der dynamische Tarif

Das Besondere am Ikea-Modell: Statt fester Abschläge zahlen Kunden den tatsächlichen Börsenpreis, der sich alle 15 Minuten ändern kann. Die Preise für den Folgetag stehen bereits um 14 Uhr fest und können über eine App eingesehen werden.

Dieses Preissignal war bisher hauptsächlich Industriekunden vorbehalten, wie „Focus“ dokumentiert. Technische Voraussetzung ist in der Regel ein Smart Meter, den Ikea bei Bedarf kostenlos installiert.

Echtes Sparpotenzial oder Marketing-Gag?

Die Zahlen klingen verlockend: Ein Single-Haushalt mit 1600 kWh Jahresverbrauch könne rund 167 Euro jährlich sparen, ein Vier-Personen-Haushalt mit E-Auto (7000 kWh) sogar bis zu 830 Euro, so „Bild“. Entscheidend ist jedoch die aktive Steuerung des Verbrauchs.

Waschmaschinen, Geschirrspüler oder E-Auto-Ladungen müssen gezielt in günstige Zeitfenster verlegt werden – typischerweise mittags bei Solarüberschuss oder nachts. Jacqueline Polak betont laut „Stern“: „Nachhaltige Energie sollte kein Privileg sein, sondern zu einer neuen Normalität werden.“ Vorbild ist Schweden, wo bereits mehr als die Hälfte der Stromkunden dynamische Tarife nutzt.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Kehrseite der Medaille: Wer seinen Verbrauch nicht aktiv steuert, riskiert höhere Kosten als bei klassischen Festpreistarifen. Bei Dunkelflaute oder hoher Nachfrage können die Börsenpreise deutlich steigen.

„Wenn der Verbrauch nicht in die Zeiten verlagert wird, zu denen der Strom günstig ist, kann der dynamische Tarif auch teurer werden als ein klassischer Tarif“, räumt Ikea laut „Bild“ ein. Preislich positioniert sich Ikea mit einer Grundgebühr von 5,95 Euro monatlich im günstigen Segment. Der Aufschlag auf den Arbeitspreis beträgt jedoch zwei Cent pro Kilowattstunde – mehr als bei Wettbewerbern wie Lichtblick oder Naturstrom, die laut „Stern“ zwischen 0,9 und 1,8 Cent verlangen.

Business Punk Check

Ikeas Vorstoß ist mehr als ein Marketing-Gimmick – er ist ein strategischer Angriff auf den trägen Energiemarkt. Der Möbelriese nutzt die seit 2025 bestehende Verpflichtung für Stromanbieter, dynamische Tarife anzubieten, und positioniert sich als Vorreiter. Die wahre Innovation liegt nicht im Tarif selbst, sondern in der Demokratisierung des Strommarktes. Während etablierte Versorger komplizierte Vertragsmodelle anbieten, macht Ikea den Zugang zu Börsenpreisen zum Massenprodukt.

Die Rechnung geht jedoch nur für technikaffine Haushalte mit flexiblem Verbrauchsprofil auf. Für Otto-Normal-Verbraucher bleibt der klassische Festpreistarif oft die bessere Wahl. Entscheidend für den Erfolg wird sein, ob Ikea die Komplexität des Strommarktes in eine benutzerfreundliche App übersetzen kann. Der schwedische Möbelriese könnte damit zum Türöffner für eine neue Generation von Energieverbrauchern werden – oder sich an der Realität des deutschen Strommarktes die Zähne ausbeißen.

Häufig gestellte Fragen

Für welche Haushalte lohnt sich Ikeas dynamischer Stromtarif wirklich?

Der Tarif lohnt sich primär für technikaffine Haushalte mit flexiblem Verbrauchsprofil – besonders mit E-Auto oder Wärmepumpe. Wer seinen Stromverbrauch aktiv steuern kann und will, profitiert am stärksten. Für Standardhaushalte mit festem Verbrauchsmuster bleibt der klassische Festpreistarif oft günstiger.

Wie kann ich meinen Stromverbrauch optimal an dynamische Preise anpassen?

Verlegen Sie energieintensive Aktivitäten in günstige Preisphasen: E-Auto-Laden und Wärmepumpen-Betrieb nachts, Waschmaschine und Geschirrspüler mittags bei Solarüberschuss. Nutzen Sie Smart-Home-Systeme zur Automatisierung und prüfen Sie die Preisprognose täglich in der App.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat Ikeas Einstieg auf den deutschen Energiemarkt?

Ikeas Markteintritt erhöht den Wettbewerbsdruck auf etablierte Versorger und beschleunigt die Verbreitung dynamischer Tarife. Mittelfristig dürften mehr innovative Tarifmodelle entstehen, die Energiewendetechnologien wie Heimspeicher und intelligentes Lastmanagement fördern. Für den Mittelstand entstehen neue Geschäftsfelder in der Verbrauchssteuerung.

Wie verändert der Trend zu dynamischen Tarifen die Energiewirtschaft langfristig?

Dynamische Tarife werden zum Katalysator für dezentrale Energiesysteme. Sie fördern die Integration erneuerbarer Energien, schaffen Anreize für Speichertechnologien und machen Verbraucher zu aktiven Marktteilnehmern. Langfristig entsteht ein flexibleres, resilienteres Energiesystem mit mehr Preistransparenz und weniger Netzausbaubedarf.

Quellen: „bild.de“, „stern.de“, „focus.de“

Das passende Angebot bei IKEA finden Sie hier:
https://www.ikea.com/de/de/energy-services/

​Der direkte Link zum entsprechenden Tarif bei Svea Solar lautet:
https://www.sveasolar-shop.com/ikea/strom

Das könnte dich auch interessieren