In der Krise wollen alle gut riechen: Warum Duft das neue Status-Symbol ist
Na, heute schon gesprüht? Schauen wir Business Punks doch mal ins Badezimmer und zählen, wie viele Flacons wir da stehen haben. Vermutlich mehr als jemals zuvor. Die Fragrance-Industrie meldet jetzt absolute Rekord-Zahlen: Weltweit sind Düfte im Wert von 60 Milliarden Euro verkauft worden, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Während die Fashion- und Uhrenbranche einbricht, duftet es in der Parfumwelt nach Erfolg. Udo Heuser, Präsident der Fragrance Foundation Germany analysiert: „Gerade in der Krise wollen die Menschen gut riechen.“
Die Fragrance Foundation ist so etwas wie der oberste Gerichtshof der Duft-Punks: Hier wird bewertet, was unseren Nasen besonders guttut. Nicht, dass man plötzlich eine gewisse Person nicht mehr riechen kann…
Gestern lud das Gremium zur Jury-Sitzung nach Berlin. Hochoffiziell ging es um die Wahl der Duftstars 2025, die besten Parfums des Jahres.
Das Headquarter von Flacony, E-Commerce Start-up für Beautyprodukte (Umsatz 500 Mio €). Eine Art Industrie-Loft in Charlottenburg-Wilmersdorf, die Tische spannungsvoll mit Tüchern abgehängt. Darunter zeichnen sie sich ab: die nominierten Parfums. Et voilà: Wie bei einem Wein-Tasting stehen sie aufgereiht da: die größten, relevantesten und glitzerndsten Marken der Welt. Die Jury sprüht, schnuppert, diskutiert und votet per App. Dufte, wie das mittlerweile funktioniert und dass es neben Rose, Yasmin und Amber auch einen Hauch Digitalität gibt.
Dabei steht längst fest: Es sind alles Sieger! Noch nie zuvor haben Menschen auf der Welt so viel Geld für Düfte ausgegeben. 60 Milliarden Euro auf die Haut zu sprühen – das zeigt, was uns wirklich wichtig ist.
Allein in Deutschland ein Plus von 8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Damit bleiben wir weltweit Top 5 Markt. Wenngleich made in Germany nicht mehr der Renner ist, sprayed in Germany genießt international höchstes Ansehen.
„Duft ist das neue Status-Symbol“, sagt Udo Heuser, Präsident der Fragrance Foundation Germany und damit Deutschlands oberster Duftpapst: „Die großen Status-Symbole waren immer: Meine teure Uhr oder mein teures Auto. Jetzt suchen die Menschen nach neuen Status-Symbolen, mit denen sie sich identifizieren und durch die sie sich auch abheben können“.
Sein Learning postet er auf LinkedIn: „Luxus-Düfte sind bezahlbarer Luxus. Es ist ein Luxus, den sich die Menschen noch leisten können oder leisten wollen.“
Im Luxus-Segment geht seit Monaten der Business Punk ab. Fashionbrands und Watchmaker haben die Preis-Rallye zum Trend erklärt. Das Budget für weiße Sneaker rennt schneller weg als die Schuhe selbst. Was gestern noch 450 Euro kostete, soll heute für 750€ geliked werden? Uhren wurden für präzise Mondphasen bewundert, mittlerweile staunen alle über die Mondpreise. „Greedflation“, wie es Branchenkenner beim Feierabend-Schampus genannt haben. Gier als moderner Inflationstreiber.
„Greed is good“, sagte Broker Gorden Gekko schon im legendären „Wall Street“ Movie. Aber eben nicht gut für alle.
Die Folge: Käufer im mittleren Luxussegment brechen weg. Wer sich den Sneaker oder Handtasche seines Lovebrands nicht mehr leisten kann, greift zur Sonnenbrille – oder eben zum Parfum. Das Einfallstor der Träume. „To buy into the dream“, wie es in dieser Szene so schön heißt. Ja, hier gibt es den Traum noch zu kaufen. Und nichts riecht mehr nach Luxus als ein toller Duft.
Für alle Business Punks, die jetzt große Nasen bekommen – hier ein schnelles Play Hard Coaching:
Drei Faktoren entscheiden über den Erfolg eines Parfums:
- Die Kopfnote: Der erste Eindruck, der verfliegt nach ca. 10 bis 15 Minuten
- Die Herznote: Der Charakter eines Duftes, hält mehrere Stunden an
- Die Basisnote: Der lang anhaltende Eindruck, wirkt nach 24 Stunden noch
Bei TikTokern geht das alles übrigens etwas schneller, wie gestern zu lernen war: Die kaufen Düfte, ohne sie zu riechen. Es reicht ihnen, dass die Flacons likeable sind oder in den Feeds der Plattformen als trending markiert sind.
Quick Win: In unserer Social Media Ära geht es also nicht mehr darum, selbst gut zu duften, sondern um die Essenz hinter den Algorithmen der Plattformen. Auch Bots kommen eben auf den Geschmack.
Learning: Die 14- bis 18-Jährigen werden zum neuen Sprühverstärker in der Industrie.
Ein weiterer Erfolgs-Pitch fürs Parfum: „Duft spiegelt den globalen Trend hin zu Quiet Luxury“, sagt Verbandspräsident Udo Heuser: „Viele wollen bei all den Krisen in der Welt nicht mehr mit dem lauten Logo herumlaufen. Bei einem schönen Duft geht es nicht darum, wie viel Logo auf dem Flacon steht: sondern wie gut rieche ich. Man möchte luxuriös riechen, möchte anders riechen als die anderen und damit zeigen: Ich bin nicht Mainstream!“