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Joy Denalane: „Allein auf Tour braucht man Schlaf und einen Rhythmus“

Joy Denalane
Ulrike Rindermann
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit5 Min · 986 Wörter

Die R&B- und Soul-Sängerin Joy Denalane begeistert schon seit Jahren ihre Zuhörer:innen mit ihrer Stimme. Doch die Menschen mit ihrem Sound zum Einschlafen zu bringen, war bisher nie Teil des Plans. Das ändert sich nun dank der Zusammenarbeit mit Headspace. Die Künstlerin liest sogenannte Sleepcasts vor, die Headspace-User:innen in den Schlaf begleiten sollen.

Wir haben mit Joy über ihre Arbeit mit Headspace, Achtsamkeit und ihr turbulentes Leben als Artist auf Tour gesprochen.

Welche Gedanken hattest du, als du von Headspace als Sprecherin angefragt wurdest?

Joy Denalane Ich war gleich begeistert, insbesondere von den Sleepcasts. Ich habe mich viel damit beschäftigt und fand es auch eine ziemliche Herausforderung. Das Ziel ist immer, die Menschen zu beruhigen und wenn du die 100 Punkte machen willst, dann auch die Leute zum Einschlafen zu bringen. Da entsteht schon Druck in der Vorstellung, dass man mit seiner Stimme so arbeiten muss, dass die Mischung aus dem Text und deinem Tonfall optimal auf die Hörer:innen einwirkt.

Hast du dich vorher schon mit Achtsamkeit und Meditation auseinandergesetzt. Oder kam das durch Headspace?

Nee. Das ist ein Thema, das bewegt die westliche Welt schon seit einigen Jahren. Die Globalisierung erfordert rund um die Uhr viel Performance. Parallel dazu ist dann eben vor allem in Wohlstandsgesellschaften eine Popularität um die Auseinandersetzung mit Achtsamkeit entstanden. Dem kann ich schon ganz viele Jahre etwas abgewinnen. Wobei ich gestehen muss, dass es auch Phasen sind. Es hat nicht in jeder Phase meines Lebens Platz, aber ich suche mir immer meine Freiräume, um in die Ruhe zu kommen.

Was hast du für Achtsamkeits- oder Meditations-Routinen?

Ich bin schon von klein auf eine totale Frühaufsteherin. Ich kann gut mit dem Morgen umgehen. Der ist auch ein guter Rahmen, um eine Achtsamkeit zu praktizieren, weil alles um einen herum ganz ruhig ist. Und die Chance viel höher ist, dass man das, was man wahrnimmt, einfach wertfrei wahrnimmt. So habe ich jeden Morgen erst einmal zwei Stunden für mich.

Die gestalte ich so, dass ich mich optimal in die Ruhe kommend fühle. Entweder meditiere ich, probiere mich im Yoga, gehe laufen oder schaue auch einfach manchmal für eine Weile aus dem Fenster. Das liebe ich. Ich wohne an einem Eck und da habe ich einen guten Überblick über drei Straßen. Ich finde es immer schön zu sehen, wie Menschen zu sich kommen, auf die Straße gehen und ihren Tag starten. Das klingt ein bisschen merkwürdig, aber mir macht es Freude, Menschen beim Leben zuzuschauen.

Hat sich durch Headspace etwas daran verändert?

Ja, insbesondere die Sleepcasts haben es mir wirklich angetan, weil ich so ein unruhiger Mensch bin und damit so gut in die Ruhe komme. Ich finde, das kann man auch durchaus tagsüber machen. Ich bin häufig in einem trubeligen Lebenszustand, weil ich durch das, was ich beruflich mache, einfach sehr viel Unregelmäßigkeiten habe und sehr viel mit immer neuen Menschen zusammenkomme.

Wie schaffst du es, dir auch auf Tour Zeit für Achtsamkeit zu nehmen?

Die ersten Jahre gab es kein Morgen, kein Mittag und kein Abend. Es war alles so eine Party. Damals war ich immer in einem großen Kollektiv unterwegs. Freundeskreis oder FK Allstars, da gab es sehr viele Front-Personen. Das Abendprogramm war verteilt auf vielen Schultern. Als ich dann allein auf Tour ging, habe ich schnell gemerkt, dass man Schlaf und einen Rhythmus braucht. Da muss ich mir meine Kräfte natürlich einteilen. Dazu gehört neben Schlaf auch Sport machen, meditieren und lesen.

Wie sieht der Entstehungsprozess von einem Album aus? Hilft dir da auch Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist natürlich ein großer Aspekt im Writing. Ich glaube auf eine Art widerspricht sich das, denn Achtsamkeit ist ein wertfreies Wahrnehmen und Songwriting ist ja sehr Selbstreferenziell. Aber ich glaube, dass du am Ende diese neutrale Betrachtung brauchst.

Du erzählst sehr viel aus deiner Perspektive, auch wenn es nicht immer autobiografische Geschichten sind. Du gehst immer in deine Gefühlswelt hinein und bewertest eine Situation, die du konzipierst. Dabei gehe ich sehr sachlich mit meinen Gefühlen um, um darüber zu schreiben.

Ich kann aus mir rausgehen und über emotionale Themen schreiben, aber dabei wie über eine neutrale Sache sprechen. Insbesondere auch, weil ich mit Leuten gemeinsam schreibe. Das ist auf eine Art auch ein wertfreier Umgang.

Lass uns noch einmal über deine Sleepcasts sprechen: Wie war das denn für dich, einen Sleepcast aufzunehmen? Worauf hast du dabei geachtet?

Ich war sehr aufgeregt, weil ich zwar mit meiner Stimme seit Jahrzehnten arbeite, aber als Sängerin. Und das ist ein ganz anderes Genre. Ich hatte Angst, dass ich nicht gut sein könnte. Ich habe aber relativ schnell eine Freude entwickeln können, zu sprechen und war auch sehr erstaunt über meinen Stimmklang.

Sie klingt viel rauer und tiefer. Das ist dann nicht konstruiert, sondern passiert, wenn ich langsam und bewusst vorlese. Zur Vorbereitung habe ich Sleepcasts von anderen Akteur:innen angehört, die ich beeindruckend fand. Ich habe mich vorher mit dem Text beschäftigt und versucht, mich hineinzuversetzen und zu wissen, wovon ich erzähle.

Ich konnte mir nicht vorstellen, ob es überhaupt ankommt. Allerdings wurde ich eingeladen, einen Weiteren zu sprechen und das fand ich Mut machend.

Es ist auch etwas sehr Intimes, der Augenblick vor dem Einschlafen. Früher hat die Mama oder der Papa dir noch eine Geschichte vorgelesen, heute ersetzt man das dann eben mit den Sleepcasts.

Es ist schwer für mich, das bei Leuten aus meinem Umfeld zu testen. Ich kann meinen Kindern das nicht vorspielen. Ich glaube, bei denen gehen so viele andere Dinge los, wenn sie jetzt hören, wie ihre Mutter versucht sie zum Schlafen zu bringen. Oder mein Mann, dem habe ich es gezeigt, der fand’s auch gut, aber natürlich hat er nicht den Abstand.

Michael Gnahm

Michael studiert Marketingkommunikation, weil er es mit klassischen Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften einfach nicht so hat. In den Journalismus ist er zufällig reingestolpert und mittlerweile voll in Love. In seiner Freizeit hört er gerne musikalische Kunstwerke aus dem Bereich des deutschen Sprechgesangs. Also komm ins Café, wir müssen reden!