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Wie junge Unternehmer ältere Mitarbeiter führen können

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Lesezeit5 Min · 942 Wörter

Als junge Chefin oder junger Chef ältere Mitarbeiter zu führen, ist eine große Herausforderung, denn ältere Mitarbeiter fühlen sich oft unwohl in der Situation. Darunter leidet schnell das ganze Unternehmen.

Zu diesem ernüchternden Ergebnis kam Professor Dr. Jochen Menges von der Universität Zürich in einer Studie, die er mit Professor Dr. Florian Kunze von der Universität Konstanz durchführte. Weil digitale Kompetenzen eine immer größere Rolle im Berufsleben spielen – auch für die Beförderung – werden jüngere Mitarbeiter häufiger befördert und haben dann wesentlich ältere Mitarbeiter. Wie die Studie zeigt, ist das keine leichte Situation. Für beide Seiten.

Anfang 20 trifft auf Ende 50

Sarna Röser kann das bestätigen. Die heute 31-Jährige fing mit Anfang 20 an, die ersten Führungsaufgaben in der Familien-Stiftung ihrer Eltern zu übernehmen. „Ich kam frisch aus dem Studium und alle um mich herum waren mindestens Ende 50. Die hatten alle echt schon viel erreicht und gemacht.“

Dadurch gab es auch manchmal Konflikte. Als zum Beispiel neue Workshop-Formate entwickelt werden sollten und Röser unterschiedliche digitale Lösungen einbinden wollte, kam es zu Diskussionen. Ältere Mitarbeiter sagten ihr irgendwann: „Da sitzen nicht nur junge Leute drin. Sie können nicht einfach davon ausgehen, dass die Teilnehmer alles so selbstverständlich verstehen wie Sie.“

Die Unternehmerin Sarna Röser © Anne Großmann Fotografie

Aber nicht nur verschiedene Ansichten über Arbeitsformen können zu Konflikten führen. Menges nennt weitere Gründe: „Zum einen sind die Älteren nunmal gewohnt, von Älteren geführt zu werden. Dieses Prinzip wird einfach verletzt.“ Ein zweiter Grund sei, dass ein jüngerer Vorgesetzter auch vor Augen führt, dass man nicht so mithalten konnte, dass man diese Position nun selbst einnimmt. „Das kann eine sehr schmerzvolle Einsicht sein.“

Wo sind die alten Startup-Hasen?

Anders sind die Erfahrungen bei Max Wittrock, dem Mitgründer von Mymuesli. Der 36-Jährige kann sich an keine Missverständnisse mit älteren Mitarbeitern erinnern. Doch seine Situation ist auch eine ganz andere: Es gibt schlichtweg weniger ältere Mitarbeiter in dem Unternehmen. „Aber nicht etwa, weil wir das nicht wollen würden“, sagt er, „Wir sind ja erst knapp über zehn Jahre alt, das heißt mit uns und dem Unternehmen sind eben noch nicht viele alt geworden.“ Als Startup ziehe Mymuesli wohl auch eher jüngere Bewerber an.

Das ist vermutlich ein allgemeines Phänomen bei Startups. Zu Interviews waren bei diesem Artikel außergewöhnlich wenige junge Unternehmen bereit. Viele sagten mit der Begründung ab, dass sie schlichtweg keine großen Altersunterschiede im Unternehmen haben. Vielleicht wollten sie aber auch keine Öffentlichkeit für Probleme in ihrem Unternehmen und die entstehen bei Altersunterschieden nunmal häufiger.

Menges vermutet, dass es noch andere Unterschiede gibt zwischen Startups mit jungen Gründern und größeren Unternehmen, die junge Mitarbeiter in Führungspositionen befördern. „Die jungen Gründer, die ältere Mitarbeiter aktiv einstellen, wollen ja bewusst von der Erfahrung und Perspektive profitieren.“ Das sei die Grundlage dafür, dass man respektvoll miteinander umgeht.

So beschreibt es auch Wittrock. Bei Mymuesli arbeitet zum Beispiel seit zehn Jahren Conny Bauer, die inzwischen über 50 ist und somit deutlich älter als der Durchschnitt im Unternehmen. „Bei ihr war es ganz klar Erfahrung, etwa in der Logistik, die wir eben nicht hatten. Sie wurde damals unsere Produktionsleiterin.“

Respektieren und respektiert werden

Diese Anerkennung von Lebens- und Berufserfahrung ist es am Ende, die zählt, wenn es um ein erfolgreiches Zusammenarbeiten von älteren und jüngeren Menschen geht. Das bestätigen alle Interviewpartner. Röser hat mit der Zeit viel dazu gelernt: „Am Anfang musste ich beweisen, dass ich fähig bin, ein Unternehmen zu führen. Dabei zählte nicht nur mein Fachwissen, sondern auch, dass ich Lernbereitschaft gezeigt habe. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden.“

Mymuesli-Gründer Max Wittrock © mymuesli/Viktor Strasse

Wie bei allen Diversitythemen geht es laut Menges um Perspektivwechsel. „Als junger Chef sollte man einen besonders rücksichtsvollen und respektvollen Umgang mit älteren Mitarbeitern pflegen.“ Röser bestätigt das: „Man sollte auf Augenhöhe kommunizieren. Nicht, dass ich als junge Chefin da rein komme und denke, ich weiß alles besser.“

Wittrock betont, dass diese Empathiefähigkeit besonders wichtig für Unternehmen ist, die anders arbeiten als die älteren Mitarbeiter es vorher gewohnt waren: „Für einen jungen Chef ist es wichtig zu verstehen, dass man gerade bei einem neuen Geschäftsmodell keine unfairen Erwartungen haben darf an jemanden, nur weil der schon seit 30 Jahren Sales macht.“

Offenheit auf beiden Seiten

Der Perspektivwechsel müsse aber von beiden Seiten praktiziert werden, betont er: „Jemand mit viel Erfahrung sollte bei seiner neuen Chefin oder seinem neuen Chef nicht ständig denken: Ach, viel zu jung, das weiß ich doch viel besser, ich mach das ja schon ewig.“ Diese Erfahrung hat Röser stets gemacht: „Die ältere Generation ist durchaus offen dafür, neue Dinge zu lernen und umzusetzen.“

Es bringt nichts, die Herausforderungen, die durch Altersunterschiede aufkommen, unter den Teppich zu kehren. Es gibt sie und wenn man sie nicht aktiv annimmt, werden sie im Zweifel zu wirklichen Problemen. Doch jüngere Chefs können von der Erfahrung älterer Mitarbeiter profitieren. Gerade Startups können erfahrende Experten gut gebrauchen. Deswegen sollten junge Gründer und Führungskräfte auf zwei Dinge achten:

Sie sollten ihre eigene Perspektive offen kommunizieren und genauso offen sein, eine ältere Perspektive anzunehmen. Und sie sollten nicht meinen, dass sie alles besser wissen, sondern die Erfahrung Älterer wertschätzen und Lernbereitschaft zeigen. Dann können alle von der Zusammenarbeit profitieren.

Portrait Nele Spandick

Nele Spandick

Nele hat nichts mit Medien studiert und versucht es trotzdem. Verheddert sich häufig in philosophischen Gedankenspielen und politischen Diskussionen. Entheddert sich dann mit wirtschaftlichem Pragmatismus, down-to-earth Trashkultur-Konsum und gutem Essen.