KING KYLIES NEUESTER COUP
Sie war 18, als sie mit 250.000 US-Dollar ihr Lippenstift-Business startete. Heute steckt Kylie Jenner in Beauty, Fashion, Drinks – und jetzt neu: in Meta AI Glasses. Dabei dealtsie in Wirklichkeit vor allem mit einem: unserer Aufmerksamkeit. Aus unserem aktuellen Heft 3.2026 – ab 19. September im Handel.
Die will doch nur Aufmerksamkeit. In Zeiten, in denen selbst Schüler, Gymnasiallehrerinnen und Sachbearbeiter aus Bad Salzuflen etliche Arbeitsstunden in ihre Personal Brands stecken, hat der Spruch seine Schlagkraft verloren. Aufmerksamkeit ist das Gold der Gegenwart.
Aufmerksamkeit als Business Case
Und wir sind alle ein bisschen spät dran. Denn Kylie Jenner hat Aufmerksamkeit bereits zum Business Case gemacht, als der Cringe Mountain noch nicht einmal erfunden war. Aber mit Cringe hielt „King Kylie“, wie sich der Spross der Kardashian-Jenners zeitweise selbst nannte, sich ohnehin nicht lange auf. Wer mit zehn Jahren in einer Reality-TV-Show aufwächst, hat eines gelernt: Du überlebst auch die peinlichsten Momente. Blamable Teenie-Wutanfälle, Body-Krisen und diverse Schwesternrivalitäten später ist eins geblieben: das globale Interesse an ihrer Person. Dabei musste sie als Jüngste hart um die Aufmerksamkeit kämpfen. Selbst als Forbes die Beauty-Unternehmerin 2019 zur „jüngsten Selfmade-Millardärin aller Zeiten“ kürte, wurde sie noch vielfach belächelt. Erst recht, als ihr der Titel ein Jahr später wieder medienwirksam entzogen wurde. Das Businessmagazin hatte sich bei ihrem Net Worth verrechnet. Aber, hey, so dominierte Kylie Jenner gleich zweimal die News. „Schlechte Storys kommen und gehen“, sagte sie im Frühjahr achselzuckend im Video-Podcast mit Kid Cudi. „Ich habe ein dickes Fell.“ Im Zweifel, auch das dürfte sie gelernt haben, zahlen selbst ihre Hater auf ihre Brand ein. Und die expandiert kontinuierlich. Heute steckt Kylie Jenner in Beauty, Fashion, Drinks – und jetzt auch in Meta AI Glasses.
Die Kylie-Schleife
Als sie 2015 Kylie Cosmetics gründete, war die Idee simpel: Lippen-Kits, Social Media, künstliche Verknappung, Kylie Jenner selbst als Testimonial. Nur dass sie bereits zu diesem Zeitpunkt eine Plattform und Glaubwürdigkeit hatte, die große Brands sich teuer erkaufen müssen: Ihre Follower waren ihre Reise vom hässlichen Entlein zur Kussmund-Queen mit ihr gegangen und erwarben mit dem ersten Lip Kit nicht nur ein Produkt, sondern ein Stück Internetkultur. Ihr Gesicht wurde zum Vertriebskanal. Und ihr Business Modell zur Blaupause für andere Celebrity-Brands von Selena Gomez über Hailey Bieber. Kylie Jenners Follower:innen sind nicht nur Publikum, sondern potenziell Kundschaft. Und produzieren als Fans neuen Content, der auf ihre Brand Awareness einzahlt. Das ist die KylieSchleife: sehen, wollen, kaufen, posten – und wieder von vorne. Coty kaufte 51 Prozent von Kylie Cosmetics für 600 Mio. US-Dollar. Jenner kassierte dabei einen gewaltigen Betrag und blieb an der Marke beteiligt. Forbes schätzt ihr Vermögen 2025 auf 670 Mio. US-Dollar. Ihre Beteiligung an Kylie Cosmetics ist weiterhin ein wichtiger Teil davon. Dazu kommen unter anderem KHY, die 2023 gestartete Fashion Brand, die Ready-todrink-Cocktails „Sprinter“ und gleich mehrere Duftlinien. Außerdem etliche Collabs mit so unterschiedlichen Marken wie Puma, Alo Yoga, Balmain …
Meta Glasses by Kylie
Ein Business Case des 21. Jahrhunderts Kaum jemand beherrscht es so souverän, die eigene Marke immer wieder in neue Kontexte zu übersetzen. Warum also nicht auch Hardware? Im Juni dieses Jahres kommt also der vielleicht spannendste Match ihrer Karriere: Kylie Jenner trifft auf Meta. Das Ergebnis: Meta Glasses by Kylie, eine schlanke, ovale Brille, die nicht nach Nerd-Ausstattung, sondern nach Fashion Piece aussieht. Und das ist entscheidend. Denn Meta pusht mit den Brillen gerade ein Produkt, an dem Fellow-Tech-Riese Google sich die Finger verbrannt hat. Bereits 2012 präsentierte Sergey Brin eine smarte Brille mit auffälliger Frontkamera, 2013 kam Google Glass auf den Markt. Schnell rief das neue Produkt die Datenschützer auf den Plan. Immerhin lassen sich mit dem Device unbemerkt andere Menschen filmen. Die Träger:innen wurden als „Glassholes“ (Brillen-Arschlöcher) beschimpft. „Ich habe definitiv viele Fehler gemacht bei Google Glass, ich will ehrlich sein“, gab Brin 2025 auf der Google I/O zu.
Die gläserne Consumer Brand
Die Datenschutzbedenken, mit denen Sergey Brin kämpfte, sind auch 2026 nicht vom Tisch. Aber auch hier ist es eine verdammt smarte Idee, Jenner als Markenbotschafterin einzusetzen. Sie, die seit ihrer Jugend das lebt, vor dem Datenschützer warnen: absolute Transparenz. Statt sich über obsessive Fans zu beschweren, zelebriert sie sich als gläserne Consumer Brand. Wie schlimm kann es sein, die Details seines Lebens zu teilen, wenn eine Multimillionärin genau das freiwillig lebt? Kylie Jenner verkauft längst keine einzelnen Produkte mehr, sie verkauft ein Universum, in das man sich Stück für Stück hineinkaufen kann. Und das immer wieder aufs neue Aufmerksamkeit generiert. Genau deshalb ist Jenner ein Business Case des 21. Jahrhunderts: Nicht, weil sie ständig geniale Produkte entwickelt. Sondern weil sie es perfekt beherrscht, Produkte aussehen zu lassen, als seien sie elementarer Teil eines Lebens, für das sich wirklich jede:r interessiert: ihr eigenes. Als Geschäftsfrau scheint sie bewusst auszutesten, wie weit sie das „Kylieversum“ ausdehnen kann. Und es ist unwahrscheinlich, dass sie damit in nächster Zeit auf die Nase fällt. Ihre Brille besitzt schließlich ein smartes Navigations-Tool.

KI-ng Kylie Die „Meta Glasses by Kylie“ verbinden Kamera, Open-Ear Audio und Meta AI – Fotos, 3K-Videos, Musik, Calls und KI-Assistent inklusive. Kleine Kylie Extras: ein Edelstein neben der Kamera, ein Make-up-freundlicher Metall-Nasensteg und auf Wunsch sogar eine KI-generierte Version ihrer Stimme. Preis für die Starfire Kylie Edition: 419€ in Deutschland.