Macron macht’s seit Jahren – Merz entdeckt den Investoren-Gipfel
Friedrich Merz lädt 200 Unternehmenschefs nach Berlin, Jensen Huang und Larry Fink inklusive. Der Gipfel soll zeigen, was Macrons „Choose France“ seit neun Jahren vormacht.
Rund 200 Unternehmenschefs aus dem In- und Ausland empfing Bundeskanzler Friedrich Merz seit Montagabend in Berlin, zum Auftakt im stillgelegten Kraftwerk, am Dienstag in der Business School ESMT auf der Museumsinsel. Unter den Gästen: Nvidia-Chef Jensen Huang, Blackrock-Chef Larry Fink sowie Singapurs Staatsfondschef Dilhan Pillay Sandrasegara, wie Handelsblatt berichtet. Für Deutschland ist „Invest in Germany“ eine Premiere, Frankreich macht mit „Choose France“ seit 2018 vor, wie man Kapital anlockt.
Beim jüngsten Versailles-Treffen kamen laut WirtschaftsWoche Investitionszusagen von 93 Mrd. Euro zusammen. Daran muss sich der deutsche Erstling messen lassen.
Vorbild aus Versailles
Emmanuel Macron hat mit „Choose France“ ein Format etabliert, das Merz‘ Team laut WirtschaftsWoche seit Amtsantritt „neidisch und bewundernd“ beobachtet hat. Neun Auflagen hat Frankreich bereits hinter sich, Rekordsummen inklusive. Deutschland startet mit einem Empfang im Kraftwerk Berlin und einer Konferenz an der ESMT, nüchterner als das Schlossspektakel in Versailles.
Aus dem Kanzleramt heißt es, man betrete „Neuland“, wolle aber „mehr privates Kapital anziehen“. Vorbild ist am Ende auch die US-Initiative „SelectUSA“, die Barack Obama 2011 ins Leben rief und die inzwischen jährlich rund 5000 Teilnehmer zieht. Der deutsche Auftakt bleibt dagegen überschaubar, planmäßig jedoch nicht einmalig: Im Januar soll in Davos ein „Deutsches Haus“ folgen.
Nvidia als Zugpferd
Stargast des Gipfels ist Jensen Huang, der laut Handelsblatt gemeinsam mit der Bundesregierung ein großes KI-Projekt vorstellen soll, das industrielle KI fördern und Deutschland im globalen Wettrennen voranbringen soll.
Die Regierung plant demnach eine staatliche Anschubfinanzierung in dreistelliger Millionenhöhe, unter anderem um Rechenkapazitäten bei der Deutschen Telekom anzumieten. Huang selbst hat gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bereits angekündigt, Nvidia bringe „noch einige Milliarden Dollar in Vorbereitung“ für Europa mit. Im vergangenen Jahr investierte der Konzern nach Angaben Huangs rund acht Milliarden Dollar in europäische KI-Projekte, etwa in die Unternehmen Nscale und Nebius.
Zahlen zeigen Aufholjagd
Dass der Gipfel nicht aus dem Nichts kommt, zeigt eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, laut WirtschaftsWoche investierten ausländische Unternehmen 2025 rund 86 Mrd. Euro in Deutschland, ein Plus von 50 Prozent gegenüber 2024. Nach dem Einbruch um fast 32 Prozent im Jahr 2024 habe sich die Lage damit stabilisiert, so das IW.
Zusätzlichen Rückenwind liefert die Ankündigung der Vereinigten Arabischen Emirate, bis zu 40 Mrd. Euro in Deutschland zu investieren. Kyndryl-Chef Martin Schroeter, dessen US-Konzern bereits bei „Choose France“ rund 100 Mio. Euro zusagte, hält Zahlen für Berlin noch zurück, lobt aber laut WirtschaftsWoche Rechtsstaat und Fachkräfte als Standortvorteile.
Business Punk Check
Der Vergleich mit Frankreich zeigt die eigentliche Messlatte: 93 Mrd. Euro Zusagen bei „Choose France“ stehen einem deutschen Erstversuch gegenüber, dessen konkrete Investitionssummen noch offen sind. Die IW-Zahlen von 86 Mrd.
Euro für 2025 belegen immerhin eine reale Trendwende, nicht erst eine PR-Ankündigung. Ob aus Huangs Milliarden-Ankündigung für Europa ein konkreter Deutschland-Betrag wird, bleibt am Gipfel-Ende unklar. Die Bundesregierung hat mit dem Nvidia-Projekt und der Einladungsliste einen Einstieg geschafft, der Beweis folgt erst bei der nächsten Auflage.
Auf einen Blick
- Rund 200 Unternehmenschefs nehmen am „Invest in Germany“-Gipfel in Berlin teil, darunter Nvidia-Chef Jensen Huang und Blackrock-Chef Larry Fink.
- Die Bundesregierung plant laut Berichten eine staatliche Anschubfinanzierung in dreistelliger Millionenhöhe für ein KI-Projekt mit Nvidia.
- Laut einer IW-Analyse stiegen ausländische Direktinvestitionen in Deutschland 2025 auf rund 86 Mrd. Euro, ein Plus von 50 Prozent gegenüber 2024.
- Frankreichs Vorbildformat „Choose France“ sammelte bei seiner jüngsten Auflage Investitionszusagen von 93 Mrd. Euro.
- Die Vereinigten Arabischen Emirate haben Investitionen von bis zu 40 Mrd. Euro in Deutschland angekündigt.
Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt, Rp Online, KI-unterstützt