briefing · BYD vs Mercedes

Mercedes halbiert Gewinn: China-Desaster kostet 5 Milliarden

Mercedes-Benz kämpft schrumpfenden Absätzen
Shutterstock Mercedes-Benz kämpft schrumpfenden Absätzen
Erschienen
Lesezeit3 Min · 651 Wörter

Der Stuttgarter Premiumhersteller verliert fast die Hälfte seines Profits. Zölle, Wechselkurse und vor allem der brutale Wettbewerb in China lassen das Konzernergebnis auf 5,3 Milliarden Euro abstürzen.

Mercedes-Benz hat 2025 ein finanzielles Debakel erlebt: Der Gewinn brach um 49 Prozent ein – von 10,4 auf 5,3 Milliarden Euro. Der Umsatz schrumpfte um neun Prozent auf 133,2 Milliarden Euro, das operative Ergebnis stürzte sogar um 57 Prozent auf 5,82 Milliarden Euro ab. Die Ursachen? Handelspolitische Verwerfungen, ungünstige Währungseffekte und ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb im Reich der Mitte. Immerhin: Einsparungen von über 3,5 Milliarden Euro in der Pkw-Sparte verhinderten Schlimmeres.

China-Kollaps trifft den Kern

Fast jedes dritte Mercedes-Fahrzeug wird in China verkauft – oder besser: wurde. Denn 2025 brachen die Verkäufe dort um 19 Prozent ein, wie Bild berichtet.

Von insgesamt 2,16 Millionen abgesetzten Pkw und Vans entfielen gut 1,8 Millionen auf die Pkw-Sparte – ein Minus von neun Prozent. Der wichtigste Einzelmarkt entwickelt sich zum größten Problemfall. Lokale Hersteller wie BYD, Nio oder Xpeng setzen Mercedes mit aggressiver Preispolitik und schnellerer Elektrifizierung massiv unter Druck.

Sparprogramm als letzte Rettung

Bis 2027 will der Konzern Produktions- und Fixkosten um jeweils zehn Prozent senken. Auch Materialkosten stehen auf dem Prüfstand. Parallel läuft ein Abfindungsprogramm für Beschäftigte in indirekten Bereichen – also außerhalb der Fertigung.

Mercedes-Chef Ola Källenius versucht Zuversicht zu verbreiten: Man setze auf Effizienz, Geschwindigkeit und Flexibilität. Die Transformation solle mit wettbewerbsfähigen Modellen vorangetrieben werden. Ob das reicht, um den Stern wieder zum Glänzen zu bringen, bleibt offen.

Business Punk Check

Mercedes steckt in der klassischen Premium-Falle: Während deutsche Hersteller noch über Plattformstrategien diskutieren, haben chinesische Wettbewerber längst die Elektro-Oberklasse erobert. Der 19-prozentige Absatzsturz in China ist kein Ausrutscher, sondern Symptom eines tektonischen Machtwechsels. Die Wahrheit: Mercedes hat den Technologievorsprung verspielt – und zwar nicht erst 2025. Drei Jahre zu späte E-Modelle, Software-Probleme und Preise, die selbst gutverdienende Chinesen nicht mehr rechtfertigen können. Das Sparprogramm ist richtig, kommt aber zu spät.

Bis 2027 werden BYD und Co. weitere Marktanteile erobert haben. Für Entscheider bedeutet das: Wer jetzt noch auf traditionelle Premiummarken setzt, ignoriert geopolitische Realitäten. Die neue Luxusklasse kommt aus Shenzhen, nicht aus Stuttgart. Mercedes muss radikal umbauen – oder sich mit einer Nischenrolle abfinden.

Häufig gestellte Fragen

Warum trifft der China-Einbruch Mercedes besonders hart?

China ist mit fast einem Drittel aller Verkäufe der wichtigste Einzelmarkt für Mercedes. Der 19-prozentige Absatzrückgang bedeutet nicht nur Umsatzverlust, sondern zeigt einen fundamentalen Machtwechsel: Lokale Hersteller wie BYD bieten Elektro-Luxus zu Preisen, gegen die deutsche Premium-Marken nicht konkurrieren können. Mercedes verliert dort nicht nur Marktanteile, sondern technologische Relevanz.

Welche Branchen sind neben der Automobilindustrie von ähnlichen geopolitischen Verschiebungen betroffen?

Maschinenbau, Chemie und Halbleiterindustrie erleben vergleichbare Dynamiken. Chinesische Unternehmen erobern systematisch Technologiefelder, die lange als deutsche Domäne galten. Der Mittelstand muss sich auf intensiveren Wettbewerb und protektionistische Handelspolitik einstellen – Diversifikation wird zur Überlebensfrage.

Kann Mercedes durch Kostensenkung allein die Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen?

Nein. Zehn Prozent weniger Kosten helfen kurzfristig, lösen aber nicht das Kernproblem: Mercedes hinkt bei Software, Batterietechnologie und Produktionsgeschwindigkeit hinterher. Ohne radikale Innovation und schnellere Markteinführung neuer E-Modelle bleibt der Konzern in der Defensive. Sparen stabilisiert, gewinnen tut man damit nicht.

Wie sollten deutsche Mittelständler auf diese Entwicklung reagieren?

Drei Prioritäten: Erstens, China-Abhängigkeit reduzieren durch Diversifikation in andere Wachstumsmärkte. Zweitens, Technologieinvestitionen beschleunigen – wer jetzt spart, verliert morgen. Drittens, strategische Partnerschaften mit innovativen Playern eingehen, statt auf traditionelle Lieferketten zu setzen. Die Mercedes-Zahlen sind ein Weckruf für die gesamte deutsche Industrie.

Welche Rolle spielen Handelszölle und Währungseffekte wirklich?

Sie verschärfen die Situation, sind aber nicht die Hauptursache. Mercedes nennt Zölle und Wechselkurse als Belastungsfaktoren – doch der massive China-Einbruch resultiert primär aus verlorener Wettbewerbsfähigkeit. Handelspolitik wird zum Sündenbock für hausgemachte Versäumnisse bei Elektrifizierung und Digitalisierung. Die unbequeme Wahrheit: Auch ohne Zölle hätte Mercedes in China massiv Federn gelassen.

Quellen: Bild, Zeit

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.