gesundheit! · Batterie

Mission: Rettung des Planeten

CMBlue Energy, Wir retten den Planeten
CMBlue Energy, Wir retten den Planeten
Erschienen
Lesezeit5 Min · 908 Wörter

Bei CMBlu Energy steht die organische Batterie im Lagerregal. Die kommt ohne seltene Erden aus und speichert gigantische Strommengen. Das fehlende Puzzleteil also für die Energiewende. Und ja: „Made in Germany“ glänzt wieder. 

Die Energiewende, alle wollen sie, aber sie klemmt. Allerdings ließen sich die Bremsen lösen. Ein Haufen Top-Ingenieure, Wissenschaftler und eine Handvoll verschwiegener Investoren sorgen mitten in Deutschland gerade dafür. Was sie machen, ist „Made in Germany“ pur: Es verbindet KI und Erfindergeist. Und es löst ein Problem, das auf den Nägeln brennt. 

Und das geht so: Die Bundesregierung will, dass in Deutschland vier bis fünf neue Windräder gebaut werden – pro Tag. Der Hammer dabei: Wenn der Wind bläst, produzieren sie zu viel Strom und müssen mangels Speicher und Transportmöglichkeiten abgeschaltet werden. Dafür erhalten die Betreiber eine Entschädigung. Das Gleiche gilt für Solarparks. Ein absurdes System, für das sich die Betreiber der Stromnetze den Begriff „Einspeisemanagement“ ausdachten. Sie meinen damit das zwangsweise Abschalten der Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien. 

Jene wird notwendig, wenn einzelne Abschnitte eines Übertragungsnetzes überlastet sind und keinen Strom mehr abtransportieren können. Komplett gaga, wenn dann Windkraftanlagen aus dem Wind gedreht oder Wechselrichter bei Solaranlagen ausgeschaltet werden! Die so nicht produzierte Energie trägt in der Fachsprache den hübschen Namen „Ausfallarbeit“.

Geisterstrom-Jäger

Der Name macht klar, wo das nächste Problem entsteht: Arbeit muss schließlich bezahlt werden. Für ihre „Ausfallarbeit“, also die zwangsweise nicht produzierte Energiemenge, erhalten die Anlagenbetreiber eine finanzielle Entschädigung in der Höhe, die bei einem normalen Netzbetrieb bezahlt worden wäre. Was man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Es fließt Geld in Deutschland, obwohl kein Strom fließt! „Geisterstrom“ ist kein schlechtes Wort für dieses Phänomen. 2021 wurden so 800 Millionen Euro in den Wind geblasen, berechnete die Bundesnetzagentur, Tendenz seither steigend. 

CMBlu Energy heißen die „Ghostbusters“ mit ihrem Laden in der Nähe von Frankfurt am Main, genauer gesagt Alzenau, die nicht nur dieses Problem lösen. Und zwar spektakulär. „Arbeitet für das Wohl unseres Planeten“, sagen sie in Alzenau, wenn sie neue Leute fürs inzwischen über 180 Mitarbeiter starke Team suchen. Am Anfang war da die Idee von Peter Geigle, einem leidenschaftlichen Mediziner und Biochemiker, der sich sagte: Die Natur hatte Millionen Jahre Zeit, um Energiespeichersysteme zu entwickeln, die bewirken, dass Pflanzen bei einer Durststrecke ohne Licht und Wasser auskommen. Und die es auch Menschen ermöglichen, Stunden und Tage ohne Nahrung zu überstehen. „Und sie hat sich nicht für Metallspeicher entschieden“, sagt Constantin Eis.

Wir retten den Strom!

Constantin ist hier der Chef, weißes Hemd aus der Hose, Pulli drüber, kommt von Rocket Internet, hat mal Home24 großgezogen, an der Börse in New York war er auch schon, den Ökostromanbieter Lichtblick hat er ins rechte Licht gerückt. Und jetzt CMBlu. Er sitzt in seinem Büro in der Etage über der Forschungsabteilung, wo sie daran arbeiten, die Energiedichte jener Batterien, die auf Geigles Forschungen beruhen, laufend zu erhöhen. 

Denn was der Biochemiker ahnte, hat sich bewahrheitet: CMBlu kann Batterien bauen, die bis auf einen kupfernen Stromabnehmer ohne Metalle und ohne irgendwelche seltenen und garantiert nur in China befindlichen Erden auskommen. Ätsch, chinesische Regierung!

Organic Solid-Flow heißt das System, Speichermedium ist ein einfaches, aber gut patentiertes Granulat, das Spezialchemieunternehmen tonnenweise produzieren können. Derzeit liegt die Energiedichte der fertigen Batterien bei 200 Wattstunden pro Liter, mehr als das Doppelte ist bereits im Labor machbar. Die Chinesen kommen mit ihren besten Lithiumakkus auf 450 Wattstunden. Doch Lithium ist bei den Alzenauern so was von tabu. Ein Blümchen auf der Wiese hat etwa 10 500 Wattstunden pro Liter im Stengel, rechnet Constantin vor und zeigt damit, wo die Reise hingeht. 

KI hilft dabei, noch effizienter Molekularverbindungen zu finden. Erst der Erfinder und heutige Aufsichtsrat Geigle, dann Constantin und ihre Großinvestoren wie der Baukonzern Strabag und IT-Vordenker und Daten-Guru Achim Becker – sie sind die wahren Nachfolger jener Al­che­misten, die jahrhundertelang nach dem Stein der Weisen suchten, der angeblich unedle Metalle in Gold verwandeln sollte. Mit dem Unterschied: Sie haben ihn gefunden. Besser: Sie haben die Batterie der Weisen entwickelt.

Kommt von hier

Gefertigt wird sie derzeit auf der anderen Straßenseite. Wenn Constantin aus dem Fenster guckt, sieht er die Produktionshalle, in der sich ein Batteriepack aufs andere stapelt. Der Energieversorger Uniper stellt sie im benachbarten und teilweise runtergefahrenen Kohle- und Gaskraftwerk auf, wo sie die Lastdifferenzen im Netz ausgleichen sollen. 

Mercedes hat welche bestellt, weil sich die schwäbischen Autobauer unabhängiger von Stromlieferanten machen wollen. Griechenland fördert die Ansiedlung von CMBlu in seinem Land mit 30 Millionen Euro, in den USA gibt es eine Niederlassung. „Ich lasse mich nicht von irgendeiner Tristesse in diesem Land anstecken“, sagt Constantin und fasst schon mal den Börsengang ins Auge. Irgendwann dann. 

Apropos Tristesse: Zwischen Labor und Produktion führt die gut befahrene Straße nach Alzenau hindurch. Während das Team vom CMBlu gerade den Planeten rettet, brütet die Stadt, ob sie einen Zebrastreifen genehmigen soll, damit niemand von den Planetenrettern beim Überqueren der Straße überfahren wird.

Seit über zwei Jahren läuft das Projekt „Zebrastreifen für CMBlu“. Gerade wurden zum dritten Mal die täglich vorbeibrausenden Autos und die verzweifelten Straßenüberquerer gezählt. Es könnte sich noch etwas damit hinziehen …

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.