Musk macht Ernst: Neuralink funkt bereits direkt in 12 Gehirne
Elon Musks Neuralink hat seine Gehirnchips mittlerweile bei zwölf Patienten implantiert. Die Technologie ermöglicht Gelähmten, Computer per Gedanken zu steuern – doch der Weg zur Marktreife ist noch weit.
Zwölf Menschen weltweit können inzwischen dank Elon Musks Neuralink-Technologie Computer und andere Geräte allein durch Gedankenkraft steuern. Das Unternehmen hat diese Zahl kürzlich selbst bestätigt und damit die Geschwindigkeit seiner klinischen Tests deutlich erhöht. Noch im Juni sprach das Barrow Neurological Institute, Partner von Neuralink, von lediglich sieben Patienten mit schweren Lähmungen, die mit den Implantaten ausgestattet wurden. Die Nutzungsdaten sind beeindruckend: Über 2000 Tage Gesamteinsatzzeit und mehr als 15.000 Stunden Nutzung verzeichnet das Unternehmen bereits.
Vom Affenhirn zum Menschen
Das Start-up Neuralink hat Elon Musk 2016 mitgegründet. In den ersten acht Jahren setzten die Neuralink-Forscher ihre Chips nur bei Affen ein, wie es bei FAZ berichtet. Der Weg zu Tests am Menschen war steinig. Die US-Gesundheitsbehörde FDA lehnte den Antrag 2022 zunächst wegen Sicherheitsbedenken ab. Erst 2024 erhielt das Unternehmen grünes Licht für klinische Studien mit Patienten.
Die Technologie wurde zunächst an Affen erprobt, bevor sie Menschen implantiert wurde, so der Tagesanzeiger. Das Implantat selbst ist etwa knopfgroß und enthält über 1000 extrem feine Elektroden, die elektrische Signale aus dem Bewegungszentrum des Gehirns auffangen. Schon die bloße Vorstellung einer Bewegung reicht aus, um beispielsweise einen Cursor auf dem Bildschirm zu steuern.
Gedankengesteuerte Alltagshilfen
Der erste Patient, ein 31-jähriger Mann mit Querschnittslähmung aus Arizona, berichtet von erstaunlich einfacher Handhabung. Es sei sehr leicht, die Technologie nutzen zu lernen.
Dank des Chips könne er zum Beispiel wieder seinen Fernseher bedienen, so n-tv. Auch Videospiele wie Mario Kart oder die Steuerung von Haushaltsgeräten wie Luftreinigern sind für ihn wieder möglich – ohne jegliche körperliche Bewegung.
Wettlauf um die Hirn-Schnittstelle
Neuralink ist längst nicht allein im Rennen um funktionsfähige Brain-Computer-Interfaces. Weltweit arbeiten Dutzende Unternehmen an ähnlichen Technologien, die neurologische Signale in Computerbefehle umwandeln. Laut Nau wird die klinische Studie von Neuralink insgesamt sechs Jahre dauern – ein Zeitraum, in dem die Konkurrenz nicht schlafen wird.
Die Implantate sollen besonders Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson oder Tetraplegie helfen. Allerdings bestehen weiterhin Bedenken bezüglich der Langzeitstabilität der Elektroden. Gewebeveränderungen im Gehirn, Narbenbildung und technische Probleme könnten die Signalqualität beeinträchtigen oder gesundheitliche Risiken verursachen.
Business Punk Check
Der Hype um Neuralinks Gehirnchips überdeckt knallharte Realitäten: Die Technologie steckt trotz beeindruckender Fortschritte noch in den Kinderschuhen. Die FDA-Bedenken wurden nicht ohne Grund geäußert. Während Musk medienwirksam Erfolge feiert, bleibt die entscheidende Frage nach der Langzeitstabilität der Implantate unbeantwortet. Narbenbildung und Gewebeveränderungen könnten die Signalqualität nach wenigen Jahren drastisch verschlechtern. Zudem fehlt ein tragfähiges Geschäftsmodell: Wer soll die voraussichtlich sechsstelligen Kosten pro Implantat tragen?
Krankenkassen? Privatpersonen? Für Early Adopters im Medizintechnik-Bereich bedeutet das: Beobachten ja, investieren nein. Die wahren Durchbrüche werden vermutlich von weniger bekannten, aber medizinisch fundierteren Unternehmen kommen.
Häufig gestellte Fragen
- Wie realistisch ist Neuralinks Zeitplan für eine kommerzielle Markteinführung?
Trotz der beeindruckenden Fortschritte ist eine breite Markteinführung vor 2030 unrealistisch. Die sechsjährige klinische Studie muss erst abgeschlossen und ausgewertet werden, bevor regulatorische Hürden überwunden werden können. - Welche Auswirkungen hat die Neuralink-Technologie auf etablierte Medizintechnik-Unternehmen?
Etablierte Medizintechnik-Konzerne reagieren mit verstärkten Investitionen in eigene BCI-Forschung. Für den Mittelstand entstehen Chancen als Zulieferer für Spezialkomponenten wie biokompatible Materialien oder miniaturisierte Elektronik. - Wie sollten Investoren die Entwicklungen bei Neuralink bewerten?
Statt direkt in das nicht börsennotierte Neuralink zu investieren, lohnt ein Blick auf spezialisierte Zulieferer für Implantattechnologie und Unternehmen mit Expertise in biokompatiblen Materialien. Diese profitieren vom BCI-Trend, tragen aber geringere regulatorische Risiken. - Welche ethischen Fragen müssen vor einer breiten Markteinführung geklärt werden?
Die Datensicherheit der Gehirnsignale, Fragen des geistigen Eigentums an Gedanken und klare Grenzen zwischen medizinischer Notwendigkeit und Enhancement müssen rechtlich und ethisch geklärt werden, bevor die Technologie den Massenmarkt erreichen kann.
Quellen: „FAZ“, „n-tv“, „Tagesanzeiger“, „Nau“