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Nazis kassiert: Jung von Matt & Laut gegen Nazis machen Druck18 platt

JvM und
Business Punk by KI JvM und "laut gegen Nazis" machen gemeinsame Sache
Erschienen
Lesezeit4 Min · 798 Wörter

Kreativagentur Jung von Matt und der Verein Laut gegen Nazis sichern sich Markenrechte am größten rechtsextremen Online-Shop Deutschlands. Eine juristische Strategie, die der Nazi-Szene den Geldhahn zudrehen soll.

Markenrecht gegen Rechtsextremismus – ein ungewöhnlicher Ansatz im Kampf gegen Nazi-Propaganda. Die Werbeagentur Jung von Matt und der Verein Laut gegen Nazis haben sich die Markenrechte am Namen „Druck18“ gesichert, bisher das Aushängeschild unter den rechtsextremen Online-Shops in Deutschland.

Der juristische Schachzug ist Teil der Kampagne „Recht gegen Rechts“, die seit Oktober 2023 läuft und bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, wie „horizont.net“ berichtet.

Wirtschaftlicher Schaden statt moralischer Appelle

Die Strategie ist so einfach wie effektiv: Statt auf moralische Appelle zu setzen, zielt die Kampagne direkt auf die Finanzströme der rechten Szene. „Druck18“ fungierte bisher als zentraler Vertriebskanal für rechtsextreme Merchandise-Artikel. Der Shop, betrieben vom Thüringer Neonazi Tommy Frenck, vertreibt hunderte Produkte mit rassistischen, antisemitischen und geschichtsrevisionistischen Inhalten.

Darunter fallen auch codierte Botschaften wie „HKNKRZ“ oder „HTLR“, die auf den ersten Blick wie provokanter Humor wirken, tatsächlich aber als Erkennungszeichen und Finanzierungsquelle der Szene dienen. Durch die markenrechtliche Sicherung kann der Shop unter diesem Namen nicht mehr weitergeführt werden. Bei Zuwiderhandlung drohen Unterlassungsklagen und Schadensersatzforderungen – ein empfindlicher wirtschaftlicher Schlag für die rechte Szene. Laut „absatzwirtschaft.de“ ist dies ein strategischer Schritt, um rechtsextreme Strukturen nachhaltig zu stören.

Von einzelnen Codes zur systematischen Infrastruktur-Störung

Die Initiative markiert eine Weiterentwicklung der bisherigen Strategie. „Wir haben bereits mit der markenrechtlichen Eintragung einzelner Codes gezeigt, dass man Nazis dort treffen kann, wo es ihnen am meisten wehtut – im Geldbeutel“, erklärt Jörn Menge, Gründer von Laut gegen Nazis e.V., gegenüber „absatzwirtschaft.de“ dokumentiert. Mit der Sicherung des gesamten Shop-Namens geht man nun einen Schritt weiter.

Diese Form des wirtschaftlichen Aktivismus zeigt bereits Wirkung. Frühere Aktionen der Kampagne führten dazu, dass rechtsextreme Shops markenrechtlich gesicherte Namen wie „Enness“ aus dem Netz nehmen mussten. Die Kombination aus kreativen Mitteln und juristischer Konsequenz erweist sich als wirksames Instrument im Kampf gegen rechte Propaganda, so „absatzwirtschaft.de“.

Markenrecht als politisches Instrument

Der Fall „Druck18“ demonstriert, wie Wirtschafts- und Markenrecht als politisches Instrument eingesetzt werden kann. Die Agentur Jung von Matt, die die Kampagne als Kreativpartner begleitet, nutzt ihre Expertise im Markenrecht, um gesellschaftspolitisch zu wirken. Dieser Ansatz könnte Schule machen und zeigt, wie Unternehmen jenseits von CSR-Floskeln konkret gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können.

Die Kampagne „Recht gegen Rechts“ wurde bereits mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet und demonstriert, wie wirtschaftliche Hebel gegen extremistische Strukturen eingesetzt werden können. Der Verein Laut gegen Nazis e.V. nutzt die markenrechtliche Sicherung gezielt als juristisches Instrument, um gegen die kommerzielle Verbreitung rechter Codes vorzugehen, berichtet „horizont.net“.

Business Punk Check

Die Strategie zeigt, dass der Kampf gegen Rechtsextremismus nicht nur auf der moralischen Ebene geführt werden muss – wirtschaftliche Hebel können deutlich effektiver sein. Für Unternehmen bietet dieser Ansatz eine Blaupause, wie gesellschaftliches Engagement konkret und messbar umgesetzt werden kann, jenseits von Marketing-Floskeln und PR-Statements. Die wahre Innovation liegt in der Nutzung bestehender Rechtsinstrumente für gesellschaftspolitische Zwecke. Allerdings bleibt die Frage, wie nachhaltig solche Eingriffe sind.

Rechtsextreme Strukturen passen sich an und finden neue Vertriebswege. Der wirkliche Test wird sein, ob die Initiative einen langfristigen Dominoeffekt auslösen kann, der die Finanzierungsmodelle der rechten Szene nachhaltig stört. Für Unternehmen bedeutet dies: Gesellschaftliche Verantwortung kann mit wirtschaftlicher Expertise und rechtlichem Know-how wirkungsvoller umgesetzt werden als mit bloßen Solidaritätsbekundungen.

Häufig gestellte Fragen

  • Wie können Unternehmen das Konzept des wirtschaftlichen Aktivismus für eigene CSR-Strategien nutzen?
    Unternehmen sollten ihre spezifische Expertise und rechtliches Know-how identifizieren, um gezielt gesellschaftliche Probleme anzugehen. Statt symbolischer Aktionen können konkrete wirtschaftliche oder juristische Hebel deutlich wirkungsvoller sein. Besonders effektiv: die Zusammenarbeit mit spezialisierten NGOs, die das nötige Fachwissen im jeweiligen gesellschaftlichen Bereich mitbringen.
  • Welche rechtlichen Risiken bestehen bei der Übernahme von Markenrechten zu aktivistischen Zwecken?
    Die Strategie erfordert sorgfältige juristische Prüfung. Unternehmen müssen sicherstellen, dass die Markenübernahme rechtlich einwandfrei erfolgt und keine Anfechtungsgründe bestehen. Wichtig ist auch die Dokumentation der tatsächlichen Nutzungsabsicht, um Vorwürfen des Rechtsmissbrauchs vorzubeugen. Eine spezialisierte Rechtsberatung ist unerlässlich.
  • Wie lässt sich der wirtschaftliche Erfolg solcher Aktivismus-Kampagnen messen?
    Erfolg sollte an konkreten Kennzahlen gemessen werden: Anzahl blockierter Vertriebskanäle, quantifizierbare finanzielle Einbußen der Zielgruppe, Reichweite der Berichterstattung und langfristige Veränderungen im Zielmarkt. Wichtig ist ein Monitoring-System, das über reine PR-Werte hinausgeht und tatsächliche gesellschaftliche Wirkung erfasst.
  • Welche Branchen können besonders effektiv mit wirtschaftlichem Aktivismus arbeiten?
    Besonders geeignet sind Rechts- und Beratungsunternehmen, Technologiefirmen mit Plattform-Expertise, Finanzdienstleister und Kreativagenturen. Sie verfügen über spezifisches Know-how, das gesellschaftliche Hebelwirkung entfalten kann. Entscheidend ist die Identifikation der eigenen Kernkompetenz und deren strategische Ausrichtung auf gesellschaftliche Probleme.

Quellen: „horizont.net“, „absatzwirtschaft.de“

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