Play hard forever: Klopp, Kroos und die neue Last-Dance-Strategie
Wenn wir in dieser Woche etwas gelernt haben, dann sicherlich: Wie der perfekte Abschied geht. Jürgen Klopp und Toni Kroos haben den Blueprint dafür geliefert. Zwei Giganten des Sports. Am Sonntag verneigte sich der eine in Liverpool, nur 48 Stunden später der andere in Madrid. Wir verleihen ihnen dafür den nächsten Titel: Best Business Punks 2024! Denn besser kann man unseren „Work hard, play hard“-Spirit nicht vorleben. Statt immer weiter Erfolg nach Erfolg zu jagen: Play hard forever! Wahre Champions haben das perfekte Timing dafür. Sie nennen es: The Last Dance.
„The Last Dance“ ist der Titel der legendären Netflix-Dokumentation über Michael Jordan, den besten Basketballspieler aller Zeiten. Wohl kein Sportler, der sie nicht verinnerlicht hat.
Der letzte Tanz von Jürgen Klopp: Er machte ihn jetzt mit einer ganzen Stadt. In Liverpool ist er längst Volksheld und Ehrenbürger. Bei seinem Amtsantritt vor neun Jahren sagte er: „It‘s not important what people think when you arrive, it‘s more important what they think when you leave“. Wahre Worte!
Unvergessen, wie er sich als „The normal One“ vorstellte. Heute weiß er: „I am the normal one, but I just don‘t live a normal life.“
Kloppo, der Menschenfänger. Motivations-Monster. Seine Botschaft. „Doubters to believers“. Nicht zweifeln, sondern immer an sich glauben. Ein absoluter Herzensmensch. Es gibt wohl niemanden in England, den er nicht umarmt hat – oder der nicht in seine Arme wollte.
Das Learning für alle Business Coaches: Es gibt Manager, die werden respektiert. Jürgen Klopp wird geliebt.
Er hat Liverpool zum Premiere League-Meister gemacht, zum ersten Mal seit 1990. Und er hat die Champions League gewonnen. Jürgen Klopp hätte für immer bleiben oder sich Jobs auf der ganzen Welt aussuchen können. Er hätte Bundestrainer und vielleicht sogar Bundeskanzler werden können. Aber nein: Er steigt aus. Freiwillig. Er will keiner sein, der aus dem Amt gedrängt oder gefeuert wird.
Geld? Interessiert ihn nicht mehr. In einer Zeit, wo englische Clubs mit Hunderten von Millionen Euro nur um sich werfen, verspricht Kloppo, dass er niemals einen anderen Club in England übernehmen wird. In Liverpool singen sie: „You‘ll never walk alone“. Klopp weiß heute: „I‘ll never walk alone…again.“
Nach neun Jahren work hard in der Premiere League jetzt also play hard forever. Damit wir das alles miterleben können, hat er sich einen Instagram-Account zugelegt. Unter dem Branding „Kloppo – The Normal One“. Ausgerechnet er, der Social Media immer abgelehnt hat. Nach wenigen Stunden hat er schon über 2,7 Millionen Follower.
Wer ihm zumindest dabei deutlich voraus ist: Toni Kroos, er hat mittlerweile über 46,5 Milllionen Follower und seinen eigenen Podcast „Einfach mal Luppen“. Und so nutze er auch gleich seine Channels für die Breaking News: Dass er, der beste deutsche Fußballer aller Zeiten, freiwillig abtritt. Kein anderer hat fünfmal die Campions-League gewonnen und ist dazu Weltmeister geworden. Nicht einmal Franz Beckenbauer. „Ein Schock für die Fußballwelt“, wie die spanische Zeitung Marca gleich titelte.
King Kroos schreibt zum Abschied: „Der 17. Juli 2014 – der Tag meiner Präsentation bei Real Madrid hat mein Leben verändert. Mein Leben als Fußballer – vor allem aber als Mensch. Nach zehn Jahren geht dieses Kapitel beim größten Club der Welt zu Ende. Ich bin froh und stolz, dass ich den Zeitpunkt selbst festlegen konnte. Mein Ehrgeiz war es immer, meine Karriere auf dem Höhepunkt meines Leistungsniveaus zu beenden.“
Er, die ultimative Pass-Maschine, die Präzision in Person, spielt seinen letzten Pass. The Last Dance also: Toni Kroos hat zwei davon. Mit Real Madrid steht er am 1. Juni im Finale der Champions League. Im Wembley Stadion gegen Borussia Dortmund. Es könnte sein sechster Titel in der Königsklasse werden.
Und dann ist auch noch Sommermärchen in the Making: Kroos als DER Hoffnungsträger bei der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Sein Comeback in der Nationalmannschaft. Jetzt wissen wir: Er ist nur noch einmal zurückgekommen, um dann für immer zu gehen!
Eine Entscheidung, an der übrigens ein anderer Sport-Gigant durchaus Anteil hat: Dirk Nowitzki. Der Basketball-Superstar hat Toni Kroos in seinem Podcast mal anvertraut, dass er seine Karriere gerne früher beendet hätte. Weil das letzte Jahr bei den Dallas Mavericks sportlich nichts mehr gebracht habe, außer seine Verletzungen zu verstärken. Heute könne er deshalb mit seinen Kindern kaum noch im Garten Fußball spielen, weil die Knie so kaputt seien. Warnende Worte für einen Familienmenschen wie Toni Kroos, wie er mir mal sagte.
Das Timing für den perfekten Abschied? Wieviele es doch verpasst haben. Jogi Löw zum Beispiel. Wäre er als Bundestrainer nach dem WM-Sieg 2014 in Brasilien nur abgetreten, er wäre unsterblich gewesen. So aber klebt sein Name am WM-Vorrunden-Aus…
Ebenso Cristiano Ronaldo: Einst Ikone, heute macht er sich als Fußball-Rentner in Saudi-Arabien zum Clown. Oder Messi (Jahreseinkommen immer zwischen 170 und 400 Millionen Dollar), der Messias von Barcelona. In Paris hat er kein Croissant gewinnen können, in Miami kickt er nur noch für seinen Freund David Beckham und teure Apple TV-Deals.
Auch Bastian Schweinsteiger hat sich keinen Gefallen getan, dass er nach dem WM-Sieg mit blutverschmiertem Gesicht noch mal vom FC Bayern München auf die Ersatzbank von Manchester United und dann nach Amerika gewechselt ist.
The Last Dance bedeutet eben: Tanzen, so lange man es wirklich noch kann!