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Showdown im Aufsichtsrat: Bahn ringt um den Verkauf ihrer profitabelsten Tochter 

DB Schenker
Aussenansicht des DB Schenker Gueterverteilzentrums in Duisburg-Friemersheim, LKW, Container, Ladebruecken, Wechselbehaelter, Firmenlogo, allgemein, feature, Randmotiv, Symbolfoto am 19.09.2024 in Duisburg/ Deutschland. #DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video, Foto: Picture Alliance
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Der Logistiker DB-Schenker soll nach Dänemark verkauft werden. Eigentlich war schon alles in trockenen Tüchern, doch jetzt rebellieren einige Aufsichtsratsmitglieder. Können sie den Verkauf, der auf Dauer tausende von Jobs kosten wird, noch verhindern? 

Im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn gibt es heute eine Kampfabstimmung, die ein Signal dafür ist, wie sehr das Staatsunternehmen noch an den eigenen Standort glaubt. Es geht um den größten Verkauf in der Geschichte der Deutschen Bahn und darum, ob der einzige wirkliche Gewinnbringer, den das Unternehmen hat, unwiederbringlich ins Ausland verkauft und zerschlagen wird, oder ob er eine Chance auf eine Weiterentwicklung in Deutschland erhält. Es geht es auch um rund 75 000 Mitarbeiter weltweit, deren Arbeitsplätze in Gefahr sind. Es geht um eine Konzernzentrale in Essen, die entweder erhalten bleibt und die hierzulande Steuern zahlt oder die zu einer von vielen Niederlassungen eines ausländischen Konzerns degradiert wird. Schließlich geht es auch um den Fortbestand einer Marke, die seit mehr als 150 Jahren in Deutschland und anderswo für funktionierende Logistik steht.  

Passiert ist folgendes: Die Logistiktochter der Deutschen Bahn DB-Schenker soll verkauft werden und an sich ist der Vertrag bereits in trockenen Tüchern. Der Verkauf, den die Bahn vor allem unter dem Kriterium „Wer zahlt am meisten“ über die Bühne gebracht hat, ist heikel. Das liegt vor allem daran, dass Schenker-Konkurrent DSV im Ruf steht, Wettbewerber aus dem Weg zu räumen. Den Dänen geht es um Marktbereinigung und wo sie sauber gemacht haben, steht am Ende außer dem eigenen Laden wenig. 2019 schluckte die DSV die einst stolze Schweizer Panalpina und setzte anschließend ein Drittel der Belegschaft an die Luft.  

Auch für Schenker sieht es nicht wirklich gut aus. Arbeitsplätze werden nur für zwei Jahre garantiert, der Name soll verschwinden. Was dann von der Konzernzentrale in Essen übrig bleibt, steht in den Sternen. DSV-Chef Jens Lund sagte jetzt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, es werde Entlassungen geben, „aber nicht in großem Umfang“. Schon deswegen allerdings wird die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat der Bahn die Entscheidung für die Dänen ablehnen. Eisenbahnergewerkschaft und GDL kündigten an, gegen den Verkauf an die DSL zu stimmen – wobei die Gewerkschaft der Lokomotivführer gestern Abend in einer kunstvoll gedrechselten Mitteilung generell den Verkauf befürwortet, aber das derzeitige Verfahren ablehnt. „Der DB Konzern wird einer Verantwortung für die Beschäftigung in keinster Weise gerecht und zeigt keinerlei soziales Gewissen – dies wird es mit der GDL nicht geben“ , stellt der Bundesvorsitzende der GDL, Mario Reiß klar und moniert, dass das Bieterverfahren nicht vergleichbar und transparent für den Aufsichtsrat dargestellt wurde. 

Genau da setzt auch ein Gutachten an, das der unterlegene Bieter, der Finanzinvestor CVC noch ganz zuletzt am Freitag an den Aufsichtsrat verteilt hat. CVC bemängelt zum Beispiel, dass sie nach einem offenbar erhöhten Angebot der dänischen Verhandlungspartner nicht ebenfalls die Möglichkeit hatten, noch ein allerletztes Angebot abzugeben. Auch macht der Finanzinvestor eine andere Perspektive auf als der Konkurrent: Während DSV sich Schenker einverleiben will, möchte CVC das Unternehmen profitabler machen, erhalten und mittelfristig in Deutschland an die Börse bringen. Klar wird: Auch dieser Weg wird am Ende nicht ohne eine Verkleinerung Schenkers über die Bühne gehen. Schenker ist nach Insider-Angeben längst nicht so profitabel wie vergleichbare andere Logistik-Unternehmen. Die Bahn dürfte auch hier unter Beweis gestellt haben, dass es ihr an Managementqualitäten mangelt. Aber iommerhin gibt es für Schenker unter CVC-Ägide eine deutsche Perspektive. 

Bahnchef Richard Lutz verteidigt den bislang anvisierten Deal dennoch: „Der Verkaufsprozess für DB Schenker war von der Deutschen Bahn AG als Eigentümerin nach EU-Recht transparent, offen und diskriminierungsfrei aufgesetzt“, rechtfertigt er seine Entscheidung für die Dänen in einem Podcast. Und: Es sei vor allem auf die wirtschaftliche Attraktivität des Angebots angekommen. 

Damit wird es heute zum Showdown im Aufsichtsrat kommen. Beide Gewerkschaften verfügen über neun Sitze, unklar ist noch, wie sich das Aufsichtsratsmitglied verhält, das für die Führungskräfte im Unternehmen spricht.  Sie dürften allerdings unter der DSV einer unsicheren Zukunft entgegengehen.  Die Arbeitgeberseite und die politischen Vertreter im Aufsichtsrat haben zehn Stimmen, kommt es zu einem Patt, kann die Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden den Ausschlag geben. 

Es wäre damit die Stimme Werner Gatzers, der vor einem Jahr seinen Posten als Staatssekretär im Finanzministerium aufgeben musste, nachdem das Bundesverfassungsgericht den von ihm maßgeblich entworfenen Haushalt für illegal erklärte. Auch Gatzer könnte ins Grübeln gekommen sein, ob der Verkauf an die Dänen schlau ist. Der vom Bund ausgelöste Verkauf der Commerzbankanteile an einen italienischen Wettbewerber hatte in der vergangenen Woche eine ungeahnte Protestwelle ausgelöst, so dass sich am Ende sogar Kanzler Olaf Scholz genötigt sah, den weiteren Verkaufsprozess von Commerzbankanteilen zunächst zu stoppen. Dass der Verkauf der profitablen Bahntochter in der Politik jetzt noch Jubel auslöst, ist auch bei einem hohen Verkaufspreis nicht zu erwarten. 

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.