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SpaceX bei 210 Dollar: Einstieg oder letzter Absprung?

Elon Musk will hoch hinaus
BP | KI-generiert mit ChatGPT Elon Musk will hoch hinaus
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Lesezeit3 Min · 537 Wörter

Nach dem größten Börsengang der Geschichte knackt SpaceX die 2,7-Billionen-Bewertung und überholt Amazon. Doch während Analysten zwischen Euphorie und Crash-Warnung schwanken, ziehen Krypto-Anleger den Kürzeren.

Elon Musk ist jetzt offiziell der erste Billionär der Weltgeschichte. Drei Handelstage nach dem SpaceX-IPO steht die Aktie bei 210 US-Dollar – ein Plus von 30 Prozent seit dem Debüt laut BTC-ECHO. Mit einer Marktkapitalisierung von 2,73 Billionen US-Dollar hat das Raumfahrtunternehmen Amazon überholt und rangiert nun auf Platz sieben der wertvollsten Assets weltweit. Der Clou: SpaceX macht keinen Gewinn. 2025 stand bei 18,67 Milliarden US-Dollar Umsatz ein Nettoverlust von 4,94 Milliarden US-Dollar in den Büchern. Trotzdem kennt der Kurs kein Halten.

Der Grund: SpaceX kündigte die Übernahme der KI-Programmierplattform Cursor für 60 Milliarden US-Dollar in reinen Aktien an – eine der größten Tech-Akquisitionen überhaupt. Cathie Woods ARK-Fonds kaufte allein am 14. Juni SpaceX-Aktien für 444,3 Millionen US-Dollar, wie Finanzen.net berichtet. Ihre Prognose: 2,5 Billionen US-Dollar Unternehmenswert bis 2030. Oppenheimer setzt das Kursziel auf 190 US-Dollar, Wolfe Research auf 175 US-Dollar. Beide Häuser glauben an ein EBITDA von über 90 Milliarden US-Dollar bis Ende des Jahrzehnts.

Analysten im Glaubenskrieg

Doch nicht alle teilen die Euphorie. CFRA-Analyst Keith Snyder vergab ein Verkaufsvotum mit Kursziel 115 US-Dollar – deutlich unter dem Ausgabepreis von 135 US-Dollar. Seine Begründung: Die Bewertung sei „nahezu absurd“ angesichts kumulierter Verluste von 41,3 Milliarden US-Dollar seit 2002. Morningstar geht noch weiter und bewertet SpaceX mit lediglich 63 US-Dollar je Aktie – ein Abschlag von 53 Prozent zum IPO-Preis.

Analyst Nicolas Owens warnt gegenüber finanzen.net: Selbst im optimistischsten Szenario rechtfertige das Geschäftsmodell maximal 154 US-Dollar. Diesem Fall räumt Morningstar allerdings nur sieben Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit ein. Das strukturelle Problem: Nur Starlink schreibt schwarze Zahlen. Die KI-Sparte xAI verbrennt weiter Milliarden. Und Musk kontrolliert 83,8 Prozent der Stimmrechte, während er parallel Tesla, X und andere Ventures führt. Politische Kontroversen oder Fehlentscheidungen bei einem dieser Unternehmen treffen SpaceX-Aktionäre ohne Mitspracherecht.

Krypto-Crash als Kollateralschaden

Während SpaceX abhob, stürzte Bitcoin ab. Geoffrey Kendrick von Standard Chartered sieht einen Zusammenhang: ETF-Anleger hätten Bitcoin verkauft, um Cash für SpaceX freizumachen. Beweisbar ist das nicht, aber die zeitliche Überschneidung ist frappierend. Neue Nasdaq- und FTSE-Russell-Regeln erlauben zudem, Mega-IPOs schneller in Leitindizes aufzunehmen.

Kapital, das in SpaceX fließt, fehlt an anderer Stelle – besonders im Retail-Bereich, wo der SpaceX-Hype die Schlagzeilen dominiert. Die Hoffnung auf ein Ende des Iran-Kriegs gab den US-Märkten zusätzlichen Schub, wie das Handelsblatt berichtet. Während der Dow Jones Rekorde feierte, gaben Tech-Werte nach. Anleger nahmen vor dem Fed-Zinsentscheid Gewinne mit – nur SpaceX blieb unantastbar.

Business Punk Check

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: SpaceX ist astronomisch überbewertet. Ein Unternehmen, das seit 22 Jahren Verluste anhäuft, wird teurer gehandelt als Amazon – das ist Spekulation in Reinform, kein Investment. Musk verkauft Zukunftsversprechen, während die Gegenwart blutet. Die 60-Milliarden-Cursor-Übernahme? Ein geschickter Ablenkungsmanöver von der Tatsache, dass außer Starlink kein Geschäftsbereich profitabel ist.

Der Lock-up von 366 Tagen zeigt: Selbst Musk weiß, dass der Kurs auf Sand gebaut ist. Wer jetzt einsteigt, wettet nicht auf Fundamentaldaten, sondern auf den Musk-Mythos. Die entscheidende Frage kommt am 2. September mit dem ersten Quartalsbericht. Bis dahin gilt: Wer bei 210 US-Dollar kauft, sollte beten können – oder besser verkaufen, solange der Hype hält.

Quellen: BTC-ECHO, Handelsblatt, Finanzen.net

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.