Startup & Scaling 1,2 Milliarden für die Energie-Revolution: Cloover knackt den Code

1,2 Milliarden für die Energie-Revolution: Cloover knackt den Code

Berliner Startup Cloover sichert sich 1,2 Milliarden Dollar für sein KI-Betriebssystem, das die Energiewende demokratisieren soll. Die Finanzspritze kommt zur richtigen Zeit – der Markt für dezentrale Energie explodiert.

Die Energiewende steckt in einer Sackgasse. Während Solaranlagen und Wärmepumpen boomen, fehlt die finanzielle Infrastruktur, um sie flächendeckend zu verbreiten. Genau hier setzt das Berliner Startup Cloover an und hat sich jetzt eine gewaltige Finanzspritze gesichert. Mit einer Kombination aus 22 Millionen Dollar Eigenkapital und einer Fremdkapitalfazilität von 1,2 Milliarden Dollar will das Unternehmen nichts weniger als die Demokratisierung der Energiewende vorantreiben, wie Cloover in einer Pressemitteilung schreibt.

Der Engpass der Energiewende

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Cloover peilt für 2026 ein Umsatzvolumen von 500 Millionen Dollar an. Hinter diesem ambitionierten Ziel steht die Erkenntnis, dass Europas Energiewende aktuell von hunderttausenden kleiner und mittelständischer Installationsbetriebe abhängt.

Diese kämpfen mit fragmentierter Software, manuellen Prozessen und vor allem: begrenztem Kapitalzugang. Laut Mitteilung können traditionelle Banken Energieanlagen im Wohnbereich nicht mit der nötigen Geschwindigkeit finanzieren – was die Installation verzögert und viele Haushalte von sauberer Energie ausschließt.

Das Shopify der Energiebranche

Cloovers Ansatz verbindet Finanzierung direkt mit den Arbeitsabläufen der Installateure. Im Zentrum steht ein KI-gestütztes Kreditvergabesystem, das nicht auf klassische Bonitätskennzahlen setzt, sondern auf langfristige Energieeinsparungen. Zusätzlich finanziert das Unternehmen staatliche Förderungen vor, sodass Verbraucher sofort profitieren können.

„Wir entwickeln das Shopify der Energiebranche“, erklärt Mitgründer Valentin Gönczy in der Pressemitteilung. Die Plattform vernetzt Hersteller, Installateure, Haushalte und Investoren in einem einheitlichen Ökosystem – ähnlich wie Software vor zwei Jahrzehnten die Skalierung im E-Commerce ermöglichte.

Massive Kapitalspritze mit europäischer Unterstützung

Die Finanzierung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: Neben der Series-A-Runde über 22 Millionen Dollar, angeführt von MMC Ventures und QED Investors, kommt eine Fremdkapitalfazilität von 1,2 Milliarden Dollar hinzu.

Bemerkenswert ist auch die Garantie des Europäischen Investitionsfonds über 300 Millionen Euro, die die Finanzierungsprogramme absichert und kostengünstiges Kapital für die Energiewende bereitstellt.

Messbare Erfolge für Installateure und Hausbesitzer

Die Effekte sind bereits messbar: Installateure, die Cloover nutzen, generieren durchschnittlich 30 Prozent zusätzlichen Umsatz, indem sie Kunden erreichen, die sie zuvor nicht bedienen konnten. Hausbesitzer profitieren von Energiekosteneinsparungen zwischen 20 und 30 Prozent – ohne hohe Anfangsinvestitionen.

Mit dem frischen Kapital plant Cloover die Expansion in weitere europäische Märkte wie Frankreich, Italien, Großbritannien und Österreich. Außerdem soll die Plattform durch weitere KI-gesteuerte Workflow-Automatisierungs- und Finanzierungsprodukte ausgebaut werden.

Business Punk Check

Die 1,2 Milliarden klingen nach Hype, sind aber ein notwendiger Kraftakt für die Energiewende. Der wahre Wert von Cloover liegt nicht in der KI-Technologie, sondern in der Lösung des Finanzierungsproblems – der unsichtbaren Bremse der Energiewende. Während Politik und Medien über Technologien diskutieren, scheitert die Transformation an banalen Finanzierungsfragen. Cloover hat diesen blinden Fleck erkannt.

Die kritische Frage bleibt: Kann ein Startup tatsächlich das leisten, woran etablierte Banken scheitern? Die Antwort hängt davon ab, ob Cloover die Komplexität lokaler Handwerksbetriebe und ihrer Prozesse meistern kann. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen schnell genug skalieren kann, bevor große Finanzakteure den lukrativen Markt für sich entdecken.

Häufig gestellte Fragen

  • Warum scheitert die Energiewende an der Finanzierung und nicht an der Technologie?
    Die Technologien für dezentrale Energie existieren bereits, aber traditionelle Banken können die vielen kleinen Projekte nicht schnell genug finanzieren. Cloovers KI-gestütztes System löst genau diesen Engpass durch automatisierte Kreditentscheidungen und Vorfinanzierung staatlicher Förderungen.
  • Welche Vorteile bietet Cloovers Plattform für mittelständische Installationsbetriebe?
    Installationsbetriebe erhalten Zugang zu Kapital, können Finanzierungen am Point of Sale anbieten und profitieren von automatisierten Workflows. Dies führt zu durchschnittlich 30% Umsatzsteigerung und erschließt neue Kundensegmente, die sich sonst keine Solaranlage leisten könnten.
  • Wie wirkt sich die EU-Unterstützung auf die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells aus?
    Die 300-Millionen-Euro-Garantie des Europäischen Investitionsfonds senkt das Risiko für Kreditgeber erheblich. Dies ermöglicht günstigere Finanzierungskonditionen und beschleunigt die Marktdurchdringung in verschiedenen EU-Ländern – ein entscheidender Vorteil gegenüber rein privat finanzierten Wettbewerbern.
  • Welche Branchen profitieren neben den Installateuren von Cloovers Plattform?
    Hersteller von Solaranlagen, Wärmepumpen und Batteriespeichern gewinnen durch schnellere Verkaufszyklen. Gleichzeitig entstehen neue Anlagemöglichkeiten für institutionelle Investoren, die in klimafreundliche Infrastruktur investieren wollen, aber bisher keinen skalierbaren Zugang hatten.

Quellen: Cloover

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