Startup & Scaling 1,6 Milliarden Euro Föderung: Warum deutsche Startups trotzdem verlieren

1,6 Milliarden Euro Föderung: Warum deutsche Startups trotzdem verlieren

BMWK und EIF pumpen 1,6 Milliarden Euro in deutsche Tech-Startups. Die Programmlinie EIF German Equity soll KI, FinTech und Deep Tech stärken. Doch wer profitiert wirklich von der Förderung?

Berlin und Brüssel öffnen die Geldschleusen: 1,6 Milliarden Euro fließen in die neue Programmlinie EIF German Equity. Das Bundeswirtschaftsministerium und der Europäische Investitionsfonds wollen damit deutschen Tech-Startups den Rücken stärken – von der Frühphase bis zur internationalen Skalierung.

Die Botschaft: Deutschland braucht mehr Technologieführer, weniger Brain Drain ins Ausland. Klingt gut. Aber funktioniert das Modell wirklich?

Bewährtes Konzept mit neuer Milliardendosis

Die Partnerschaft zwischen BMWK und EIF existiert seit 2004 und hat laut Munich Startup bereits über 49 Milliarden Euro in rund 290 Fonds mobilisiert. Daraus entstanden mehr als 6.000 Unternehmensfinanzierungen – darunter Namen wie Personio, Flix, N26 oder Trade Republic. Der Hebel funktioniert: Jeder öffentliche Euro zieht durchschnittlich fünf Euro privates Kapital nach.

EIF German Equity setzt auf denselben Mechanismus als Dachfonds, der in Venture-Capital- und Wachstumsfonds investiert. Der Fokus liegt auf KI, FinTech, Energie- und Produktionstechnologien sowie Life Sciences. Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin im BMWK, formuliert es so: „Wir investieren dort, wo Zukunft entsteht: bei jungen Technologieunternehmen.“ Parallel dazu betont Nicola Beer, Vizepräsidentin der Europäischen Investitionsbank: „Der Zugang zu Eigenkapital ist entscheidend für die strategische Souveränität Europas – genau hier setzt dieses Mandat an.“.

Europäische Strategie trifft nationale Förderung

EIF German Equity ist Teil der europäischen Innovationsstrategie TechEU und verzahnt nationale Förderung mit EU-weiten Initiativen wie der European Tech Champions Initiative. Das Ziel: eine durchgängige Finanzierungsarchitektur vom Seed-Investment bis zur späten Wachstumsphase.

Für institutionelle Investoren bedeutet das ein starkes öffentliches Qualitätssignal, das ESG- und Governance-Standards setzt. Für Gründer soll es verlässlicheren Zugang zu Kapital und bessere Skalierungschancen über Ländergrenzen hinweg schaffen.

Business Punk Check

Die Zahlen klingen beeindruckend, aber die entscheidende Frage bleibt: Wer profitiert wirklich? Dachfonds wie EIF German Equity investieren nicht direkt in Startups, sondern in Venture-Capital-Fonds. Das bedeutet: Zwischen öffentlichem Geld und Gründer stehen mehrere Intermediäre – Fondsmanager, die ihre Gebühren kassieren und entscheiden, wer Kapital bekommt. Die Erfolgsgeschichten wie Personio oder N26 sind real, aber sie sind auch Ausnahmen in einem System, das strukturell etablierte Player bevorzugt. Die wahre Herausforderung liegt woanders: Deutschland hat kein Kapitalproblem, sondern ein Skalierungsproblem.

Viele Startups scheitern nicht am Seed-Investment, sondern an fehlender internationaler Expansion, bürokratischen Hürden und mangelndem Zugang zu globalen Märkten. Ein Dachfonds kann Kapital mobilisieren, aber er löst nicht die strukturellen Schwächen des deutschen Startup-Ökosystems. Wer wirklich profitiert, sind oft die Fonds selbst – nicht unbedingt die Gründer. Die provokante These: Solange Deutschland nicht radikal Bürokratie abbaut, internationale Talente anzieht und echte Exit-Märkte schafft, verpufft selbst das beste Förderprogramm. EIF German Equity ist ein wichtiger Baustein, aber kein Gamechanger. Entscheider sollten sich fragen: Investieren wir in die richtigen Strukturen oder nur in die nächste Förderschicht?

Häufig gestellte Fragen

Welche Startups profitieren konkret von EIF German Equity?

EIF German Equity investiert nicht direkt in Startups, sondern in Venture-Capital-Fonds. Diese Fonds entscheiden dann, welche Unternehmen Kapital erhalten. Der Fokus liegt auf KI, FinTech, Deep Tech, Energie- und Produktionstechnologien sowie Life Sciences. Historisch profitierten bereits Personio, Flix, N26 und Trade Republic von EIF-unterstützten Fonds. Für Gründer bedeutet das: Der Zugang läuft über etablierte VC-Fonds, nicht über direkte Anträge beim EIF.

Wie wirkt sich die Förderung auf den deutschen Mittelstand aus?

Der Mittelstand profitiert indirekt durch gestärkte Tech-Startups, die als Innovationspartner oder Zulieferer fungieren können. Allerdings fließt das Kapital primär in wachstumsstarke Tech-Unternehmen, nicht in traditionelle mittelständische Betriebe. Die eigentliche Chance liegt in Kooperationen: Etablierte Unternehmen können von geförderten Startups Technologien lizenzieren oder strategische Partnerschaften eingehen. Direkten Zugang zur Förderung hat der klassische Mittelstand jedoch nicht.

Warum investiert der Staat über Dachfonds statt direkt in Startups?

Dachfonds wie EIF German Equity minimieren das Risiko für öffentliche Gelder durch Streuung und nutzen die Expertise privater Fondsmanager. Der Hebel-Effekt mobilisiert zusätzliches privates Kapital – durchschnittlich das Fünffache der öffentlichen Mittel. Kritiker bemängeln allerdings, dass dadurch mehrere Gebührenschichten entstehen und die Kapitalgeber-Entscheidung bei privaten Akteuren liegt, die nicht zwingend volkswirtschaftliche Interessen priorisieren.

Welche Branchen werden durch EIF German Equity besonders gestärkt?

Der Schwerpunkt liegt auf Künstlicher Intelligenz, datengetriebenen Anwendungen, FinTech, Digitalisierung, Energie- und Produktionstechnologien sowie Life Sciences. Diese Bereiche gelten als strategisch wichtig für Europas technologische Souveränität. Merete Clausen vom EIF betont besonders Deep Tech, Life Sciences und Industrietechnologien als Bereiche, die auf leistungsfähige Fondsstrukturen angewiesen sind. Traditionelle Branchen bleiben außen vor.

Reicht Kapital allein, um deutsche Startups international wettbewerbsfähig zu machen?

Nein. Deutschland hat weniger ein Kapitalproblem als ein Skalierungsproblem. Bürokratische Hürden, fehlende internationale Talente und schwache Exit-Märkte bremsen Wachstum stärker als Kapitalmangel. EIF German Equity kann Finanzierungslücken schließen, aber strukturelle Schwächen des Ökosystems nicht beheben. Entscheidend sind parallel Reformen bei Arbeitsrecht, Visa-Vergabe und Kapitalmarktregulierung. Ohne diese Rahmenbedingungen verpufft selbst die beste Förderung.

Quellen: Munich Startup

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