Startup & Scaling Interview mit David Schreiber: „Das Internet weiß immer noch nicht, wer Unternehmen wirklich sind.“

Interview mit David Schreiber: „Das Internet weiß immer noch nicht, wer Unternehmen wirklich sind.“

Verbraucher loggen sich mit einem Klick ein. Zahlungen werden in Sekunden abgewickelt. Ganze Unternehmen entstehen in der Cloud.

Doch wenn zwei Unternehmen miteinander arbeiten wollen, endet der Prozess oft bei PDFs, Handelsregisterauszügen, manuellen Eigentümerprüfungen und Compliance-Teams, die sich durch endlose E-Mail-Verläufe kämpfen.

Duna wurde gegründet, um genau dieses Problem zu lösen. Das Unternehmen mit Standorten in Berlin und Amsterdam baut eine neue Infrastruktur für Business-Identität, einen digitalen Pass für jedes Unternehmen.

Business Punk spricht mit Co-Founder David Schreiber darüber, warum Business-Identität eines der am meisten unterschätzten Nadelöhr des Internets ist und wie KI Compliance vom Kostenfaktor zur Wachstumsinfrastruktur macht.

David, lass uns ganz am Anfang beginnen. Was ist Duna und warum braucht die Welt euch gerade jetzt?

David Schreiber: Duna bietet eine Infrastruktur, mit der Unternehmen schnell und verlässlich verstehen können, mit wem sie Geschäfte machen.

Aktuell sind Business-Identitäten über viele Register, Datenanbieter und interne Systeme verteilt. Beim Onboarding werden Gründungsdokumente geprüft, Eigentümerstrukturen analysiert, wirtschaftlich Berechtigte identifiziert und Risikoprofile bewertet. All diese Schritte sind notwendig, aber sie werden bei jeder neuen Geschäftsbeziehung von vorne wiederholt.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen. Unternehmen agieren global, Betrug wird komplexer und Regulatoren erwarten immer mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Unsere Plattform strukturiert Business-Identität deshalb, macht sie maschinenlesbar und kontinuierlich überprüfbar.

Du hast sechs Jahre bei Stripe gearbeitet und dort unter anderem die globale Card-Payment-Infrastruktur verantwortet. Welche Erkenntnis aus dieser Zeit hat Duna am stärksten geprägt?

David: Stripe hat mir natürlich enorm viel über Unternehmenswachstum beigebracht, aber vor allem darüber, wie mächtig Infrastruktur sein kann, wenn sie konsequent neu gedacht wird.

Gleichzeitig habe ich gesehen, wie viel operative Reibung im Identitäts- und Compliance-Layer steckt. Hinter jedem digitalen Produkt stehen Prozesse zur Identitätsprüfung und Risikobewertung, die oft noch aus einer Mischung aus Legacy-Systemen, manuellen Reviews und fragmentierten Datenquellen bestehen.

Diese Prozesse sind nicht nur teuer, sie verlangsamen auch Wachstum. Diese zentrale Erkenntnis hat überhaupt erst zur Idee von Duna geführt.

Ihr bezeichnet euch als „AI-native”. Viele Unternehmen verwenden diesen Begriff. Was bedeutet er in eurem Fall konkret?

David: Für uns bedeutet AI-native, dass Künstliche Intelligenz wirklich Teil der Kernarchitektur ist. KI hilft uns dabei, unstrukturierte Dokumente zu verarbeiten, Registerdaten über verschiedene Länder hinweg zu vereinheitlichen und Inkonsistenzen zu erkennen. Gleichzeitig können Onboarding-Prozesse dynamisch auf Risikosignale reagieren, sodass einfache Fälle schnell durchlaufen und komplexere Fälle automatisch vertieft geprüft werden.

Wichtig ist dabei, dass alle Entscheidungen nachvollziehbar bleiben. Compliance braucht Transparenz und Auditierbarkeit. KI unterstützt die Entscheidungsfindung, ersetzt aber nicht menschliche Verantwortung.

Unter anderem deshalb wird Compliance oft als notwendiges Übel wahrgenommen. Wie verändert ihr diese Sichtweise?

David: Compliance wird häufig nur als Kostenfaktor gesehen, etwas, das Unternehmen erfüllen müssen, um regulatorische Anforderungen abzuhaken. Dabei ist sie eigentlich die Grundlage für Vertrauen in digitalen Märkten und kann enorm zum Erfolg von Unternehmen beitragen, wenn sie sauber aufgesetzt ist.

Wir glauben, dass sich das fundamental ändern wird. Richtig gedacht kann Compliance vom jahrzehntealten Cost Center zu einem echten Wachstumstreiber werden.

Betrug beschleunigt sich, insbesondere durch KI-generierte Dokumente und synthetische Identitäten. Wie bleibt ihr vorne?

David: Betrug wird zunehmend automatisiert. KI erleichtert die Erstellung überzeugender falscher Dokumente oder komplexer Eigentümerstrukturen. Deshalb müssen auch die Systeme zur Betrugserkennung adaptiver werden.

Wir kombinieren verschiedene Datenquellen, analysieren Muster über Zeit und nutzen Anomalieerkennung, um ungewöhnliche Strukturen früh zu identifizieren. Gleichzeitig spielen Feedback-Schleifen eine wichtige Rolle. Jede bestätigte Betrugsaktivität hilft dem System, daraus zu lernen und sich so stetig weiter zu verbessern.

Ihr sprecht von einem digitalen Pass für jedes Unternehmen. Wie sieht diese Vision langfristig aus?

David: Langfristig geht es um Wiederverwendbarkeit.

Ein Unternehmen sollte seine Identität einmal strukturiert und umfassend verifizieren können. Diese verifizierten Informationen könnten dann mit Zustimmung in verschiedenen Geschäftsbeziehungen genutzt werden, etwa bei Banken, Plattformen oder Finanzdienstleistern.

Europa gilt oft als besonders reguliert. Ist das eher eine Herausforderung oder ein Vorteil?

David: Ich sehe darin eher einen Vorteil. Wer Infrastruktur in Europa baut, muss von Anfang an mit unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen umgehen können. Das zwingt dazu, flexible und robuste Systeme zu entwickeln.

Wenn diese Systeme funktionieren, können sie auch international skalieren. Vertrauensinfrastruktur muss global funktionieren, aber sie muss gleichzeitig lokale Anforderungen respektieren.

Und zum Schluss: Wo steht Duna in fünf Jahren?

David: In fünf Jahren soll Business-Identität sich selbstverständlich anfühlen.

Wenn Unternehmen neue Partnerschaften eingehen oder Finanzdienstleistungen nutzen, sollte Identitätsprüfung nicht mehr der langsamste Teil des Prozesses sein.

Unser Ziel ist, dass Vertrauen sich mit der Geschwindigkeit des Internets bewegen kann. Wenn Identität nahtlos funktioniert, können Unternehmen sich stärker auf Wachstum und Innovation konzentrieren.

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