Startup & Scaling Helsing holt sich 1,8 Milliarden & den deutschen Startup-Thron zurück

Helsing holt sich 1,8 Milliarden & den deutschen Startup-Thron zurück

Die Münchner KI-Rüstungsschmiede kassiert die größte Finanzierung aller Zeiten für ein deutsches Startup. Bewertung: 18 Milliarden Dollar. Goldman Sachs und JP Morgan steigen ein. Europa rüstet digital auf – mit amerikanischem Geld.

1,8 Milliarden Dollar in einer Finanzierungsrunde. Für ein vierjähriges Unternehmen. Helsing hat gerade nicht nur den deutschen Startup-Rekord pulverisiert, sondern sich auch die Krone als wertvollstes deutsches Jungunternehmen zurückgeholt – die erst im Juni an Neura Robotics gegangen war. Die neue Bewertung: 18 Milliarden Dollar, ein Anstieg um 50 Prozent, wie das Handelsblatt berichtet. Willkommen im Zeitalter der „Neo Primes“, wie sich die Münchner selbst nennen. Softwarezentrierte Jungunternehmen, die den Rheinmetalls dieser Welt Konkurrenz machen wollen.

Die Investorenliste liest sich wie ein Who’s Who der globalen Finanzwelt: Goldman Sachs Alternatives, JP Morgan Chase, der kanadische Pensionsfonds CCP Investments. Dazu kommen Venture-Schwergewichte wie Lightspeed, Dragoneer und General Catalyst. Die Nachfrage war laut Unternehmensangaben massiv überzeichnet – man hätte noch mehr Geld einsammeln können. Trotz der US-Dominanz bei den Geldgebern betont Helsing: Die Mehrheit bleibt in europäischem Besitz. Im Aufsichtsrat sitzen weiterhin Spotify-Gründer Daniel Ek und Ex-Airbus-Chef Tom Enders als Co-Chairs.

Die Waffen des Wandels

Helsing baut keine gewöhnlichen Drohnen. Der technologische Kern ist KI-Software, die unbemannte Systeme steuert. Die Kamikazedrohne HX-2 hat die Bundeswehr bestellt, das Modell HX-1 ist bereits in der Ukraine im Einsatz. Seit 2025 produziert das Unternehmen auch Unterwasser-Aufklärungsdrohnen. Der größte Coup: die CA-1-Familie autonomer Kampfjets, gebaut von der übernommenen Tochter Grob Aircraft.

Die CA-1KA-Version für kinetische Angriffe soll 2027 erstmals fliegen, Einsatzreife ist für 2029 geplant. Die elektronische Kriegsführungs-Variante CA-1EA folgt 2031, so Trending Topics. Das frische Kapital fließt laut Unternehmen in neue KI-Plattformen und deren Integration in die Verteidigungssysteme einer wachsenden Zahl von Partnerländern. Mit über 1.000 Mitarbeitern ist Helsing längst kein klassisches Startup mehr – sondern ein ernstzunehmender Player im globalen Rüstungsgeschäft.

Der Kontext: Europa rüstet auf

Die Helsing-Runde kommt nur Wochen nach dem Deal von Quantum Systems, dem anderen Münchner Defense-Tech-Star, der im Juli 1,2 Milliarden Dollar einsammelte. Beide Unternehmen profitieren vom gleichen Megatrend: Der Krieg in der Ukraine hat Europas Verteidigungsdebatte fundamental verändert. Investoren wittern das große Geschäft mit autonomen Waffensystemen und KI-gesteuerter Kriegsführung.

Während klassische Rüstungsaktien wie Rheinmetall seit Januar um 50 Prozent einbrachen und KNDS seinen Börsengang verschob, haben „Neo Primes“ Hochkonjunktur, berichtet die WirtschaftsWoche. Im internationalen Vergleich bleibt allerdings die US-Konkurrenz das Maß aller Dinge: Anduril kassierte im Februar 5 Milliarden Dollar – fast das Dreifache von Helsing.

Business Punk Check

Rekordfinanzierung hin oder her – Helsings 18-Milliarden-Bewertung ist eine Wette auf die Zukunft, keine gesicherte Größe. Das Unternehmen hat noch keinen einzigen profitablen Geschäftsjahresabschluss vorgelegt. Die CA-1-Jets existieren bislang nur auf dem Papier, erste Flüge sind für 2027 geplant. Ob sich autonome Kampfflugzeuge durchsetzen oder ob Europa am Ende doch wieder bei Boeing und Lockheed Martin einkauft, ist offen.

Die Abhängigkeit von US-Kapital bleibt ein Risiko – selbst wenn die Mehrheit „europäisch“ bleiben soll. Wer in Krisenzeiten die dicksten Schecks schreibt, hat Hebel. Für Investoren gilt: Defense Tech ist kein ESG-konformes Investment. Für Europa gilt: Ohne eigene Rüstungskapazitäten keine strategische Souveränität. Helsing liefert – vorerst – die Software dazu. Ob auch die Hardware funktioniert, zeigt sich in zwei Jahren.

Quellen: Handelsblatt, WirtschaftsWoche, Trending Topics, Google News Wirtschaft (DE)

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