Startup & Scaling Solaris‘ Millionen-Verlust: Vom Einhorn zum Problemfall

Solaris‘ Millionen-Verlust: Vom Einhorn zum Problemfall

Berliner Fintech Solaris verbucht 2024 einen Verlust von 103 Millionen Euro. Trotz Umsatzsteigerung verfehlt das Unternehmen eigene Prognosen und kämpft mit regulatorischen Hürden.

Das einstige Fintech-Aushängeschild Solaris steckt weiter tief in den roten Zahlen. Der Jahresverlust von 103 Millionen Euro für 2024 markiert zwar eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, offenbart jedoch die anhaltenden Probleme des Berliner Banking-as-a-Service-Anbieters. Besonders bitter: Die Firmenbewertung schmolz von einst stolzen 1,6 Milliarden auf unter 100 Millionen Euro zusammen.

Teure Altlasten und regulatorische Fesseln

Die Fehlkalkulation bei der Übernahme des britischen Wettbewerbers Contis erweist sich als kostspieliger Fehler. So belastete die vollständige Abschreibung der Beteiligung das Ergebnis mit weiteren 25 Millionen Euro.

Parallel dazu stiegen die Verwaltungsaufwendungen um acht Prozent auf 149 Millionen Euro. Die Gründe: Kosten für die Contis-Abwicklung, Migrationsaufwände für die ADAC-Kooperation und die fortlaufende Bearbeitung von Bafin-Auflagen.

Umsatzplus mit Beigeschmack

Trotz aller Schwierigkeiten konnte Solaris den Umsatz auf 150 Millionen Euro steigern – ein Plus von acht Prozent. Dennoch blieb das Unternehmen damit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Laut „Handelsblatt“ verhinderten anhaltende Wachstumsbeschränkungen und die verzögerte Migration des ADAC-Portfolios bessere Ergebnisse.

Japanische Rettung mit bitterem Beigeschmack

Anfang 2025 sicherte sich Solaris durch eine Finanzierungsrunde von etwa 140 Millionen Euro das wirtschaftliche Überleben Der Preis war hoch: Der japanische Investor SBI stockte seine Beteiligung auf rund 80 Prozent auf – faktisch eine Übernahme. So sank die harte Kernkapitalquote auf 7,9 Prozent, während die Leverage Ratio mit 2,3 Prozent unter der regulatorischen Mindestanforderung von drei Prozent lag.

Regulatorische Baustellen

Bei der Abarbeitung der Bafin-Feststellungen macht Solaris Fortschritte. Von ursprünglich 481 Feststellungen konnten laut „THandelsblatt“ 73 Prozent abgearbeitet werden. Dennoch verlängerte die Finanzaufsicht das Mandat des Sonderbeauftragten im Juli 2024 – ein Zeichen dafür, dass die regulatorischen Herausforderungen weiterhin erheblich sind.

Business Punk Check

Der Fall Solaris zeigt exemplarisch, wie schnell ein Fintech-Einhorn zum Sanierungsfall werden kann. Die Kernprobleme liegen tiefer als nur in den Zahlen: Eine fehlgeschlagene Expansionsstrategie, regulatorische Altlasten und die Überschätzung der eigenen Marktposition haben das Unternehmen in eine prekäre Lage manövriert.

Besonders brisant: Während andere Fintechs ihre Compliance-Prozesse professionalisieren konnten, hat Solaris wertvolle Zeit verloren. Die Übernahme durch SBI ist keine Erfolgsgeschichte, sondern ein notwendiger Rettungsanker. Für den deutschen Fintech-Standort ist der Fall ein Warnschuss – regulatorische Excellence ist kein Nice-to-have, sondern überlebenswichtig. Wer in der Banking-Branche disruptiv sein will, muss zunächst die Basics beherrschen.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche Lehren können andere Fintechs aus dem Fall Solaris ziehen?
    Regulatorische Compliance muss von Anfang an Priorität haben. Internationale Expansionen sollten kritischer geprüft und Übernahmen gründlicher durchleuchtet werden. Zudem zeigt der Fall, wie wichtig ausreichende Kapitalreserven für Krisenzeiten sind.
  • Wie wirkt sich der Fall Solaris auf die deutsche Fintech-Landschaft aus?
    Investoren werden bei Banking-as-a-Service-Anbietern künftig genauer hinschauen und höhere Anforderungen an Compliance-Strukturen stellen. Gleichzeitig eröffnen sich für solidere Wettbewerber Marktchancen, da Kunden nach verlässlicheren Partnern suchen.
  • Kann Solaris unter japanischer Führung wieder auf Erfolgskurs kommen?
    Die Chancen stehen nicht schlecht, sofern SBI konsequent durchgreift. Die japanische Finanzgruppe bringt internationale Expertise und Kapital mit. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen seine regulatorischen Probleme vollständig lösen und gleichzeitig ein profitables Geschäftsmodell entwickeln kann.
  • Was bedeutet der Fall für mittelständische Unternehmen, die mit Fintechs kooperieren?
    Unternehmen sollten bei der Auswahl von Fintech-Partnern neben innovativen Lösungen verstärkt auf regulatorische Stabilität, Kapitalausstattung und nachhaltige Geschäftsmodelle achten. Diversifikation der Partner kann Risiken minimieren.

Quellen: „Handelsblatt“

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