Startup & Scaling Viele Deals, keine Exits: Startup-Investoren im Alarmmodus

Viele Deals, keine Exits: Startup-Investoren im Alarmmodus

Deutsche Venture-Capital-Investoren stürzen in die Krise, obwohl sie im vierten Quartal zwei Milliarden Euro in Start-ups pumpten. Der Grund: Exits bleiben unmöglich, Geopolitik nervt, und die Zinspolitik lähmt.

Das Investorenbarometer von KfW und Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) offenbart einen Widerspruch: Im vierten Quartal 2025 flossen zwei Milliarden Euro in deutsche Start-ups – das zweitstärkste Quartal des Jahres. Trotzdem sackte der Geschäftsklima-Indikator für Venture Capital um 32,4 Zähler auf minus 32,4 Punkte ab. Das liegt knapp über dem Fünfjahrestief von Ende 2022, als die Zinswende zur Inflationsbekämpfung die Märkte erschütterte. KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher nennt den Einbruch überraschend stark. Über das Gesamtjahr investierten VCs 7,2 Milliarden Euro – ein solides Niveau.

„Der Dämpfer für das Geschäftsklima auf dem deutschen Venture-Capital-Markt zum Jahresende 2025 ist nicht nur überraschend, sondern auch überraschend stark“, se Schumacher gegenüber dem Handelsblatt. Doch die Stimmung kippt, weil Ausstiege blockiert bleiben. Der Exit-Indikator verharrt bei minus 44,9 Punkten im tief negativen Bereich. Börsengänge und Verkäufe funktionieren nicht, und das frustriert die Investoren massiv.

Geopolitik und Zinspolitik als Bremsklotz

BVK-Vorstandssprecherin Ulrike Hinrichs führt die Nervosität auf das turbulente Jahr 2025 zurück: geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit, politische Instabilität. Investoren reagieren sensibel auf globale Krisen und ziehen sich zurück. Das Fundraising-Klima brach um 28,7 Zähler auf minus 34,2 Punkte ein.

Neue Fonds aufzulegen wird schwieriger, weil die Europäische Zentralbank die Zinsen seit Juni 2025 unverändert lässt. Die Studienautoren halten eine Zinssenkung im Jahresverlauf für wahrscheinlicher als eine Erhöhung. Sinkende Zinsen würden Risikobereitschaft und Renditeerwartungen steigern – beides essenziell für das Fundraising. Doch solange die EZB abwartet, bleibt die Kapitalbeschaffung zäh.

Private Equity zeigt sich optimistischer

Während VCs in der Krise stecken, erholt sich die Private-Equity-Branche. Der Geschäftsklima-Indikator kletterte um 20 Zähler auf minus 17,6 Punkte. Die Geschäftslage verbesserte sich um 29,5 Zähler auf minus 11,2 Punkte, die Erwartungen stiegen um 10,5 Zähler auf minus 22,1 Punkte. Hinrichs sieht Hoffnung auf konjunkturelle Belebung durch Deutschlandfonds und Infrastruktursondervermögen.

Die Investitionsbereitschaft der Private-Equity-Gesellschaften wächst. Der Indikator für Neuengagements legte um zehn Zähler auf 23,1 Punkte zu. Einstiegsbewertungen gelten als attraktiv, während mittelständische Unternehmen dringend Finanzierung brauchen. Doch auch hier blockiert das Exit-Problem: Der Exit-Indikator fiel um 20,9 Zähler auf minus 44,4 Punkte.

Konjunktur als Schlüssel für Exits

Das Exit-Klima hängt direkt an der Konjunkturentwicklung. Der Indikator zur allgemeinen Wirtschaftslage stürzte um 31 Zähler auf minus 72,7 Punkte. Schumacher sieht dennoch Chancen: Mit der prognostizierten Konjunkturerholung 2026 könnten sich auch die Exits verbessern. Ob das reicht, um die VC-Branche aus der Krise zu holen, bleibt offen.

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