Startup & Scaling Warum das nächste Unicorn aus dem Handwerk kommen könnte

Warum das nächste Unicorn aus dem Handwerk kommen könnte

Ich habe meine Bankkarriere gegen eine Baustelle getauscht – und halte das für die beste Entscheidung meines Lebens.

Mit 20 hatte ich, was viele für vernünftig halten: eine abgeschlossene Bankausbildung. Sicherer Weg, klarer Rahmen, kein Risiko. Mit 22 habe ich das alles gegen Staub, Schutt und Sanierungspläne eingetauscht – und GREENOX mitgegründet. Nicht als Fintech, was nach der Bank naheliegend gewesen wäre, sondern im Handwerk. In der energetischen Sanierung.

Klingt nicht nach dem nächsten großen Ding? Genau das ist der Punkt.

Der Masterplan war das nicht. Während Corona haben Simeon Forster und ich mit Drohnen Foto- und Videoaufnahmen gemacht – viele davon von Bauprojekten. So sind wir der Immobilien- und Baubranche immer nähergekommen. Und je mehr wir gesehen haben, desto klarer wurde: Hier liegen riesige Aufgaben. Und genau deshalb riesige Möglichkeiten.

Denn für viele klingt Handwerk nicht nach Startup. Eher nach Baustelle, Papierkram, vollen Kalendern, Fachkräftemangel. Für mich war genau das der Reiz. In der Startup-Welt gründet man dort, wo sich Dinge schnell digitalisieren lassen. Energetische Sanierung kannst du aber nicht in den Warenkorb legen. Eigentümer brauchen Beratung, Planung, Handwerker, Förderung, Koordination – und vor allem Vertrauen.

Meine Bankzeit hilft mir bis heute: Risiken bewerten, Zahlen ernst nehmen, nicht aus dem Bauch entscheiden. Aber im Handwerk habe ich gelernt, was keine Tabelle erklärt: Zahlen allein setzen nichts um. Ein Sanierungsprojekt steht und fällt mit den Menschen, die es tatsächlich bauen.

Dem Handwerk fehlt es nicht an Können

Ich glaube nicht, dass jedes große Unternehmen der Zukunft aus Software bestehen muss. Natürlich brauchen wir digitale Prozesse, auch hier. KI und Robotik werden wichtiger. Aber Digitalisierung darf nie so tun, als wären Menschen der Störfaktor. Gute Handwerker lassen sich nicht durch Maschinen ersetzen. Digitalisierung kann ihnen aber das geben, was am knappsten ist: Zeit für das, worin sie wirklich stark sind.

Denn die meisten Betriebe scheitern nicht an der Qualität ihrer Arbeit, sondern an allem drumherum: Verwaltung, Koordination, Akquise, Planung. Und dann ist da die Nachfolge. Findet ein Betrieb keine, verschwindet nicht nur ein Firmenname. Es verschwinden Erfahrung, Kundenbeziehungen, Ausbildungswissen, regionale Umsetzungskraft. Dieses Wissen lässt sich nicht digital nachbauen – aber man kann verhindern, dass es verloren geht.

Für Handwerksbetriebe ohne geregelte Nachfolge oder mit zusätzlichem Unterstützungsbedarf bieten wir daher eine stabile Zukunftsperspektive. Betriebe können übernommen und als Tochtergesellschaften integriert werden. Dadurch bleiben Standorte, Teams und gewachsene Kundenbeziehungen erhalten, während gleichzeitig neue Skalierungsmöglichkeiten entstehen.

Das zentrale Ziel liegt in der Entlastung der einzelnen Betriebe. Administrative Aufgaben wie Buchhaltung, Marketing, HR, Einkauf oder Controlling können an die Muttergesellschaft ausgelagert werden. So gewinnen die Betriebe mehr Zeit und Kapazitäten für ihr eigentliches Kerngeschäft: das Handwerk.

Diese Entlastung wird durch digitale Plattformen und den Einsatz von KI weiter verstärkt. Abläufe lassen sich automatisieren, Prozesse besser koordinieren und Erfahrungswerte aus verschiedenen Betrieben systematisch nutzen und optimieren. Je mehr Daten und Praxiswissen zusammenfließen, desto stärker kann das gesamte System davon profitieren.

Auch Robotik kann perspektivisch dazu beitragen, handwerkliche Betriebe produktiver zu machen. Maschinen und automatisierte Anwendungen können wiederkehrende Aufgaben erleichtern, zeitintensive Abläufe verkürzen und einzelne Arbeitsschritte teilautomatisieren. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels entsteht daraus ein wichtiger Produktivitätshebel.

Die Quintessenz ist: GREENOX schafft Strukturen, durch die sich Handwerksbetriebe stärker auf ihre fachliche Arbeit konzentrieren können.

Wachstum heißt Verantwortung

Mit Anfang 20 klingt Wachstum nach Tempo, Umsatz, neuen Standorten. In Wahrheit heißt es: Menschen verlassen sich auf dich. Mitarbeitende, Kunden, Partnerbetriebe, Eigentümer. In der Sanierung kannst du dir keine Distanz zum Ergebnis leisten. Wenn etwas schiefgeht, steht das nicht in einer Tabelle. Es steht in einem Haus, in einer Wohnung, auf einer Baustelle. Das macht Wachstum nicht weniger spannend – nur ernster.

Seit der Einstellung unseres ersten Mitarbeitenden im Jahr 2024 ist das Unternehmen deutlich gewachsen. 2025 zählten wir bereits 50 Mitarbeitende, 2026 sind es gruppenweit rund 200 Menschen. Bis 2030 wollen wir GREENOX auf 100 Millionen Euro Umsatz bringen. Entscheidend ist für mich aber nicht die Zahl allein. Entscheidend ist, ob wir Wachstum so organisieren, dass Handwerksbetriebe stärker werden, regional verankert bleiben und langfristig mehr Möglichkeiten haben.

Zwei Dinge habe ich dabei übers Unternehmertum gelernt. Erstens: Unterschätze keinen Markt, nur weil er nicht nach Startup klingt. Ein schwieriger Markt ist oft genau deshalb spannend, weil das Problem groß genug ist. Zweitens: Wer im Handwerk gründen will, braucht Respekt vor dem Bestand. Man kommt nicht von außen und tut so, als hätten alle nur auf die eigene Idee gewartet. Erst zuhören, dann Strukturen verändern.

Warum hier etwas Großes entstehen kann

Deutschland redet viel über energetische Sanierung, Wärmewende, Gebäudebestand. Am Ende braucht es Unternehmen, die das in die Umsetzung bringen – die die Lücke zwischen Entscheidung und Tat schließen.

Ich bin von der Bank ins Handwerk gegangen, weil dort eines der großen Unternehmerthemen der nächsten Jahre liegt. Das nächste Unicorn muss nicht aus Software oder Fintech kommen. Es kann auch in einem Markt entstehen, den viele unterschätzt haben – weil er analog wirkt, kleinteilig ist und genau deshalb so viel Spielraum bietet.

Vita
Maximilian Seifert ist Co-Founder und Geschäftsführer von GREENOX, einem bundesweit aktiven Unternehmen für energetische Sanierung mit Sitz in Stuttgart. Er kennt die Herausforderungen von Hauseigentümern bestens und hat in den letzten Jahren mehrere Tausend Sanierungsprojekte geplant, begleitet und umgesetzt. Als Experte für Gebäudesanierung hilft Maximilian Seifert Hausbesitzern, Vermietern und Immobilienkäufern dabei, fundierte Entscheidungen rund um die energetische Sanierung zu treffen. Er räumt mit verbreiteten Sanierungsmythen auf, erklärt aktuelle Förderprogramme und regulatorische Vorgaben verständlich und ordnet neue Entwicklungen am Markt praxisnah ein. Dabei zeigt er, welche Maßnahmen sich tatsächlich lohnen, welche Fehler Eigentümer vermeiden sollten und wie Sanierungsprojekte wirtschaftlich und effizient umgesetzt werden können.

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