Startup & Scaling Wedium: Diese EU-Plattform will Facebook und TikTok den Stecker ziehen

Wedium: Diese EU-Plattform will Facebook und TikTok den Stecker ziehen

Ein Berliner Startup will mit Verifizierungspflicht und Bot-freier Zone die Social-Media-Welt umkrempeln. Wedium setzt auf europäische Werte statt Silicon-Valley-Logik.

Während Meta und TikTok mit Fake-Accounts, Hass-Kommentaren und Suchtpotenzial kämpfen, formiert sich in Berlin eine Alternative mit europäischem Mindset. Das Startup Wedium, offiziell am 21.

Oktober 2025 gegründet, will den Social-Media-Markt mit einem radikalen Ansatz aufmischen: Nur wer seine Identität nachweist, darf aktiv teilnehmen. Laut „horizont.net“ stehen bereits über 1000 Interessenten auf der Warteliste, obwohl der Launch erst für Juli 2026 geplant ist.

Echte Menschen statt Bot-Armeen

Das Konzept ist ebenso simpel wie revolutionär: Wer bei Wedium posten oder kommentieren will, muss sich einmalig per Ausweis verifizieren. „So halten wir Bots und Trolle draußen und sorgen für echten, respektvollen Austausch“, erklärt Co-Gründer Lukas Backhaus laut „horizont.net“.

Unverifizierte Nutzer können zwar mitlesen, aber nicht interagieren. Für Kinder gibt es einen besonderen Schutz – ihre Accounts werden ausschließlich über verifizierte Elternprofile erstellt.

Europäische Datensouveränität als Trumpf

Die fünf Gründer Andreas Hacker, Nele Meissner, Johannes Meissner, Sebastian Wilke und Lukas Backhaus setzen auf europäische Werte: strenge DSGVO-Konformität, transparente Monetarisierung für Creator und Unterstützung für Qualitätsjournalismus.

Mitgründer Johannes Meissner, im Hauptberuf Chef der Berliner Werbeagentur Glow, zeigt sich überzeugt vom Potenzial: „Wir sammeln im Moment Interessierte und Investoren“, so Meissner gegenüber „horizont.net“.

Provokante Plakataktion am Alex

Um Aufmerksamkeit zu generieren, hat Wedium am Berliner Alexanderplatz eine freche Guerilla-Aktion gestartet. In Zusammenarbeit mit dem Street-Artist „Caros“ wurden Plakate installiert, die direkt auf die Schwachstellen der großen Plattformen zielen.

Ein Motiv zeigt den Schriftzug „Facebot“ „im Logostil von Facebook, um auf das „-Phänomen aufmerksam zu machen. Tatsächlich“ kritisiert wird damit die Unterwanderung durch Fake-Identitäten, wie „campaigngermany.de“ berichtet.

Verifizierung als Erfolgsmodell

Die Idee der Identitätsverifizierung ist nicht völlig neu. Meissner verweist auf LinkedIn, wo bereits über 80 Millionen Nutzer das Verifizierungs-Badge tragen.

Dies beweise, dass „Verifizierung mit ID grundsätzlich angenommen wird“, so der Gründer laut „horizont.net“. Wedium geht jedoch einen Schritt weiter, indem es die Verifizierung zur Grundvoraussetzung für Interaktion macht.

Business Punk Check

Die Idee klingt verlockend, aber der Markt ist brutal. Während Meta und TikTok mit Milliarden-Budgets operieren, startet Wedium praktisch bei null. Der Verifizierungsansatz könnte gleichzeitig größte Stärke und Achillesferse sein: Er löst zwar das Bot-Problem, schafft aber eine Einstiegshürde, die viele Casual User abschrecken könnte.

Die Frage ist nicht, ob Wedium technisch funktioniert, sondern ob genügend Menschen bereit sind, ihren Ausweis zu scannen, nur um zu posten. LinkedIn-Nutzer tun dies für berufliche Vorteile – aber für allgemeine Social-Media-Inhalte? Der Erfolg hängt davon ab, ob Wedium einen kritischen Schwellenwert an aktiven Nutzern erreicht, bevor das Investorengeld versiegt.

Häufig gestellte Fragen

  • Wie realistisch ist Wediums Chance gegen die Tech-Giganten?
    Wedium braucht keine Milliarden Nutzer, um zu überleben. Eine loyale Nische von qualitätsbewussten Nutzern könnte ausreichen – ähnlich wie beim Erfolgsmodell Mastodon, das trotz geringerer Nutzerzahlen eine stabile Community aufgebaut hat.
  • Werden Menschen wirklich ihren Ausweis scannen, nur um zu posten?
    Die Bereitschaft zur ID-Verifizierung hängt vom wahrgenommenen Mehrwert ab. Wenn Wedium ein deutlich besseres Nutzererlebnis ohne Hass und Fake News bietet, könnten viele die einmalige Hürde akzeptieren – besonders nach den Skandalen der etablierten Plattformen.
  • Welche Monetarisierungsstrategie könnte für Wedium funktionieren?
    Statt auf massenhafte Datensammlung könnte Wedium auf Premium-Modelle setzen: Verifizierte Werbung ohne Tracking, direkte Creator-Unterstützung oder Abo-Modelle für erweiterte Funktionen. Die Transparenz könnte gerade für werbetreibende Unternehmen attraktiv sein, die nachweislich echte Menschen erreichen wollen.
  • Ist der Zeitpunkt für den Launch im Juli 2026 strategisch klug?
    Der späte Launch gibt Wedium Zeit, eine kritische Masse an Early Adopters aufzubauen und technische Kinderkrankheiten zu beheben. Gleichzeitig riskiert das Startup, dass ein anderer europäischer Anbieter mit ähnlichem Konzept schneller am Markt ist oder die großen Plattformen selbst nachziehen.

Quellen: „horizont.net“, „campaigngermany.de“

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