Tech & Trends 1,5 Milliarden Bewertung: Nous Research greift mit Hermes den KI-Agenten-Markt an

1,5 Milliarden Bewertung: Nous Research greift mit Hermes den KI-Agenten-Markt an

Nous Research, Macher des KI-Agenten Hermes, verhandelt bei 1,5 Milliarden Dollar Bewertung. Die Open-Source-Antwort auf OpenClaw zeigt: Community schlägt Closed Source – wenn die Zahlen stimmen.

214.000 GitHub-Stars in wenigen Monaten, diese Zahl macht Risikokapitalgeber nervös. Nous Research, das US-Startup hinter dem Open-Source-KI-Agenten Hermes, verhandelt gerade über eine Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden US-Dollar.

Mindestens 75 Millionen Dollar sollen fließen, wie TechCrunch unter Berufung auf drei mit den Gesprächen vertraute Quellen berichtet. Robot Ventures führt die Runde an, Union Square Ventures steigt mit ein. Das Besondere: Hier wettet Silicon Valley auf das genaue Gegenteil dessen, was OpenAI, Anthropic und Co. propagieren.

Der Timing-Coup nach dem OpenClaw-Hype

Anfang 2025 ging OpenClaw viral, ein KI-Agent, der lokal auf dem eigenen Rechner läuft und Aufgaben eigenständig erledigt. Nous Research brauchte nur wenige Wochen, um mit Hermes eine Alternative zu launchen. Der entscheidende Unterschied: komplett Open Source, komplett transparent.

Die Community dankte es mit fast 40.000 Forks auf GitHub, ein Indikator, den Investoren längst als Frühwarnsystem nutzen. „The Agent That Grows With You“ lautet das Marketing-Versprechen. Konkret heißt das: Hermes lernt aus Nutzerinteraktionen, führt komplexe Workflows aus und verbindet sich mit externen Tools, alles ohne Cloud-Abhängigkeit.

Von 70 auf 1.500 Millionen in 18 Monaten

Gegründet wurde Nous Research 2023 von Jeffrey Quesnelle, Karan Malhotra, Ryan Teknium und Shivani Mitra. Vor der aktuellen Verhandlungsrunde hatte das Startup bereits 70 Millionen Dollar eingesammelt – von Paradigm, North Island Ventures, OSS Capital und Krypto-Influencer Balaji Srinivasan.

Die angestrebte Bewertung von 1,5 Milliarden bedeutet mehr als eine Verzwanzigfachung in anderthalb Jahren. Möglich macht das eine Produktstrategie, die neben dem Agenten auch eigene Sprachmodelle für Coding und Mathematik umfasst. Nous Research baut damit eine komplette Open-Source-KI-Infrastruktur – ein direkter Gegenentwurf zu den geschlossenen Systemen der Hyperscaler.

Solana, Token-Bewertung und das dezentrale Versprechen

Interessant wird es beim Blick auf die Kapitalstruktur: Laut Yahoo Finance erfolgte bereits eine Series-A-Finanzierung über 50 Millionen Dollar bei einer Token-Bewertung von einer Milliarde. Nous Research setzt auf die Solana-Blockchain und experimentiert mit dezentraler KI-Infrastruktur.

Das erklärt die Präsenz von Krypto-VCs wie Paradigm im Investorenkreis. Die neue Runde bei 1,5 Milliarden Equity-Bewertung deutet darauf hin, dass das Unternehmen parallel ein klassisches und ein Token-basiertes Geschäftsmodell fährt – ein Spagat, der in der KI-Szene zunehmend populär wird.

Business Punk Check

Open Source als Unicorn-Strategie? Klingt romantisch, funktioniert aber nur mit knallhartem Monetarisierungsplan. Nous Research liefert bisher vor allem GitHub-Stars, zahlende Enterprise-Kunden bleiben Spekulation. Die 214.000 Stars bedeuten Reichweite, aber keine Revenue. Das Hermes-Team muss jetzt beweisen, dass Community-Begeisterung in Abos, Support-Verträge oder API-Nutzung übersetzbar ist.

Der Vorteil: Wer lokal läuft, spart Cloud-Kosten und gewinnt datenschutzsensible Konzerne. Der Nachteil: OpenAI, Google und Anthropic verbrennen Milliarden für Training und Infrastruktur. Nous Research spielt ein asymmetrisches Spiel – und könnte genau deshalb gewinnen, wenn Regulierung und Privacy-Backlash die Closed-Source-Giganten ausbremsen. Die nächsten 18 Monate entscheiden, ob Open Source im KI-Agenten-Markt mehr ist als ein sympathisches Randphänomen.

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