Tech & Trends Alex Karp: „Palantir ist das wichtigste deutsche Unternehmen der Welt“

Alex Karp: „Palantir ist das wichtigste deutsche Unternehmen der Welt“

Palantir-CEO Alex Karp rechnet im Handelsblatt-Interview brutal mit Deutschland ab. Der „halb deutsche“ Tech-Boss polarisiert mit radikalen Ansichten zur Migrationspolitik und erklärt, warum sein Unternehmen Deutschland eigentlich nicht braucht.

Ein Börsenstar, der Deutschland liebt und gleichzeitig verachtet. Alex Karp, CEO des Datenanalyse-Unternehmens Palantir, hat im Handelsblatt-Interview eine Breitseite gegen den deutschen Technologiestandort abgefeuert. Mit einer Marktkapitalisierung von 430 Milliarden Dollar ist Palantir inzwischen mehr wert als SAP – und Karp nutzt diese Position für eine schonungslose Abrechnung. Besonders seine Aussagen zur deutschen Migrationspolitik dürften für Kontroversen sorgen. „Im Nahen Osten gibt es mehr Menschenrechte als in manchem Berliner Stadtteil“, provoziert der Tech-Boss, der sich selbst als „halb deutsch“ bezeichnet.

Deutschlands Tech-Szene: „Eine der schlechtesten der Welt“

Karp, der in Frankfurt promovierte und bei Jürgen Habermas studierte, spart nicht mit harscher Kritik. „Die deutsche Tech-Szene zählt zu den schlechtesten der Welt“, urteilt er im Gespräch. Gleichzeitig wächst sein Unternehmen in den USA rasant – im dritten Quartal um 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Deutschland-Geschäft?

Für Palantir nahezu irrelevant: „Jeder Pfennig, den ich in Deutschland ausgebe, verlangsamt das Wachstum des Gesamtgeschäfts.“ Trotz dieser wirtschaftlichen Gleichgültigkeit gegenüber dem deutschen Markt scheint Deutschland für Karp emotional bedeutsam zu sein. Er betont seine Verbundenheit mit dem Land und seiner Kultur. Doch seine Kritik ist vernichtend: Deutschland spiele nicht die Rolle in der Welt, die es verdient habe. „100 Jahre lang hat die Welt die deutsche Technik bewundert, davon ist nichts mehr übrig“, konstatiert er im Handelsblatt-Gespräch.

Migrationspolitik: Karps rechter Rundumschlag

Besonders kontrovers sind Karps Aussagen zur Migrationspolitik. Er bezeichnet die deutsche Migrationspolitik als „die dümmste Entscheidung, die je in der deutschen Nachkriegszeit getroffen wurde“. Seine Lösung klingt radikal: „Grenzen zu. Und allen, die ohne Pass hier leben, die auch nur auf die entfernteste Art mit Kriminalität zu tun haben, würde ich sagen: Hier ist das Flugticket. Ihr habt vier Wochen Zeit, das Land zu verlassen, danach wird es nicht nett für euch.“

Karp, der sich selbst politisch zwischen SPD und CSU verortet, beruft sich auf Helmut Schmidt und Franz Josef Strauß als seine politischen Vorbilder. Dabei vertritt er Positionen, die in Deutschland eher am rechten Rand des politischen Spektrums zu finden sind. Antisemitismus in Deutschland gehe nicht von Deutschen aus, sondern von muslimischen Einwanderern, behauptet er. „Der Antisemitismus in der deutschen Elite ist gleich null“, so Karp laut Handelsblatt.

Das Palantir-Geschäftsmodell: Lösungen statt Software

Trotz der politischen Provokationen bleibt Karp ein erfolgreicher Geschäftsmann. Sein Unternehmen hat sich mit Datenanalyse-Software einen Namen gemacht, die von Konzernen, Geheimdiensten und Polizeibehörden weltweit eingesetzt wird. Das Geschäft mit Unternehmen in den USA wuchs im letzten Quartal sogar um 121 Prozent, wie Handelsblatt berichtet.

Was Palantir laut Karp von anderen unterscheidet: „Bei Palantir verkaufen wir ein Ergebnis, nicht eine Software.“ Wenn eine Lösung einem Kunden zwei Milliarden Dollar einspart, verlange Palantir 50 oder 100 Millionen Dollar dafür. „Unsere Konkurrenten verkaufen eine Software, mit der der Kunde selbst seine Probleme lösen muss. Wir aber bauen eine Komplettlösung, die Ergebnisse liefert – und zwar schnell.“.

Ethische Grenzen: Wo Palantir Nein sagt

Trotz der Zusammenarbeit mit umstrittenen Organisationen wie der US-Einwanderungsbehörde ICE betont Karp, dass Palantir ethische Grenzen ziehe. Man habe sich geweigert, beim Aufbau einer Datenbank für Muslime zu helfen, und lehne regelmäßig Anfragen ab, bei denen es um rassistisches Profiling gehe. „In einem Land in Südamerika bekommt jemand mit einer dunklen Hautfarbe keine Kreditkarte.

Dort wollten Unternehmen Palantir einsetzen – wir haben gesagt, das machen wir nicht“, erklärt Karp im Handelsblatt-Interview. Gleichzeitig verteidigt er die Zusammenarbeit mit autoritären Regimen im Nahen Osten: „Die Monarchien im Nahen Osten sind viel, viel besser als manche Demokratien. Stabilität und Menschenrechte gibt es im Nahen Osten nur unter einem starken König.“ Mit China arbeite man hingegen nicht zusammen – der Unterschied? „Die eine ist mein Freund, und die andere ist mein Gegner.“.

Business Punk Check

Karps Interview entlarvt die Doppelmoral der Tech-Elite: Während sie mit demokratischen Werten werben, kollaborieren sie mit autoritären Regimen und verbreiten rechte Ideologien. Palantirs Börsenerfolg basiert weniger auf technologischer Überlegenheit als auf politischen Verbindungen – Mitgründer Peter Thiel ist eng mit Trump-Vizepräsident J.D. Vance vernetzt.

Die Marktkapitalisierung von 430 Milliarden Dollar steht in keinem Verhältnis zum erwarteten Umsatz von sechs Milliarden. Karps Deutschland-Kritik ist mehr als persönliche Frustration: Sie offenbart die Arroganz eines Silicon-Valley-Unternehmers, der Demokratie und Menschenrechte dem Profit unterordnet. Für deutsche Unternehmen bedeutet dies: Technologische Souveränität ist keine Option, sondern Überlebensstrategie.

Häufig gestellte Fragen

  • Wie abhängig sind deutsche Sicherheitsbehörden von US-Technologien wie Palantir?
    Deutsche Behörden stehen vor einem Dilemma: Einerseits bietet Palantir leistungsfähige Analysesoftware, andererseits entstehen gefährliche Abhängigkeiten. Mehrere Bundesländer nutzen bereits Palantir-Software, während die Bundesregierung über eine deutschlandweite Einführung streitet. Europäische Alternativen existieren, sind technologisch jedoch oft weniger ausgereift.
  • Welche Konsequenzen hat die Tech-Schwäche für den deutschen Mittelstand?
    Mittelständische Unternehmen müssen ihre Datenstrategien grundlegend überdenken. Ohne eigene technologische Souveränität werden sie zunehmend von US-Plattformen abhängig. Konkret bedeutet das: Investitionen in eigene Datenkompetenzen priorisieren, strategische Partnerschaften mit europäischen Tech-Anbietern eingehen und Mitarbeiter in Datenanalyse schulen.
  • Wie realistisch ist Karps Behauptung, Palantir habe Terroranschläge „in der Größenordnung von 9/11“ verhindert?
    Diese Aussage ist typisch für Palantirs Marketingstrategie: große Behauptungen ohne überprüfbare Belege. Sicherheitsexperten bestätigen zwar den Wert von Datenanalyse bei der Terrorbekämpfung, jedoch lassen sich verhinderte Anschläge kaum quantifizieren. Unternehmen sollten bei Sicherheitsinvestitionen kritisch hinterfragen, ob Bedrohungsszenarien realistisch oder aufgebauscht sind.
  • Was bedeutet Palantirs Geschäftsmodell „Wir verkaufen Ergebnisse, nicht Software“ für die Softwarebranche?
    Dieser Ansatz revolutioniert das traditionelle Lizenzmodell: Statt für Lizenzen zahlen Kunden für messbare Ergebnisse. Für die Branche bedeutet dies eine Verschiebung von Produkt- zu Lösungsdenken. Unternehmen sollten prüfen, ob ihre eigenen Angebote diesen Wandel reflektieren und wie sie den tatsächlichen Mehrwert ihrer Technologie quantifizieren können.
  • Wie sollten deutsche Tech-Unternehmen auf Karps Kritik reagieren?
    Statt in Defensivhaltung zu verfallen, sollten deutsche Tech-Firmen die Kritik als Weckruf verstehen. Konkret bedeutet das: Fokus auf Problemlösung statt Features, mutigere Geschäftsmodelle mit ergebnisbasierter Vergütung und Überwindung der typisch deutschen Risikoaversion. Gleichzeitig sollten sie ihre Stärken in Datenschutz und Ethik als Wettbewerbsvorteil positionieren – Bereiche, in denen Palantir trotz aller Beteuerungen immer wieder in der Kritik steht.

Quellen: „handelsblatt.com“

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