Tech & Trends Angriff auf Alexa: OpenAI baut sprechende Wanze fürs Wohnzimmer

Angriff auf Alexa: OpenAI baut sprechende Wanze fürs Wohnzimmer

Der ChatGPT-Konzern entwickelt einen intelligenten Lautsprecher mit beweglichen Teilen, der Zugriff auf Mails und Kalender haben soll. Apple ist not amused und klagt bereits wegen Geheimnisverrats.

OpenAI will in euer Zuhause. Nicht nur virtuell über ChatGPT auf dem Smartphone, sondern physisch — als sprechender Begleiter mit mechanischen Armen oder Augen, die sich bewegen.

Klingt nach Science-Fiction? Ist aber der Plan für das erste Hardware-Produkt des KI-Konzerns, wie Bloomberg berichtet. Das Gerät befindet sich noch in Entwicklung und soll als „menschenähnlicher KI-Begleiter“ Smart-Home-Geräte steuern, Medien abspielen und Fragen beantworte, natürlich mit der vollen Intelligenz von ChatGPT im Rücken.

Von Alexa zu HAL 9000

Was OpenAI da plant, geht deutlich über Amazons Echo oder Google Home hinaus. Laut TechCrunch soll das Gerät eine „Persönlichkeit“ entwickeln und seinen Besitzer über Zeit kennenlernen. Dafür braucht es Zugriff auf digitale Daten wie E-Mails und Kalender.

Die „mechanischen Elemente, die sich eigenständig bewegen können“, sollen dem Ganzen eine physische Präsenz verleihen — als würde ChatGPT lebendig. Entwickelt wird der Lautsprecher von ehemaligen Apple-Ingenieuren, die am iPhone und Mac mitgearbeitet haben. Ausgerechnet.

Apple schlägt zurück

Denn Apple ist bereits auf den Kriegspfad. Der iPhone-Konzern verklagte OpenAI vergangene Woche wegen angeblichen Diebstahls von Betriebsgeheimnissen. Der Vorwurf: OpenAI habe sich mit ehemaligen Apple-Mitarbeitern unrechtmäßig Know-how besorgt, um in den Unterhaltungselektronik-Markt vorzustoßen.

Apple spricht von der „Spitze des Eisbergs“ und deutet weitere Enthüllungen an. OpenAI weist die Vorwürfe zurück und betont laut Bloomberg, das neue Produkt unterscheide sich deutlich von allem, was Apple anbietet. Ob das vor Gericht standhält, wird sich zeigen.

Börsengang braucht Hardware-Fantasie

Die Hardware-Offensive kommt nicht zufällig. OpenAI steht vor einem möglichen Börsengang und braucht neue Einnahmequellen. ChatGPT-Abos sind lukrativ, aber ein physisches Produkt im Wohnzimmer erschließt ein völlig anderes Geschäftsmodell — mit wiederkehrenden Umsätzen durch Services, Datenmonetarisierung und potenziellen Abo-Stufen.

Die Konkurrenz schläft nicht: Hark, ein AI-Lab von Serienunternehmer Brett Adcock, sammelte im Mai 700 Millionen Dollar bei 6 Milliarden Bewertung für „Personal Intelligence“-Hardware ein. Das Kapital jagt also bereits dieser Kategorie hinterher — noch bevor überhaupt Produkte ausgeliefert werden.

Business Punk Check

Ein beweglicher Lautsprecher mit KI-Gehirn, der eure Mails liest und „Persönlichkeit“ entwickelt? Das ist entweder die Zukunft smarter Assistenten oder der feuchte Traum jedes Datenschutzanwalts. OpenAI inszeniert sich als Hardware-Disruptor, steht aber vor massiven Hürden: Die Apple-Klage könnte das Projekt verzögern oder teuer werden, der Markt für Smart Speaker ist übersättigt, und Verbraucher sind skeptisch gegenüber Kameras und Mikrofonen, die permanent zuhören.

Die eigentliche Frage: Warum sollte jemand 300 Euro für einen KI-Lautsprecher ausgeben, wenn ChatGPT auf dem Smartphone gratis ist? OpenAI muss beweisen, dass der Mehrwert den Datenhunger rechtfertigt. Unser Tipp: Wartet die Apple-Verhandlung ab, bevor ihr euch eine sprechende Wanze ins Wohnzimmer stellt.

Quellen: Handelsblatt, TechCrunch, Bloomberg

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