Tech & Trends Anthropic-CEO schießt gegen Nvidia: „Wie Atomwaffen für Nordkorea“

Anthropic-CEO schießt gegen Nvidia: „Wie Atomwaffen für Nordkorea“

Dario Amodei vergleicht den Verkauf von KI-Chips an China mit Atomwaffen für Nordkorea – und das, obwohl Nvidia gerade 10 Milliarden Dollar in sein Unternehmen Anthropic investiert hat.

Die US-Regierung hat vergangene Woche den Verkauf von Nvidias H200-Chips an chinesische Kunden genehmigt. Ein Schritt, der Anthropic-CEO Dario Amodei auf die Palme bringt. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos ließ er seinem Ärger freien Lauf – mit einem Vergleich, der es in sich hat. Laut „Bloomberg“ bezeichnete er den Export als „verrückt“ und verglich ihn mit dem „Verkauf von Atomwaffen an Nordkorea“. Das Brisante daran: Nvidia ist nicht nur irgendein Chiphersteller, sondern hat erst vor zwei Monaten eine Investition von bis zu 10 Milliarden Dollar in Amodeis Unternehmen Anthropic angekündigt.

Die Technologie-Kluft als Sicherheitsgarantie

Der Anthropic-Chef vertritt eine klare Position: Der technologische Vorsprung der USA bei Halbleitern sei ein entscheidender Sicherheitsvorteil, der nicht leichtfertig aufgegeben werden sollte. „Wir sind China bei der Chipentwicklung um viele Jahre voraus“, erklärte er.

Anthropic hatte bereits im vergangenen Frühjahr für striktere Exportkontrollen plädiert. Die Argumentation: Während die US-Chiptechnologie weiter voranschreitet, wird Chinas Fortschritt durch Exportbeschränkungen verlangsamt.

Der Wettbewerb um KI-Dominanz

Amodeis Sorge ist nicht unbegründet. Chinesische KI-Modellentwickler wie DeepSeek könnten mit Zugang zu fortschrittlichen Chips besser mit westlichen Unternehmen konkurrieren. „Die CEOs dieser Unternehmen sagen, es sei das Embargo auf US-Chips, das sie zurückhält“, so Amodei laut „Bloomberg“.

Dabei sieht er die chinesischen Modelle kritisch: „Ich glaube, sie haben nie wirklich aufgeholt. Es gab viel Begeisterung um DeepSeek, aber die Wahrheit war. diese Modelle sind sehr auf Benchmarks optimiert“, zitiert „theregister.com“ den CEO.

Geschäftspartner als Waffenhändler

Besonders pikant: Nvidia ist nicht nur ein wichtiger Technologiepartner für Anthropic, sondern auch ein bedeutender Investor. Die beiden Unternehmen hatten erst vor kurzem eine „tiefe technologische Partnerschaft“ angekündigt.

Nun vergleicht Amodei seinen Partner öffentlich mit einem Waffenhändler. Die Frage ist, ob es sich um einen unüberlegten Moment handelte oder ob Amodei sich aufgrund der starken Marktposition von Anthropic solche Aussagen leisten kann. Das Unternehmen hat Milliarden an Finanzierung erhalten und wird mit Hunderten von Milliarden bewertet.

Existenzielle Bedrohung oder Wettbewerbsangst?

Möglicherweise fürchtet Anthropic tatsächlich chinesische KI-Labore und möchte Washington zum Handeln bewegen. Amodei sprach von „unglaublichen nationalen Sicherheitsimplikationen“ fortschrittlicher KI-Modelle.

Gleichzeitig sieht er OpenAI und Google als Hauptkonkurrenten, nicht chinesische Anbieter: „Ich habe fast nie einen Vertrag an ein chinesisches Modell verloren“, wird er von „theregister.com“ zitiert. Das Schlüsselwort ist hier „fast“ – was darauf hindeutet, dass chinesische Entwickler durchaus Kunden finden.

Business Punk Check

Der Eklat zwischen Anthropic und Nvidia offenbart die wachsende Kluft zwischen KI-Entwicklern und Chipherstellern. Während Amodei nationale Sicherheit beschwört, geht es für Nvidia um Milliardenmärkte in China. Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen: Chinesische KI-Modelle sind tatsächlich noch nicht auf Augenhöhe mit westlichen Systemen, könnten aber mit besseren Chips aufholen – besonders bei Open-Weight-Modellen, die Unternehmen ohne Datenschutzbedenken nutzen können.

Für Tech-Entscheider bedeutet das: Die KI-Landschaft wird zunehmend von geopolitischen Spannungen geprägt. Wer auf KI-Technologie setzt, muss künftig nicht nur technische, sondern auch politische Risiken einkalkulieren. Die Frage ist nicht mehr nur, welches KI-Modell am besten funktioniert, sondern auch, welche geopolitischen Abhängigkeiten man damit eingeht.

Häufig gestellte Fragen

Welche konkreten Sicherheitsrisiken entstehen durch den Export von KI-Chips nach China?

Die Hauptsorge liegt in der militärischen und geheimdienstlichen Nutzung fortschrittlicher KI. Mit leistungsstarken Chips könnten chinesische Entwickler KI-Systeme für Überwachung, Cyberangriffe oder autonome Waffensysteme entwickeln, ohne auf westliche Cloud-Dienste angewiesen zu sein.

Welche Alternativen haben Unternehmen, die KI-Technologie ohne geopolitische Risiken nutzen wollen?

Unternehmen sollten auf diversifizierte KI-Strategien setzen: Kombination aus lokalen Open-Source-Modellen für sensible Daten und API-basierten Diensten für unkritische Anwendungen. Zudem empfiehlt sich die Entwicklung eigener, spezialisierter KI-Modelle für Kerngeschäftsbereiche, um Abhängigkeiten zu reduzieren.

Wie realistisch ist die Bedrohung durch chinesische KI-Modelle für westliche Anbieter?

Kurzfristig ist die Bedrohung begrenzt, da chinesische Modelle bei komplexen Realweltanwendungen noch zurückliegen. Mittelfristig könnte China jedoch im Enterprise-Bereich aufholen, besonders mit Open-Weight-Modellen, die vollständige Datenkontrolle bieten – ein entscheidender Vorteil gegenüber den API-basierten Modellen westlicher Anbieter.

Was bedeutet der Konflikt zwischen Anthropic und Nvidia für die Zukunft von KI-Partnerschaften?

KI-Partnerschaften werden zunehmend von geopolitischen Erwägungen geprägt sein. Unternehmen müssen bei strategischen Allianzen nicht nur technologische Synergien, sondern auch politische Risiken bewerten. Die Zeit der rein kommerziellen Tech-Partnerschaften ohne politische Dimension neigt sich dem Ende zu.

Quellen: „TechCrunch“, „theregister.com“, „bloomberg.com

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