Tech & Trends Apple verklagt OpenAI: Der Kampf um das nächste iPhone eskaliert

Apple verklagt OpenAI: Der Kampf um das nächste iPhone eskaliert

Apple wirft OpenAI systematischen Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vor. Über 400 ehemalige Mitarbeiter sollen vertrauliche Daten mitgenommen haben – für OpenAIs Hardware-Offensive.

Apple zieht vor Gericht – und zwar gegen den ChatGPT-Macher OpenAI. Der Vorwurf: systematischer Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen durch hunderte abgeworbene Mitarbeiter. Im Zentrum steht Tang Tan, 24 Jahre bei Apple, heute Hardware-Chef bei OpenAI.

Er soll neue Mitarbeiter aktiv dazu ermutigt haben, vertrauliche Daten, Prototypen und Bauteile aus Cupertino mitzubringen. Die Klage könnte OpenAIs Hardware-Ambitionen und den geplanten Börsengang massiv gefährden. Denn das KI-Unternehmen will genau das Gerät bauen, das Apples iPhone ablösen soll.

Der 6,5-Milliarden-Deal mit Apples Ex-Designern

OpenAI-Chef Sam Altman träumt seit Jahren von Hardware, die seine KI beherbergt. Vorbild: der Film Her, in dem eine allwissende KI zum ständigen Begleiter wird. Um diesen Traum zu realisieren, kaufte OpenAI vergangenes Jahr das Designstudio IO für 6,5 Milliarden Dollar – gegründet von Jony Ive, dem legendären Apple-Designer hinter iPhone und Apple Watch, so Zeit.

Mit an Bord: Tang Tan, nun als Hardware-Chef. Gemeinsam entwickeln sie eine ganze Gerätefamilie, darunter einen KI-gestützten Puck zur Sprachsteuerung. Das Ziel: direkter Zugang zu Konsumenten, ohne Umweg über Apple oder Samsung.

Über 400 Apple-Veteranen bei OpenAI

Laut Tagesschau hat OpenAI mittlerweile mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter angeworben. Tang Tan steht im Zentrum der Anschuldigungen: Er soll potenzielle Mitarbeiter geschult haben, wie sie Apples Sicherheitsmaßnahmen umgehen können.

Ein weiterer Beklagter, Elektroingenieur Chang Liu, soll dutzende vertrauliche Dateien heruntergeladen haben – während er bereits für OpenAI arbeitete. Apple stützt seine Vorwürfe auf Daten von Mitarbeitergeräten. Liu hatte seinen Firmenlaptop nie zurückgegeben und schrieb einem Kollegen, er habe weiterhin Zugriff auf Apples interne Systeme.

Von der Partnerschaft zum Gerichtssaal

Dabei waren Apple und OpenAI fast Partner geworden. Erst kürzlich integrierte Apple ChatGPT in sein Betriebssystem und Siri. Doch als OpenAIs Hardware-Pläne bekannt wurden, zerbrach die Beziehung.

Die Beziehung kühlte merklich ab, als OpenAIs Hardware-Ambitionen deutlich wurden. OpenAI weist die Vorwürfe zurück: Man habe kein Interesse an Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen, so Derstandard. Die Firma konzentriere sich auf die Entwicklung innovativer Technologie.

Drohen Millionenstrafen und Gefängnis?

Die Klage erinnert an den Fall Waymo vs. Uber aus 2017/2018. Damals hatte ein Ex-Waymo-Manager tausende Dateien über selbstfahrende Autos gestohlen. Uber zahlte 245 Millionen Dollar in Form von Aktien, der Manager Anthony Levandowski wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt (später begnadigt).

OpenAI könnte ein ähnliches Schicksal drohen: Millionenstrafen, Entwicklungsstopp für Hardware-Projekte, strafrechtliche Konsequenzen für beteiligte Manager. Der geplante Börsengang wäre damit gefährdet – und das Rennen um das Smartphone der Zukunft verloren.

Business Punk Check

OpenAI hat sich mit Apple den falschen Gegner ausgesucht. Cupertino ist berüchtigt dafür, Rechtsstreitigkeiten bis zum bitteren Ende durchzufechten – und verfügt über die finanziellen Mittel dazu. Die 6,5 Milliarden Dollar für Jony Ives Designstudio wirken im Nachhinein wie ein verzweifelter Versuch, Apples Vorsprung aufzuholen. Doch Hardware ist kein Software-Problem, das sich mit genug Kapital lösen lässt. Apple hat Jahrzehnte Erfahrung in Supply Chain, Fertigung und Design – Wissen, das sich nicht einfach durch abgeworbene Mitarbeiter transferieren lässt.

Die eigentliche Frage: Braucht die Welt wirklich ein weiteres KI-Gerät? OpenAIs Puck-Konzept klingt nach einer Lösung auf der Suche nach einem Problem. Sprachsteuerung gibt es bereits, Smartphones sind omnipräsent. Der Markt für spezialisierte KI-Hardware ist unbewiesen. Selbst wenn OpenAI den Rechtsstreit übersteht – der Product-Market-Fit bleibt fraglich. Für Investoren bedeutet das: Abwarten. Die Hardware-Ambitionen könnten OpenAI mehr kosten als nur 6,5 Milliarden Dollar.

Quellen: Zeit, Derstandard, Tagesschau

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