Tech & Trends AWS im Cloud-Rennen: Rekordtempo, trotzdem nur Platz drei

AWS im Cloud-Rennen: Rekordtempo, trotzdem nur Platz drei

Amazon übertrifft mit AWS-Wachstum von 37 Prozent die Erwartungen, doch Google und Microsoft wachsen prozentual noch schneller.

Ausgerechnet der Marktführer wächst am langsamsten und die Börse feiert trotzdem. Amazon Web Services steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 37 Prozent auf 42,2 Mrd. Dollar, wie Handelsblatt berichtet. Das ist das stärkste Wachstum seit 18 Quartalen. Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt ein AWS‑Umsatzwachstum im Bereich von etwa 31-33 Prozent erwartet; Handelsblatt verweist dabei auf rund 31 Prozent..

Die Amazon-Aktie legte nachbörslich um bis zu neun Prozent zu, Umsatz und Gewinn des Gesamtkonzerns übertrafen die Erwartungen, so Finanzen.net. Interessant wird die Zahl erst im Vergleich: Sie zeigt, dass Amazon nicht das schnellste Cloud-Wachstum liefert, sondern das überraschendste. Denn AWS war zuletzt genau jene Sparte, deren Tempo Anleger mit Sorge beobachteten; nun kehrt sich diese Wahrnehmung um.

Google und Microsoft wachsen schneller als AWS

Während AWS mit 37 Prozent glänzt, legten die Cloud-Sparten von Google und Microsoft laut Handelsblatt um 82 beziehungsweise 43 Prozent zu. Damit bleibt Amazon im direkten Wachstumsvergleich der Cloud-Anbieter das Schlusslicht unter den drei großen Hyperscalern. Der Unterschied zur bisherigen Wahrnehmung: Nicht die absolute Wachstumsrate hat Anleger überzeugt, sondern die Tatsache, dass AWS trotz seiner Größe überhaupt beschleunigt.

Amazon-Chef Andy Jassy brachte es bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse auf den Punkt: „AWS boomt.“ Die Aussage wirkt weniger wie eine Floskel, wenn man bedenkt, dass AWS mit 42,2 Mrd. Dollar Quartalsumsatz die mit Abstand größte Cloud-Sparte der drei Konzerne bleibt; absolute Wachstumsraten in Dollar sind damit schwerer zu erreichen als bei kleineren Konkurrenten. Ein Prozentpunkt bei AWS entspricht schlicht mehr Umsatz in absoluten Zahlen als derselbe Punkt bei Google Cloud, das von einer kleineren Basis aus wächst.

Die Kosten der KI-Infrastruktur bleiben ein offener Posten

Der Ausbau von Rechenzentren kostet: Amazon verzeichnete laut Handelsblatt einen Mittelabfluss von 7,6 Mrd. Dollar durch die KI-Infrastruktur-Investitionen. Google kam im selben Zeitraum auf einen Barmittelabfluss von fast sechs Milliarden Dollar. Diese Zahlen relativieren die Feierlaune: Die Wachstumsstory funktioniert nur, wenn sich die milliardenschweren Vorabinvestitionen langfristig auszahlen.

Genau diese Sorge hatte Anleger zuvor umgetrieben, wie Handelsblatt schreibt. Die aktuellen Zahlen entkräften die Befürchtung eines Marktanteilsverlusts von AWS zwar für dieses Quartal, sagen aber nichts darüber aus, ob sich die Investitionen mittelfristig rechnen. Auffällig ist, dass beide Konzerne trotz ähnlich hoher Abflüsse unterschiedlich schnell wachsen; ein Hinweis darauf, dass Kapitaleinsatz allein noch kein Wachstumsgarant ist, sondern auch Marktposition und Kundenbindung eine Rolle spielen.

Analysten sehen ein branchenweites Muster statt eine Amazon-Sonderrolle

Portfoliomanager Dan Morgan vom Vermögensverwalter Synovus ordnete die Zahlen gegenüber Handelsblatt so ein: „Die Sorgen, dass AWS Marktanteile verlieren könnte, haben sich zerstreut.“ Sein Zusatz verdient Beachtung: „Die KI-Flut hebt alle Boote.“ Damit deutet Morgan an, dass der Boom kein Amazon-spezifisches Phänomen ist, sondern alle drei Hyperscaler gleichzeitig trägt; was die eigentliche Nachricht dieses Quartals sein dürfte, nicht die einzelne Wachstumszahl von AWS.

Für Amazon bedeutet das vor allem eines: Die Position als weltgrößter Cloud-Anbieter bleibt laut Morgan intakt, selbst wenn Google und Microsoft prozentual schneller zulegen.

Business Punk Check

Fakt ist: AWS wuchs so schnell wie seit 18 Quartalen nicht, blieb damit aber hinter Google und Microsoft zurück. Fakt ist auch, dass alle drei Konzerne parallel Milliarden in KI-Infrastruktur verbrennen, ohne dass die Rentabilität belegt ist.

Interpretation: Die Börsenreaktion feiert eher die Entkräftung von Abstiegsängsten als einen echten Wachstumssieg. Offen bleibt, ob sich die Investitionen amortisieren, bevor Konkurrenzdruck oder Zinsumfeld die Geduld der Anleger testen.

Auf einen Blick

  • AWS steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 37 Prozent auf 42,2 Mrd. Dollar, das stärkste Wachstum seit 18 Quartalen.
  • Google und Microsoft wuchsen im selben Zeitraum mit 82 beziehungsweise 43 Prozent schneller als AWS.
  • Amazon verzeichnete durch den Ausbau der KI-Infrastruktur einen Mittelabfluss von 7,6 Mrd. Dollar.
  • Die Amazon-Aktie legte nachbörslich um bis zu neun Prozent zu, nachdem Umsatz und Gewinn die Erwartungen übertrafen.

Quellen: Handelsblatt, Finanxzen.net

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