Tech & Trends ChatGPT Work: OpenAI kopiert Anthropic & macht aus dem Chatbot einen Arbeitsagenten

ChatGPT Work: OpenAI kopiert Anthropic & macht aus dem Chatbot einen Arbeitsagenten

Schluss mit Plaudern, jetzt wird gearbeitet: Mit ChatGPT Work und dem neuen GPT-5.6-Modell verwandelt OpenAI seinen Chatbot in einen Agenten für Unternehmensaufgaben – und kopiert dabei Anthropics Cowork fast eins zu eins.

OpenAI hat ein Consumer-Problem. Während Meta und Apple ihre KI-Assistenten in Milliarden Smartphones integrieren, kann der ChatGPT-Macher im Privatkundengeschäft kaum mithalten. Also wechselt CEO Sam Altman die Strategie: Mit ChatGPT Work macht er aus dem Plauder-Chatbot einen produktiven Arbeitsagenten – und orientiert sich dabei verdächtig nah am Erfolgsrezept von Konkurrent Anthropic.

ChatGPT Work sammelt Informationen aus verbundenen Apps und Workflows, erstellt fertige Dokumente, Präsentationen und sogar interaktive Websites, wie Trending Topics berichtet. Der Agent bleibt bei komplexen Projekten stundenlang dran, zerlegt sie in Teilschritte und arbeitet sie eigenständig ab. Nutzer können den Fortschritt verfolgen, eingreifen oder kritische Aktionen freigeben. Technisch läuft das Ganze auf GPT-5.6, einem neuen Basismodell, das mehrstufiges Schlussfolgern und vorlagenbasiertes Arbeiten verbessern soll.

Anthropics Blaupause, OpenAIs Kopie

Das Déjà-vu ist kein Zufall. Anthropic hatte Anfang 2025 mit Claude Cowork genau diese Funktionslogik eingeführt: Plugins für Slack, Google Drive, Microsoft Teams, eigenständige Skills, Dateizugriff, Web-Apps. ChatGPT Work spiegelt das Feature für Feature – von den Plugin-Anbindungen über „Sites“ (interaktive Websites per URL) bis hin zu „Computer Use“, bei dem der Agent im Hintergrund klickt, tippt und Dateien verschiebt.

Selbst die neue Desktop-App wirkt wie eine Antwort auf Claudes Erfolg: lokaler Dateizugriff, integrierter Browser, Chrome-Sidebar-Integration. Der eigenständige Atlas-Browser wird eingestellt, die alte Codex-App verschmilzt mit der neuen Desktop-Version. OpenAI nennt das eine „Evolution“ – in Wahrheit ist es strategisches Aufholen.

Der Pivot weg vom Consumer-Markt

Der Launch markiert eine fundamentale Neuausrichtung. Statt weiter auf Privatnutzer zu setzen, rückt OpenAI die berufliche Nutzung ins Zentrum – Vertrieb, Finanzen, Marketing, Operations. Fast alle internen OpenAI-Teams nutzen ChatGPT Work bereits produktiv, heißt es. Das ist zugleich Referenz und Beleg: OpenAI will das Arbeitswerkzeug für Unternehmen werden, nicht die bessere Siri. Die Verfügbarkeit spiegelt diese Priorität. ChatGPT Work startet für Pro-, Enterprise- und Edu-Pläne, erst später für Plus und Business.

In der Desktop-App sind Chat, Work und Codex allerdings auf allen Plänen verfügbar – sogar in der Gratisversion. Eine kluge Verteilstrategie: breite Adoption, aber Premium-Features für zahlende Firmenkunden. Plugins verbinden ChatGPT mit CRMs, Projekttrackern, E-Mail und Kalendern. Der Agent erkennt selbst, wann er auf welches Tool zugreifen muss. „Scheduled Tasks“ erledigen wiederkehrende Aufgaben nach Zeitplan oder Event-Trigger – etwa wöchentliche Slack-Zusammenfassungen oder automatische Präsentations-Updates bei neuem Feedback.

Business Punk Check

OpenAI weicht dem Kampf gegen Meta und Apple aus, weil er ihn nicht gewinnen kann. ChatGPT Work ist der taktische Rückzug ins Enterprise-Segment – dort, wo Distributionsmacht weniger zählt als Governance, Integration und Verlässlichkeit. Dass OpenAI dabei Anthropics Cowork bis ins Detail kopiert, zeigt zweierlei: wie sehr Claude den Markt für Arbeits-KI definiert hat – und wie spät OpenAI reagiert. Die entscheidende Frage bleibt: Wie zuverlässig erledigt ChatGPT mehrstufige Aufgaben wirklich?

Und welches Unternehmen räumt einem Agenten vollen Zugriff auf Slack, CRM und E-Mail ein? OpenAI verspricht Auto-Review-Mechanismen, die im Red-Teaming 100 Prozent der Datenabzugs-Versuche blockiert haben sollen. Klingt beruhigend – bis zum ersten echten Sicherheitsvorfall. Unterm Strich: ChatGPT wird erwachsen, aber auf einem Spielfeld, das Anthropic bereits vermessen hat. Ob OpenAI dort aufholt oder nur hinterherläuft, zeigt sich an der Adoption bei Fortune-500-Kunden – nicht an Launch-Videos.

Quellen: Trending Topics, Trending Topics

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