Tech & Trends DeepSeek plant IPO mit 71-Milliarden-Dollar-Bewertung

DeepSeek plant IPO mit 71-Milliarden-Dollar-Bewertung

Erst 7 Milliarden Dollar eingesammelt, jetzt schon die nächste Runde. Chinas KI-Wunderkind will 2027 an die Börse und zeigt damit, wie teuer Dumpingpreise wirklich sind.

Wer hätte gedacht, dass Billigangebote Geld kosten? DeepSeek offenbar nicht. Gerade mal sechs Wochen nach seiner ersten externen Finanzierungsrunde über 7 Milliarden Dollar führt das chinesische KI-Labor bereits Gespräche über die nächste Kapitalspritze. Diesmal bei einer Bewertung von rund 71 Milliarden Dollar, wie Bloomberg berichtet.

Parallel dazu bereitet das Startup aus Hangzhou einen Börsengang vor und könnte die Unterlagen noch dieses Jahr einreichen, Listing 2027 in Shanghai. Die Zahlen klingen absurd: Laut The Information peilt DeepSeek sogar 7,4 Milliarden Dollar frisches Kapital an, was die Bewertung auf 74 Milliarden Dollar treiben würde. Ende Mai lag sie noch bei 52 Milliarden. Der Appetit wächst mit dem Erfolg oder mit dem Kapitalbedarf für eigene Rechenzentren und KI-Chips, an denen das Unternehmen seit einem Jahr bastelt.

Der Preis der Dumpingstrategie

Warum braucht DeepSeek so schnell so viel Geld? Die Antwort liegt in der eigenen Preisstrategie. Das Unternehmen verkauft sein Top-Modell V4 Pro rund elfmal günstiger als OpenAIs GPT-5.5 – gerade mal 0,02 Dollar pro Task, während GPT-5.5 bei 1,04 Dollar liegt. Diese aggressive Preispolitik zeigt Wirkung: Laut US-Finanzdienstleister Ramp gehörte DeepSeek im Juni zu den am stärksten wachsenden Software-Anbietern unter amerikanischen Unternehmen. Der annualisierte Umsatz nähert sich der 500-Millionen-Dollar-Marke.

Doch Dumping hat seinen Preis – und den zahlt jetzt das Unternehmen selbst. Die Rechenzentren im geplanten Gigawatt-Maßstab fressen Kapital. Gründer Liang Wenfeng steckte bereits 3 Milliarden Dollar eigenes Geld in die erste Runde; sein Vermögen wird auf 36 Milliarden Dollar geschätzt. An Bord sind neben Tech-Giganten wie Tencent, JD.com und NetEase auch der staatliche National Artificial Intelligence Industry Investment Fund was die Frage aufwirft, ob DeepSeek noch privates Startup oder längst strategisches Staats-Asset ist.

Die Konkurrenz schläft nicht

Während DeepSeek Geld einsammelt, hat die US-Konkurrenz technologisch nachgelegt. Laut dem unabhängigen Benchmark-Dienst Artificial Analysis dominieren proprietäre US-Modelle die Spitze: Anthropics Claude Fable 5 führt mit 59,9 Punkten, OpenAIs GPT-5.6 Sol folgt mit 58,9. DeepSeeks V4 Pro kommt auf 44 Punkte – Platz 15 im Gesamtranking.

Selbst bei Open-Weight-Modellen ist DeepSeek nicht mehr unangefochten: Chinas GLM-5.2 liegt mit 51,1 Punkten vorn. Das einzige Argument, das wirklich zählt, bleibt der Preis. Und genau hier wird es brenzlig: Laut Artificial Analysis weisen V4 Pro und V4 Flash eine extrem hohe Halluzinationsrate auf, wenn die Modelle eine Antwort nicht kennen, erfinden sie trotzdem eine. Ramp warnt zudem vor Sicherheitsrisiken, da Unternehmen Daten direkt über DeepSeeks Plattform schicken.

Business Punk Check

DeepSeek ist das perfekte Lehrstück für destruktive Preispolitik. Das Unternehmen verbrennt Kapital schneller, als es Umsatz generieren kann – und das bei Modellen, die technologisch nicht mehr führend sind. Die aggressive Expansion mag kurzfristig Marktanteile bringen, langfristig droht ein Wettrüsten mit staatlicher Unterstützung im Rücken.

Wer hier einsteigt, investiert nicht in Innovation, sondern in Chinas strategische KI-Agenda. Der geplante Börsengang wird zeigen, ob Investoren bereit sind, diese Wette einzugehen. Unternehmen sollten die Sicherheitsrisiken ernst nehmen – billiges KI ist nicht kostenlos, wenn die Datensouveränität dranhängt. DeepSeeks größter Konkurrent ist DeepSeek selbst.

Quellen: The Decoder, Trending Topics, Trending Topics, Bloomberg, The Information, Financial Times, Ramp, Artificial Analysis, Reuters

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