Tech & Trends E-Auto-Förderung: DAS plant die neue Koalition wirklich

E-Auto-Förderung: DAS plant die neue Koalition wirklich

Infrastruktur und Strompreis als Schlüsselfaktoren

Branchenvertreter betonen, dass nicht nur direkte Kaufanreize entscheidend sind. Zentral für den nachhaltigen Hochlauf der E-Mobilität sind die Ladeinfrastruktur und der Strompreis, betont VDA-Präsidentin Müller. Tatsächlich haben Union und SPD Entlastungen beim Strompreis angekündigt und wollen den Ausbau des Ladenetzes beschleunigen.

Paradoxerweise sind viele bestehende Ladesäulen derzeit kaum ausgelastet. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind nur rund 17 Prozent der öffentlich zugänglichen Ladepunkte zeitgleich belegt. Einem Bericht der „Automobilwoche“ zufolge wird sogar rund ein Viertel der Ladepunkte in Deutschland überhaupt nicht genutzt.

Social Leasing nach französischem Vorbild

Ein innovativer Ansatz im Koalitionsvertrag ist das geplante „Social-Leasing-Programm“ für Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen. Finanziert werden soll dies aus Mitteln des EU-Klimasozialfonds. Das Konzept orientiert sich am französischen Modell, das 2024 startete und überraschend großen Anklang fand: 50.000 Haushalte nutzten das Angebot, E-Autos ab 100 Euro monatlich zu leasen.

„In Frankreich ist deutlich geworden, wie groß das Interesse sein kann, wenn die Rahmenbedingungen passen“, sagt SPD-Politiker Roloff. Seine Fraktion erwartet einen Start des deutschen Programms spätestens 2027, wenn der Europäische Emissionshandel auch für den Gebäude- und Verkehrssektor gilt und entsprechend mehr Mittel im EU-Klimasozialfonds zur Verfügung stehen.

Alternative Fördermodelle im Gespräch

Verkehrsexperten bringen weitere Alternativen zur klassischen Kaufprämie ins Spiel. Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland kritisiert direkte Kaufförderungen als „teuer, ineffizient und sozial ungerecht“. Sein Vorschlag: „Besser wäre es, die Kfz-Steuer um einen CO2-basierten Bonus/Malus im Jahr der Neuzulassung zu ergänzen. Dies würde Elektroautos begünstigen und Verbrenner mit hohem CO2-Ausstoß verteuern.“

Auch der ADAC präferiert für einen schnelleren Hochlauf der Elektromobilität Entlastungen beim Preis für Ladestrom gegenüber einer direkten Fahrzeugförderung.

Ausblick: Marktentwicklung ohne klare Zielvorgaben

Die E-Mobilität zeigt bereits Anzeichen einer Erholung: Im ersten Quartal stiegen die Neuzulassungen von reinen E-Autos in Deutschland laut Verband VDIK im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 40 Prozent – allerdings war das Vorjahresquartal nach dem abrupten Ende der staatlichen Förderung besonders schwach. Zum 1. Januar 2025 gab es laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 1,65 Millionen reine Elektro-Pkw bei einem Gesamtbestand von rund 49,4 Millionen Pkw.

Auffällig: Während die Ampel-Koalition noch das ambitionierte Ziel von 15 Millionen vollelektrischen Pkw bis 2030 verfolgte, fehlt im neuen Koalitionsvertrag jede quantitative Zielvorgabe. Dies könnte auf einen pragmatischeren, weniger ideologisch geprägten Ansatz der neuen Regierung hindeuten – oder auf eine grundsätzliche Neuausrichtung der Mobilitätspolitik.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die schwarz-rote Koalition einen konsistenten Förderrahmen schaffen kann, der sowohl wirtschaftlich tragfähig als auch ökologisch wirksam ist. Fest steht: Der Erfolg der E-Mobilität wird nicht allein von direkten Kaufanreizen abhängen, sondern von einem intelligenten Mix aus steuerlichen Vorteilen, Infrastrukturausbau, Strompreissenkungen und innovativen Nutzungsmodellen. Für Verbraucher bedeutet dies: Wer mit dem Kauf eines E-Autos liebäugelt, sollte nicht auf eine neue Kaufprämie hoffen, sondern die Entwicklung der alternativen Fördermodelle genau im Blick behalten.

Quellen: rp-online.de, tagesschau.de

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