Tech & Trends EU greift bei KI durch: Google droht Milliarden-Hammer

EU greift bei KI durch: Google droht Milliarden-Hammer

Brüssel nimmt Googles KI-Praktiken unter die Lupe: Der Tech-Gigant soll fremde Inhalte ohne Vergütung für KI-Training nutzen. Bei Verurteilung drohen bis zu 10% des Jahresumsatzes als Strafe.

Die EU-Kommission nimmt Google ins Visier und leitet ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Wettbewerbsverstöße ein. Der Vorwurf wiegt schwer: Der Suchmaschinenriese soll seine KI-Modelle mit Inhalten Dritter trainieren, ohne dafür zu bezahlen oder eine Ablehnungsmöglichkeit einzuräumen. Besonders brisant: Die KI-Übersicht, die seit Monaten prominent in den Google-Suchergebnissen erscheint, basiert auf frei verfügbaren Inhalten von Wikipedia und Nachrichtenseiten, wie laut „Zeit“ bekannt wurde.

Doppelte Ausnutzung der Marktmacht

Die EU-Kommission sieht hier ein doppeltes Problem, wie „deutschlandfunk.de“ berichtet. Einerseits werden Urheber nicht vergütet, andererseits können sich Websites kaum wehren – schließlich sind alle für ihr Geschäft auf eine gute Platzierung in der Google-Suche angewiesen.

„Eine freie und demokratische Gesellschaft ist auf vielfältige Medien, offenen Informationszugang und eine lebendige Kreativlandschaft angewiesen“, so EU-Kommissionsvizepräsidentin Teresa Ribera laut „Zeit“. Dieser Fortschritt dürfe nicht auf Kosten der Prinzipien gehen, die „im Herzen der europäischen Gesellschaften stünden“.

YouTube-Videos als KI-Trainingsdaten

Auch YouTubes Geschäftspraktiken geraten ins Visier. Die Kommission vermutet, dass Google die auf der Plattform hochgeladenen Videos für KI-Trainings nutzt – ohne Creator zu bezahlen oder ihnen ein Widerspruchsrecht einzuräumen.

Laut „taz.de“ haben Content-Ersteller keine Möglichkeit, dieser Nutzung zu widersprechen, wenn sie YouTube weiterhin als Plattform nutzen wollen. Dies verschafft Google einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen KI-Anbietern, die keinen Zugriff auf diesen enormen Datenschatz haben.

Big-Tech im Fadenkreuz

Die aktuelle Untersuchung reiht sich in eine Serie von EU-Maßnahmen gegen Tech-Giganten ein. Erst im September verhängte die Kommission eine Strafe von fast drei Milliarden Euro gegen Google wegen Wettbewerbsverstößen im Werbegeschäft.

Auch andere Tech-Konzerne wie Apple, Meta und Microsoft mussten bereits Strafen zahlen. Besonders aufsehenerregend: Die Plattform X wurde kürzlich mit einer 120-Millionen-Euro-Strafe belegt, wie „deutschlandfunk.de“ berichtet.

Business Punk Check

Der EU-Vorstoß gegen Google zeigt die fundamentale Machtverschiebung im digitalen Ökosystem: Content-Ersteller werden zu Rohstofflieferanten für KI-Konzerne degradiert – ohne angemessene Vergütung. Die wahre Sprengkraft liegt nicht in den möglichen Milliarden-Strafen, sondern in der Frage, wer die Wertschöpfung der KI-Revolution kontrolliert.

Für Medienunternehmen und Creator steht die Existenz auf dem Spiel, während Tech-Giganten ihre Marktmacht ausbauen. Die EU-Regulierung könnte zum globalen Vorbild werden oder als zahnloser Tiger enden. Entscheidend wird sein, ob die Kommission tatsächlich durchgreift oder sich mit kosmetischen Änderungen zufriedengibt. Für Content-Ersteller heißt es: Jetzt Lizenzmodelle entwickeln und Allianzen schmieden, statt auf Regulierer zu warten.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche Auswirkungen hat das EU-Verfahren auf deutsche Content-Creator?
    Deutsche Creator sollten ihre Nutzungsbedingungen überprüfen und explizite KI-Trainingsverbote implementieren. Parallel lohnt sich der Zusammenschluss in Interessenverbänden, um Lizenzmodelle für KI-Training zu entwickeln.
  • Wie können Medienunternehmen ihre Inhalte vor unbezahlter KI-Nutzung schützen?
    Medien sollten technische Schutzmaßnahmen wie spezielle Meta-Tags implementieren und gleichzeitig faire Lizenzmodelle für KI-Training anbieten. Rechtliche Schritte gegen unbefugte Nutzung sollten vorbereitet werden.
  • Was bedeutet die EU-Regulierung für KI-Startups in Deutschland?
    Für deutsche KI-Startups könnte die EU-Regulierung zum Wettbewerbsvorteil werden. Sie sollten jetzt transparente, faire Lizenzmodelle entwickeln und diese als Differenzierungsmerkmal gegenüber Big Tech positionieren.
  • Welche Branchen profitieren von einer strengeren KI-Regulierung?
    Content-Produzenten, Verlage und Kreativwirtschaft könnten durch Lizenzgebühren neue Einnahmequellen erschließen. Auch Compliance-Dienstleister und Legal-Tech-Unternehmen mit KI-Spezialisierung stehen vor einem Wachstumsmarkt.

Quellen: „Zeit“, „deutschlandfunk.de“, „taz.de“

Das könnte dich auch interessieren