Tech & Trends Gegen OpenAI & Co.: Europas Suche nach dem DeepSeek-Moment

Gegen OpenAI & Co.: Europas Suche nach dem DeepSeek-Moment

Europa will die KI-Abhängigkeit von US-Giganten durchbrechen. Nach dem Vorbild des chinesischen Erfolgsmodells DeepSeek setzen Forscher auf offene Modelle und souveräne Infrastruktur – ein digitaler Unabhängigkeitskampf mit Folgen.

Die Fronten im globalen KI-Wettlauf verhärten sich. Während US-Tech-Konzerne wie OpenAI und Google den Markt dominieren, formiert sich in Europa eine Gegenbewegung. Inspiriert vom chinesischen Überraschungserfolg DeepSeek, das mit offener Technologie weltweit Marktanteile erobert, wollen europäische Forscher die digitale Souveränität zurückgewinnen. Hunderte Millionen Euro fließen bereits in die Entwicklung eigener KI-Modelle, die nicht mehr in amerikanischen Clouds laufen sollen.

Europas digitale Unabhängigkeitserklärung

Der Ruf nach souveräner KI wird in Europa immer lauter. Statt auf externe Dienste zu setzen, sollen leistungsfähige Sprachmodelle künftig in europäischen Rechenzentren laufen, wie laut „Zeit“ aus Regierungskreisen verlautet. Treiber sind der EU-AI-Act, Datenschutzbedenken und der Wunsch nach mehr Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur.

„Wir waren zu leichtgläubig gegenüber der Erzählung, dass Innovation nur in den USA stattfindet – dass wir den KI-Zug verpasst haben und nicht einmal darüber nachdenken sollten“, kritisiert Rosaria Taddeo, Professorin für digitale Ethik an der Universität Oxford, laut „Wired“. „Das ist ein gefährliches Narrativ.“.

Das chinesische Erfolgsmodell als Blaupause

DeepSeek hat vorgemacht, wie es gehen kann. Mit nur vier Prozent globalem Marktanteil scheint der chinesische Anbieter zunächst klein. Doch in strategischen Regionen dominiert das Unternehmen: 56 Prozent Marktanteil in Belarus, 49 Prozent in Kuba und 43 Prozent in Russland, wie „ad-hoc-news.de“ berichtet. Der Schlüssel zum Erfolg: Open-Source-Technologie und Kosteneffizienz. Europäische Forscher setzen nun auf ähnliche Strategien.

Anstatt geschlossene Systeme zu entwickeln, wollen sie ihre Modelle öffentlich zugänglich machen. „Man vervielfacht die Kraft dieser Modelle“, erklärt Wolfgang Nejdl, Informatikprofessor an der Leibniz Universität Hannover und Direktor des L3S Research Center, laut „Wired“. Sein Konsortium arbeitet an einem europäischen Sprachmodell, das offen weiterentwickelt werden kann.

Infrastruktur als Schlüssel zur Souveränität

Der EU-AI-Act setzt Leitplanken für „vertrauenswürdige KI“ und erhöht den Druck auf transparente Prozesse. Parallel baut Europa mit EuroHPC eine Supercomputer-Basis auf, die als Fundament für eigene KI-Modelle dienen soll. „Souverän“ bedeutet dabei vor allem Kontrolle über Datenverarbeitung, Betrieb und Regeln – nicht komplette Abschottung, wie „Zeit“ präzisiert.

Die geopolitische Lage verleiht dem Projekt zusätzliche Dringlichkeit. Transatlantische Spannungen nehmen zu, besonders im Bereich der Technologieregulierung. Nach einer 140-Millionen-Dollar-Strafe gegen X (ehemals Twitter) durch die EU-Kommission drohten US-Regierungsvertreter mit Vergeltung, so „Wired“.

Business Punk Check

Der europäische KI-Aufstand ist mehr als politisches Theater. Die Strategie, auf offene Modelle zu setzen, könnte tatsächlich funktionieren – wenn drei harte Realitäten gemeistert werden: Erstens fehlt es an Hochleistungschips. Während die USA und China um Halbleiter-Dominanz kämpfen, hat Europa kaum eigene Produktionskapazitäten. Zweitens mangelt es an Risikokapital.

Europäische KI-Startups erhalten nur einen Bruchteil der Finanzierung ihrer US-Pendants. Drittens: Talentabwanderung. Die besten KI-Köpfe werden weiterhin von Silicon Valley-Gehältern angelockt. Wer jetzt auf europäische KI-Souveränität setzt, muss diese Probleme lösen – oder akzeptieren, dass Europa zwar regulieren, aber nicht dominieren wird.

Häufig gestellte Fragen

Kann Europa tatsächlich mit den KI-Giganten aus USA und China mithalten?

Realistisch betrachtet hat Europa in Teilbereichen Chancen. Besonders bei spezialisierten KI-Anwendungen für Industrie und Mittelstand können europäische Lösungen punkten. Bei Grundlagenmodellen bleibt der Rückstand jedoch enorm – hier sind strategische Partnerschaften mit ausgewählten internationalen Playern sinnvoller als der Versuch, alles selbst zu entwickeln.

Welche Vorteile bieten europäische KI-Modelle für Unternehmen konkret?

Der größte Vorteil liegt in der Rechtssicherheit. Europäische KI-Modelle werden von Anfang an DSGVO-konform und mit dem EU-AI-Act kompatibel entwickelt. Das spart Compliance-Kosten und reduziert Haftungsrisiken. Zudem bieten lokale Modelle oft bessere Sprachunterstützung für europäische Sprachen und Verständnis für regionale Geschäftspraktiken.

Wie viel kostet der Umstieg auf souveräne KI-Infrastruktur?

Die Kosten variieren stark nach Unternehmensgröße. Für mittelständische Unternehmen beginnen die Investitionen bei etwa 50.000 Euro für On-Premises-Lösungen plus laufende Betriebskosten. Große Konzerne müssen mit mehreren Millionen rechnen. Alternativ entstehen europäische Cloud-Angebote mit Pay-as-you-go-Modellen, die den Einstieg erleichtern.

Wann werden europäische KI-Modelle marktreif sein?

Erste spezialisierte europäische KI-Modelle sind bereits im Einsatz. Umfassende Grundlagenmodelle, die mit GPT-4 oder Claude konkurrieren können, werden realistisch erst 2027-2028 verfügbar sein. Wer jetzt handeln will, sollte auf Hybrid-Ansätze setzen: kritische Anwendungen auf europäischer Infrastruktur, weniger sensible Bereiche weiterhin mit etablierten Anbietern.

Welche europäischen KI-Projekte sollten Unternehmen im Auge behalten?

Besonders vielversprechend sind das LEAM-Konsortium (Large European AI Models), das französische Mistral AI mit seinem bereits verfügbaren Mixtral-Modell sowie die deutsche Aleph Alpha. Auch branchenspezifische Modelle wie MedicalGPT für das Gesundheitswesen und LegalBERT für Rechtsanwendungen zeigen, dass Europa in Nischen bereits wettbewerbsfähig ist.

Quellen: „Wired“, „Zeit“, „ad-hoc-news.de“

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