Tech & Trends Kein Lenkrad, kein Pedal, kein Vorsprung: Teslas Robotaxi-Wette startet

Kein Lenkrad, kein Pedal, kein Vorsprung: Teslas Robotaxi-Wette startet

Tesla schickt sein lenkradloses Robotaxi Cybercab auf Austins Straßen. Während Musk mit reiner Kamera-Technik gegen Waymo antreten will, liegt der Konkurrent mit 15 Millionen Fahrten meilenweit vorne.

Tesla hat sein Cybercab ohne Lenkrad und Pedale auf öffentliche Straßen geschickt – und die Tech-Welt fragt sich: Ist das der Durchbruch oder der nächste Musk-Hype? In Austin rollt seit Ende Juni die Serienversion des zweisitzigen Robotaxis durch den Verkehr, gesteuert nur von Teslas Autopilot. Im Beifahrersitz sitzt noch ein Ingenieur, bereit einzugreifen. Doch die Kontrollelemente fehlen komplett, wie t3n berichtet.

Fast zwei Jahre nach der Präsentation des Designs wagt Tesla den Sprung von Prototypen mit Lenkrad zu echten autonomen Fahrzeugen. Das Timing kommt nicht von ungefähr: Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA will noch dieses Jahr eine Regel verabschieden, die für vollautonome Fahrzeuge kein Bremspedal mehr vorschreibt. Diese regulatorische Hürde war bisher ein Showstopper für Teslas Robotaxi-Pläne.

Kamera gegen Laser-Radar: Teslas riskante Wette

Der fundamentale Unterschied zu Marktführer Waymo: Tesla setzt ausschließlich auf Kameras für die Navigation. Keine teuren Laser-Radare, keine zusätzlichen Sensoren. Das klingt nach brillantem Cost-Engineering – oder nach gefährlicher Sparsamkeit. Waymo verbaut die volle Sensor-Suite und fährt damit bereits in sechs US-Städten vollautonomisiert.

Im vergangenen Jahr verdreifachte der Google-Ableger sein Volumen auf 15 Millionen Fahrten, aktuell sind es 400.000 bezahlte Trips pro Woche. Läuft gerade mit einer „begrenzten Zahl von Autos“ in Austin an, wie heise schreibt. Von den von Musk versprochenen flächendeckenden Robotaxi-Netzen bis Ende 2025 ist das Unternehmen Lichtjahre entfernt. Auch die Ankündigung, noch vor 2027 Cybercabs an Privatkunden zu verkaufen, wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet.

Das Notfall-Problem: Was, wenn das Ding stehenbleibt?

Die spannendste offene Frage: Was passiert, wenn ein lenkradloses Cybercab mitten auf der Kreuzung den Geist aufgibt? Im Robotaxi-Modus kann Tesla die Fahrzeuge aus einem Kontrollzentrum fernsteuern. Aber was ist mit Privatkäufern? Bekommen die einen Notfall-Controller zum Anschließen? Oder sollen sie ihr 30.000-Dollar-Auto per Touchscreen aus der Gefahrenzone manövrieren?

Tesla schweigt sich dazu aus, spekuliert wird über anschließbare Steuergeräte. Trotzdem hat Tesla einen potenziellen Trumpf: Während Waymo auf Partnerschaften mit Jaguar und Zeekr für die Fahrzeugbeschaffung angewiesen ist, entwickelt und produziert Tesla Hardware und Software selbst. Das könnte langfristig einen erheblichen Kostenvorteil bedeuten – vorausgesetzt, die Kamera-Navigation funktioniert zuverlässig genug.

Business Punk Check

Teslas Cybercab-Tests sind ein wichtiger Meilenstein, aber die Realität ist ernüchternd: Waymo hat einen Vorsprung von Jahren und Millionen gefahrenen Kilometern. Die reine Kamera-Strategie ist entweder genial oder grob fahrlässig – eine Zwischenlösung gibt es nicht. Musks Versprechen von flächendeckenden Robotaxi-Netzen bis Jahresende? Reine Phantasie.

Realistischer: Tesla wird 2026 ein paar hundert Cybercabs in ausgewählten Städten testen, während Waymo bereits 20 Märkte bedient. Für Investoren bedeutet das: Wer auf autonome Mobilität setzen will, sollte sich nicht von lenkradlosen Showfahrten blenden lassen. Die eigentliche Frage ist nicht, ob Tesla technisch aufholen kann, sondern ob Musk diesmal seine Zeitpläne auch nur annähernd einhält. Die Wettquote: eher mau.

Quellen: t3n, heise

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