Tech & Trends KI-Texte & Videos: LinkedIn & Snap kämpfen gegen die eigene Spam-Flut

KI-Texte & Videos: LinkedIn & Snap kämpfen gegen die eigene Spam-Flut

LinkedIn lässt Nutzer künftig KI-Spam melden, Snap verbannt KI-Videos aus Spotlight: doch die Erkennung bleibt Handarbeit, während die Flut längst da ist.

Auf LinkedIn stammen laut einer Analyse des KI-Detektors Pangram bereits 41 Prozent aller Beiträge mit mehr als 250 Wörtern vollständig aus einem Sprachmodell. Kein anderes untersuchtes Netzwerk kommt auf einen höheren Anteil. Auch bei kürzeren Beiträgen liegt LinkedIn mit einem KI-Anteil von 30 Prozent vorn.

Karrieretipps, Erfolgsgeschichten, vermeintlich persönliche Anekdoten: Ein erheblicher Teil davon hat nie ein Mensch geschrieben. Zwei Plattformen ziehen jetzt Konsequenzen, allerdings mit unterschiedlichen Mitteln. LinkedIn setzt auf die Community, Snap auf einen kompletten Ausschluss aus der Empfehlungslogik. Beide Ansätze zeigen, wie unausgereift die technische Erkennung von KI-Inhalten im Jahr 2025 noch ist.

LinkedIn verlagert die Erkennungsarbeit auf die Nutzer

Hari Srinivasan, leitender Produktmanager bei LinkedIn, kündigte laut t3n eine neue Meldefunktion an: Nutzer können Beiträge markieren, die sie für KI-generiert halten. Diese Meldungen sollen bestehende Erkennungssysteme trainieren und schlechte Inhalte seltener ausspielen. Ein globaler Rollout-Termin für Deutschland steht noch nicht fest.

Der entscheidende Schwachpunkt daran, wie The Decoder anmerkt: Das System ist anfällig für Missbrauch und setzt bei den Meldenden Kompetenz voraus, KI-Text überhaupt zu erkennen. Aus einem technischen Problem wird damit ein soziales. Dass die Plattform überhaupt so offensiv reagiert, hat einen einfachen Grund: LinkedIn hat sich für Fach- und Führungskräfte als Ort für Personal Branding etabliert, laut einer Yougov-Umfrage mit der Macromedia University of Applied Sciences sind 13 Prozent der Erwachsenen in Deutschland dort aktiv, jeder Dritte davon täglich. Wenn Authentizität zum Kernversprechen gehört, wird KI-Slop zum Vertrauensproblem.

Snap zieht eine härtere Linie mit klaren Grenzen

Snap verfolgt einen radikaleren Ansatz: Vollständig KI-generierte Videos verschwinden komplett aus den Spotlight-Empfehlungen, dem algorithmischen Herzstück der App. Die Begründung laut The Decoder: Spotlight solle ein Ort für echte menschliche Kreativität bleiben, während repetitive KI-Massenware zunehme. Wichtig ist die Nuance dabei: Mit Snapchats eigenen KI-Tools bearbeitete Inhalte bleiben erlaubt, erhalten aber Transparenzhinweise.

Snap verbietet also nicht KI per se, sondern zieht die Grenze bei komplett KI-generierten Inhalten außerhalb der eigenen Werkzeuge. Auffällig: Laut Snap-Angaben, wie von The Decoder berichtet, ist die Zahl der Spotlight-Beitragenden im genannten Zeitraum um über 120 Prozent gestiegen; ein unabhängiger, detaillierter Bezugszeitraum wird dabei nicht ausgewiesen. Ob KI-Content zu diesem Wachstum beigetragen hat, verrät Snap nicht, was die Debatte um die tatsächliche Größenordnung des Problems offenhält. Der Unterschied zu LinkedIns Ansatz liegt im Verantwortungsmodell: Snap trifft die Entscheidung zentral und algorithmisch, LinkedIn dezentral über die eigene Nutzerschaft.

Das eigentliche Problem liegt jenseits von LinkedIn und Snap

Die Redaktionslücke der bisherigen Berichterstattung liegt im blinden Fleck: LinkedIn und Snap sind nur zwei Symptome eines branchenweiten Trends. Laut einer Kapwing-Studie sind bereits 21 Prozent der YouTube-Shorts KI-generiert. Bei Instagram und Facebook existieren keine vergleichbaren offiziellen Zahlen, ein niedrigerer Anteil gilt als unwahrscheinlich.

OpenAIs eigene Social-Video-App Sora, ausschließlich für KI-Content konzipiert, gilt bereits als gescheitert, wie The Decoder berichtet. Das zeigt: Nutzer wollen KI-Inhalte offenbar nicht gebündelt, sondern höchstens versteckt in ihrem gewohnten Feed. Genau diese Erwartungshaltung bringt Plattformen wie LinkedIn und Snap jetzt unter Zugzwang: Wer Authentizität verspricht, muss auch glaubhaft dagegen vorgehen, dass genau diese Authentizität maschinell imitiert wird.

Business Punk Check

Fakt ist: LinkedIn setzt auf Meldefunktion und Community, Snap auf algorithmischen Ausschluss aus Spotlight. Beide Maßnahmen sind laut den Ankündigungen noch im Rollout, belastbare Wirkungsdaten fehlen bislang.

Bemerkenswert ist die Asymmetrie: LinkedIn verlagert die Erkennungsarbeit auf Laien, während Snap eine harte Systemgrenze zieht. Offen bleibt, ob nutzergetriebene Meldesysteme der schieren Menge an KI-Content überhaupt standhalten, oder ob am Ende nur automatisierte Detektoren wie Pangram eine realistische Chance haben.

Auf einen Blick

  • LinkedIn führt laut t3n eine Meldefunktion ein, mit der Nutzer mutmaßlich KI-generierte Beiträge markieren können.
  • Laut einer Pangram-Analyse sind 41 Prozent der längeren LinkedIn-Beiträge vollständig KI-generiert, der höchste Wert aller untersuchten Plattformen.
  • Snap verbannt laut The Decoder komplett KI-generierte Videos aus den Spotlight-Empfehlungen, mit eigenen KI-Tools bearbeitete Inhalte bleiben erlaubt.
  • Bei YouTube-Shorts liegt der KI-Anteil laut einer Kapwing-Studie bereits bei 21 Prozent.

Quellen: t3nThe Decoder

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