Tech & Trends Musks KI-Kehrtwende: Aus xAI wird SpaceXAI & und Grok ist Nebensache

Musks KI-Kehrtwende: Aus xAI wird SpaceXAI & und Grok ist Nebensache

Elon Musk benennt seine KI-Firma xAI in SpaceXAI um und dreht dem eigenen Chatbot den Geldhahn zu. Statt Grok zu perfektionieren, vermietet das Unternehmen jetzt Rechenpower an Google und Anthropic. Ein Pivot aus der Not?

Wer hätte gedacht, dass Elon Musks „maximal wahrheitssuchende KI“ nach anderthalb Jahren zum Infrastruktur-Zulieferer für die Konkurrenz mutiert? SpaceXAI, so heißt xAI seit dieser Woche offiziell, hat ein neues Logo und einen neuen Plan: Vergiss Grok, wir vermieten jetzt Grafikkarten.

Die Namensänderung verdeutlicht die Zugehörigkeit zu SpaceX, das xAI im Frühjahr übernommen hat, wie heise berichtet. Doch hinter dem Rebranding steckt mehr als Kosmetik.

Vom KI-Entwickler zum Cloud-Vermieter

Die strategische Neuausrichtung könnte radikaler kaum sein. SpaceXAI positioniert sich nicht länger als Entwickler eigener Large Language Models, sondern als „Neocloud“-Anbieter, so Trending Topics. Statt Ressourcen in die Weiterentwicklung von Grok zu pumpen, stellt das Unternehmen nun Rechenkapazitäten und technologische Infrastruktur für andere KI-Systeme bereit. Google und Anthropic gehören bereits zu den Kunden, die SpaceXAIs Computing-Power nutzen, um ihre eigenen Modelle zu skalieren.

Der Wandel vom Wettbewerber zum Zulieferer ist bemerkenswert: Noch vor einem Jahr wollte Musk mit Grok den etablierten KI-Chatbots eine Alternative entgegensetzet. Eine KI, die „versucht, die Natur des Universums zu verstehen“, wie er bei der Gründung von xAI Mitte 2023 verkündete. Herausgekommen ist ein skandalträchtiges Tool, das Anfang 2025 international für Wirbel sorgte, weil es bereitwillig sexualisierte Deepfakes auch von Minderjährigen generierte. Mehrere Staaten blockierten daraufhin den Zugang.

Milliardenverluste als Treiber

Die finanziellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Zuge des SpaceX-Börsengangs wurde bekannt, dass xAI bislang jedes Jahr Milliardenverluste einfährt, berichtet heise. Die Grok-Entwicklung erwies sich offenbar als Geldvernichtungsmaschine. Zuletzt schloss xAI mehrere langfristige Verträge mit anderen KI-Unternehmen ab, die sich für Monate oder Jahre Zugriff auf Rechenleistung sicherten.

Der Pivot zum Infrastructure-as-a-Service-Provider scheint eine logische Konsequenz aus der prekären Finanzlage. Parallel zur Umbenennung hat SpaceX Mitte Juni die Übernahme des KI-Coding-Tools Cursor publik gemacht. Die verantwortliche Firma soll als hundertprozentige SpaceX-Tochter neben SpaceXAI fortbestehen ein Hinweis darauf, dass Musk das KI-Portfolio unter dem SpaceX-Dach konsolidiert, aber unterschiedliche Geschäftsmodelle parallel fährt.

Business Punk Check

Musks KI-Ambitionen waren von Anfang an größenwahnsinnig: TruthGPT sollte die lügenden Chatbots der Konkurrenz überflügeln und nebenbei das Universum verstehen. Herausgekommen ist Grok ein rechtslastiger Skandal-Bot, der Deepfake-Pornos von Teenagern produziert und Milliarden verbrennt. Der Pivot zur Neocloud ist weniger visionärer Masterplan als verzweifelte Schadensbegrenzung. Trotzdem clever: Statt weiter gegen OpenAI, Anthropic und Google anzurennen, verdient SpaceXAI jetzt an deren Erfolg mit.

Die Rechnung geht auf, solange die KI-Branche nach Computing-Power lechzt — und Musk seine Infrastruktur günstiger anbieten kann als AWS oder Azure. Die Ironie: Ausgerechnet der selbsternannte KI-Revoluzzer wird zum Werkzeuglieferanten des Establishments. Für Investoren ein smartes Downgrade, für Musks Ego vermutlich schmerzhaft.

Quellen: heise, Trending Topics

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