Tech & Trends OpenAI und Sam Altman: Der cleverste Versicherungsdeal des Jahrzehnts

OpenAI und Sam Altman: Der cleverste Versicherungsdeal des Jahrzehnts

Sam Altman will fünf Prozent von OpenAI an einen US-Staatsfonds verschenken. Klingt philanthropisch – ist aber vermutlich der cleverste Insurance-Deal des Jahrzehnts.

OpenAI-Chef Sam Altman führt gerade eine ziemlich bizarre Verhandlung: Er will der Trump-Regierung fünf Prozent seines Unternehmens schenken. Bei der aktuellen Bewertung von 852 Milliarden Dollar wären das schlappe 42,6 Milliarden. Die Gespräche laufen laut Financial Times bereits seit über einem Jahr, direkt mit Präsident Trump, Handelsminister Howard Lutnick und Finanzminister Scott Bessent. Das Ganze soll in einen US-Staatsfonds fließen – ähnlich dem Alaska Permanent Fund, der Ölgewinne verwaltet.

Altmans Pitch: Die Öffentlichkeit soll an den KI-Gewinnen teilhaben. Klingt nach Social Responsibility, hat aber vermutlich einen Haken. Oder besser: mehrere.

Too Big to Fail – die KI-Edition

Hier kommt die eigentliche Strategie ins Spiel: Wer die US-Regierung zum Aktionär macht, kauft sich gleichzeitig die ultimative Versicherungspolice. Sollte OpenAI in finanzielle Schieflage geraten, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Bailouts drastisch. Der Staat schützt seine Investments – siehe Bankenrettung 2008. Die Timing-Kalkulation passt perfekt: OpenAI brennt Milliarden für Rechenleistung, während die Konkurrenz aufholt.

Meta verschenkt seine Modelle, Anthropic holt bei Investoren auf. Gleichzeitig mehren sich kritische Stimmen zur Cybersicherheit – und die Prognosen der KI-Labs zu massiver Arbeitslosigkeit könnten politisch toxisch werden, wie The Decoder berichtet. Der Clou: Altman will nicht nur OpenAI einbringen. Alle führenden US-KI-Entwickler sollen je fünf Prozent abgeben. Ein gemeinsames Vehikel, das die gesamte Tech-Elite gegen politischen Gegenwind absichert. Praktisch, oder?

Die Bernie-Sanders-Alternative

Bernie Sanders hat eine deutlich radikalere Version vorgeschlagen: 50 Prozent öffentliche Beteiligung an allen „systemically important“ AI-Unternehmen durch eine einmalige Steuer. Sein American AI Sovereign Wealth Fund Act würde selbst Google und SpaceX erfassen – die müssten ihre Nicht-KI-Sparten abspalten, um der Besteuerung zu entgehen. Altmans Fünf-Prozent-Vorschlag wirkt dagegen moderat, fast großzügig.

Genau das ist das Kalkül: Lieber freiwillig fünf Prozent geben, bevor Sanders‘ 50 Prozent durchkommen. Die Gespräche mit dem demokratischen Senator laufen parallel, so Financial Times.

Business Punk Check

Altmans Schachzug ist brillant zynisch. Er verkauft staatliche Teilhabe als demokratisches Projekt – und sichert sich nebenbei gegen regulatorische Risiken, finanzielle Schieflagen und politischen Backlash ab. Die fünf Prozent sind kein Geschenk, sondern eine Investition in institutionelle Unverwundbarkeit. Für die Steuerzahler heißt das: Sie werden zu Risikokapitalgebern, ohne gefragt worden zu sein. Sollte KI tatsächlich die Economy transformieren, gibt’s vielleicht Dividenden.

Sollte der Hype platzen, haften sie mit. Eine Umsetzung bräuchte ohnehin Kongress-Zustimmung – und die ist alles andere als sicher. Die eigentliche Frage ist nicht, ob der Deal kommt, sondern ob er einen gefährlichen Präzedenzfall schafft: Tech-Konzerne, die sich staatliche Protektion erkaufen, indem sie den Staat zum Mitspieler machen. Das hat mit freiem Markt nichts mehr zu tun – eher mit Neo-Feudalismus in Hoodie-Ästhetik.

Quellen: The Decoder, TechCrunch

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