Tech & Trends Robotersteuer und KI-Fonds: OpenAI will KI-Gewinne verteilen

Robotersteuer und KI-Fonds: OpenAI will KI-Gewinne verteilen

Der ChatGPT-Konzern fordert Robotersteuern, staatliche KI-Fonds und 32 Stunden bei vollem Lohn. Ein PR-Coup oder echte Sorge ums Gemeinwohl? Die Antwort ist kompliziert.

OpenAI hat ein Problem: Je erfolgreicher die KI wird, desto deutlicher zeichnet sich ab, dass die Gewinne bei wenigen landen – und die Firma gehört selbst zu den potenziellen Profiteuren. Also legt der ChatGPT-Konzern jetzt ein zwölfseitiges Grundsatzpapier vor, das wie eine Mischung aus progressivem Wahlprogramm und Kapitalismusrettungsplan klingt.

Vier-Tage-Woche bei gleichem Lohn, Robotersteuern, ein staatlicher Vermögensfonds für KI-Gewinne – alles drin, wie TechCrunch berichtet. Das Timing ist bemerkenswert: Während die Trump-Administration an einem nationalen KI-Rahmenwerk arbeitet und OpenAI-Präsident Greg Brockman Millionen an den Präsidenten spendet, positioniert sich die Firma als sozialpolitischer Vordenker. Ein Spagat zwischen Silicon-Valley-Lobbyismus und New-Deal-Rhetorik.

Konkrete Forderungen mit Sprengkraft

Der Kern: OpenAI will die Steuerlast von Arbeit auf Kapital verschieben. Höhere Kapitalertragsteuern für Spitzenverdiener, Unternehmenssteuern auf KI-getriebene Gewinne, im Extremfall sogar eine Robotersteuer nach Bill-Gates-Vorbild – der Roboter zahlt so viel wie der Mensch, den er ersetzt. Die Begründung ist simpel: Wenn KI die Wirtschaft umbaut, erodiert die Steuerbasis für Sozialversicherung und Gesundheitsversorgung, so The Decoder.

Der Public Wealth Fund soll jedem Bürger automatisch einen Anteil am KI-Boom sichern, unabhängig vom eigenen Vermögen. Die Erträge fließen direkt an die Menschen – eine Art bedingungsloses KI-Grundeinkommen durch die Hintertür. Wie das finanziert werden soll? Darüber schweigt sich OpenAI elegant aus. Politik und KI-Konzerne sollen das „gemeinsam klären“.

Die 32-Stunden-Revolution

Besonders konkret wird das Papier bei der Arbeitszeit: Arbeitgeber und Gewerkschaften sollen in befristeten Pilotprojekten die 32-Stunden-Woche bei vollem Lohn testen. Hält die Produktivität, wird die kürzere Woche dauerhaft. Sinken die Kosten durch KI-Einsatz, sollen Unternehmen mehr in Renten, Gesundheit und Betreuung investieren – als freiwillige Unternehmensleistung, nicht als staatliche Pflicht. Das Problem: Diese Vorschläge setzen voraus, dass Menschen ihren Job behalten. Wer durch Automatisierung rausfliegt, verliert mit dem Arbeitsplatz auch die arbeitgeberseitigen Benefits.

OpenAI schlägt zwar „portable Benefits“ vor, die Jobwechsel überdauern, aber auch die hängen meist an Arbeitgeber- oder Plattform-Beiträgen. Eine echte staatliche Absicherung für KI-Verdrängte? Fehlanzeige. Als Auffangbecken sieht OpenAI die „Care Economy“: Kinderbetreuung, Altenpflege, Gesundheitswesen. KI könne dort Verwaltung abbauen, aber die menschliche Verbindung bleibe entscheidend. Ein „Family Benefit“ soll Betreuungsarbeit als wirtschaftlich wertvoll anerkennen. Klingt gut, ist aber auch ein Eingeständnis: Wer durch KI ersetzt wird, soll gefälligst Menschen pflegen.

Business Punk Check

OpenAI nennt sich im eigenen Papier als potenziellen Nutznießer der Machtkonzentration – und fordert gleichzeitig Umverteilung. Das ist entweder bemerkenswert selbstreflektiert oder geschicktes PR-Management vor dem drohenden Backlash. Vermutlich beides. Die Vorschläge klingen radikal, sind aber durchtränkt von Tech-Optimismus: KI wird’s schon richten, Unternehmen werden freiwillig teilen, und der Staat muss nur die richtigen Anreize setzen. Die Realität? Marc Andreessen unterstützte Trump 2024 genau wegen dessen Weigerung, Kapitalerträge höher zu besteuern. Und OpenAI selbst wandelte sich gerade von der gemeinnützigen Organisation zum 852-Milliarden-Dollar-Konzern mit Shareholdern-Verpflichtungen. Was bleibt: Ein Diskussionspapier, das wichtige Fragen stellt – aber die unbequemen Antworten den „politischen Entscheidungsträgern“ überlässt.

Vier-Tage-Woche klingt sexy. Wer zahlt, wenn die Produktivität doch nicht hält? Ungeklärt. Robotersteuer ist populär. Wie hoch, ab wann, für wen? Public Wealth Fund für alle? Großartig. Finanzierung? „Gemeinsam klären.“ Der entscheidende Test kommt, wenn OpenAI selbst zur Kasse gebeten wird. Bis dahin ist das Papier vor allem eines: eine Wunschliste mit Opt-out-Klausel für die eigene Bilanz.

Häufig gestellte Fragen

Was schlägt OpenAI konkret vor?

Eine 32-Stunden-Woche bei vollem Lohn in Pilotprojekten, höhere Steuern auf Kapitalerträge und KI-Gewinne, einen staatlichen Vermögensfonds für Bürgerbeteiligung an KI-Profiten sowie portable Sozialleistungen, die unabhängig vom Arbeitgeber funktionieren. Außerdem Robotersteuern nach dem Prinzip: Der Automat zahlt wie der ersetzte Mensch.

Warum macht OpenAI diese Vorschläge jetzt?

Das Papier erscheint, während die Trump-Administration ein nationales KI-Rahmenwerk entwickelt und OpenAI massiv in politisches Lobbying investiert. Gleichzeitig wächst die Sorge vor Jobverlusten und Vermögenskonzentration durch KI. OpenAI positioniert sich als verantwortungsbewusster Akteur – und nennt sich selbst als potenziellen Nutznießer der Machtkonzentration.

Wie realistisch ist die Umsetzung?

Schwierig. Marc Andreessen unterstützte Trump 2024 explizit wegen dessen Ablehnung höherer Kapitalertragsteuern. OpenAI wandelte sich gerade von einer Non-Profit zur gewinnorientierten Firma mit Shareholder-Verpflichtungen. Die Vorschläge lassen zentrale Fragen offen: Finanzierung, konkrete Steuersätze, verpflichtende Umsetzung. Es bleibt eine Diskussionsgrundlage ohne Selbstverpflichtung.

Was passiert mit Menschen, die ihren Job durch KI verlieren?

OpenAI sieht die „Care Economy“ als Auffangbecken: Pflege, Betreuung, Gesundheit. Ein „Family Benefit“ soll Betreuungsarbeit honorieren. Zusätzlich fordert das Papier flexible Arbeitslosenhilfe und Weiterbildungsgutscheine, die automatisch bei Schwellenwerten greifen. Echte staatliche Grundsicherung unabhängig von Arbeitgebern? Wird nicht konkret vorgeschlagen.

Quellen: TechCrunch, The Decoder

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