Tech & Trends SpaceX-Aktie: Musks Billionen-Traum kostet neun Prozent Kurs

SpaceX-Aktie: Musks Billionen-Traum kostet neun Prozent Kurs

Musk verspricht eine Billion Dollar Umsatz bis 2030, doch die SpaceX-Aktie fiel laut dpa im frühen US-Handel um rund neun Prozent. Die Wall Street rechnet nach und die Zahlen passen nicht zur Vision.

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Elon Musk hat für SpaceX gerade das bislang kühnste Versprechen seiner Karriere abgegeben: eine Billion Dollar Jahresumsatz bis 2030, ein Jahr früher als ursprünglich angepeilt. Die Reaktion der Börse fiel eindeutig aus. Die Aktie fiel im frühen US-Handel um rund neun Prozent, wie die FAZ berichtete. Große Versprechen stehen inzwischen staerker unter Beobachtung, denn der Markt reagiert zunehmend sensibel auf Luecken zwischen Ankuendigung und Bilanz. Die Zahlen zeigen, wie weit SpaceX von der Billionen-Marke entfernt ist. Im vergangenen Quartal erzielte das Unternehmen Erlöse von 7,8 Mrd.

Dollar, ein Plus von 92 Prozent im Jahresvergleich. Beeindruckend, aber weit weg vom Ziel. Zum Vergleich: Amazon kam im vergangenen Jahr auf knapp 717 Mrd. Dollar Umsatz und zählt damit zu den Konzernen mit den weltweit höchsten Umsätzen, die der Billionen-Marke deutlich näher sind als SpaceX, wie eine dpa-Analyse, unter anderem in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht, einordnete. Selbst der weltgrößte Handels- und Cloud-Riese liegt damit deutlich unter dem, was Musk seiner Raumfahrt- und KI-Firma binnen weniger Jahre zutraut.

KI soll das Wachstum tragen, frisst aber Milliarden

Musk zufolge soll das explosive Wachstum vor allem aus dem Geschäft mit Künstlicher Intelligenz kommen. Die KI-Sparte erzielte im vergangenen Quartal 2,56 Mrd. Dollar Umsatz, investierte im gleichen Zeitraum aber 15,8 Mrd. Dollar in den Ausbau von Rechenzentren.

Rund 1,6 Milliarden der Erlöse stammten aus der Vermietung von Rechenkapazität an Kunden wie Anthropic und Google, berichtete die dpa, unter anderem veröffentlicht bei Boersennews. Das Muster ist bekannt aus der gesamten KI-Branche: Wachstum wird mit massiven Vorleistungen erkauft, der Ertrag kommt, wenn überhaupt, erst später. Musk selbst hält an den Plänen fest, Rechenzentren künftig in die Umlaufbahn zu bringen, ein Vorhaben, das die Investitionslast in den kommenden Jahren zusätzlich erhöhen dürfte.

Starlink liefert, Starship kostet

Aktuell trägt Starlink das Geschäft. Die Erlöse des Satelliten-Internetdienstes wuchsen im Jahresvergleich um fast zwei Drittel auf rund 4,3 Mrd. Dollar, das operative Ergebnis legte um 80 Prozent auf 1,66 Mrd. Dollar zu. Die Kundenzahl stieg binnen drei Monaten von 10,3 auf 12 Millionen. Unter anderem greifen laut FAZ mittlerweile mehr Fluggesellschaften auf das Satelliten-Internet zurück. Top-Managerin Gwynne Shotwell zeigte sich überzeugt, dass Starlink mit leistungsstärkeren Satelliten den etablierten Mobilfunk-Anbietern Kunden abjagen könne, insbesondere in unterversorgten Regionen der USA, wo klassische Mobilfunknetze bislang keine Abdeckung bieten.

Dem stehen die Ausgaben für die Riesen-Rakete Starship gegenüber, die weiterhin nur Testflüge absolviert. SpaceX peile mit Starship eine Million Tonnen Nutzlast jährlich an, perspektivisch sogar zehn Millionen Tonnen, kündigte Musk an. Zum Vergleich: Mit den aktuellen Falcon-Raketen befördert SpaceX nach eigenen Angaben rund 2.500 Tonnen Nutzlast pro Jahr ins All, ein Bruchteil der für Starship formulierten Ziele. Wahrscheinlich werde man Starship binnen eines Jahres mindestens einmal täglich starten sehen, möglicherweise auch häufiger, so Musk laut einer dpa-Meldung, veröffentlicht u.\s*a. bei Boersennews.

Beim Elektroautobauer Tesla, den Musk ebenfalls führt, verstrichen von ihm gesetzte Fristen jedoch schon häufiger, etwa beim autonomen Fahren und bei neuen Modellen, ein Umstand, den Kommentatoren, unter anderem in dpa-Analysen, die auch in der Süddeutschen Zeitung erscheinen, als Hinweis auf die Unsicherheit seiner Zeitpläne werten. Unterm Strich waren die Investitionen in Starship und den KI-Ausbau höher als die Gewinne aus dem Starlink-Geschäft. SpaceX schloss das Quartal mit einem Verlust von 541 Mio. Dollar ab, nach einem Minus von rund einer Milliarde Dollar im Vorjahresquartal. Immerhin ein Fortschritt, aber kein Beleg für die nahende Billionen-Marke.

Die Bewertung hält der Realität nicht stand

SpaceX war Mitte Juni mit einem Rekorderlös von 75 Mrd. Dollar an die Börse gegangen, zum Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie ergab das eine Bewertung von fast 1,8 Billionen Dollar, ein Wert, der laut FAZ in krassem Kontrast zum operativen Geschäft stand. SpaceX rechtfertigte die hohe Bewertung damals vor allem mit den großen Plänen im KI-Geschäft.

Der Kurs stieg zunächst auf gut 225 Dollar, was Beobachter auch auf Privatanleger zurueckfuehrten, fiel inzwischen aber unter den Ausgabepreis und notierte zuletzt bei rund 114 Dollar. Am Donnerstag läuft zudem die Haltefrist für weitere Aktien von Firmeninsidern und frühen Investoren aus, die dann zusätzlich in den Handel kommen könnten. Ein höheres Angebot bei gleichbleibender Nachfrage könnte den Kurs nach Einschätzung von Boersennews weiter unter Druck setzen.

Business Punk Check

Musk verkauft eine Vision, die Börse kauft gerade keine Versprechen mehr, sondern verlangt Bilanzen. Das ist der eigentliche Bruch: Jahrelang reichte die Ankündigung, jetzt zählt die Kennzahl. Eine Billion Dollar bis 2030 klingt nach Space-Age, entspricht aber mathematisch etwa einer 128-fachen Steigerung des aktuellen Quartalsumsatzes und würde eine extrem hohe jährliche Wachstumsrate erfordern, getragen von einer KI-Sparte, die aktuell mehr Kapital verbrennt als sie einnimmt.

Die unbequeme Wahrheit: Aktuell ist Starlink laut dpa der zentrale Gewinnbringer, während hohe Investitionen in Starship und KI insgesamt zu einem Quartalsverlust führen. Die Story steht und faellt mit Musks Faehigkeit, drei kapitalintensive Großprojekte gleichzeitig zu skalieren, ausgerechnet der Mann, dessen selbstgesetzte Fristen bei Tesla regelmäßig verstreichen. Entscheider sollten die Kluft zwischen Rhetorik und Cashflow als Frühwarnsystem lesen, nicht als Randnotiz.

Auf einen Blick

  • Musk erwartet für SpaceX nun bis 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion Dollar, ein Jahr früher als zuvor angekündigt.
  • Die SpaceX-Aktie fiel laut einer dpa-Meldung im frühen US-Handel um rund neun Prozent; andere Berichte nennen einen nachbörslichen Rückgang von mehr als sieben Prozent.
  • Starlink erwirtschaftet mit 4,3 Mrd. Dollar Quartalsumsatz aktuell den Großteil der Gewinne, während KI-Sparte und Starship-Programm hohe Verluste verursachen.
  • SpaceX schloss das Quartal mit einem Verlust von 541 Mio. Dollar ab, trotz eines Umsatzwachstums von 92 Prozent im Jahresvergleich.

Quellen: FAZ, Süddeutsche Zeitung, Boersennews

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