Tech & Trends Steckdosenleisten: Die unterschätzte Brandgefahr in deinem Zuhause

Steckdosenleisten: Die unterschätzte Brandgefahr in deinem Zuhause

Mehrfachsteckdosen bergen ein erhebliches Brandrisiko, wenn leistungsstarke Geräte angeschlossen werden. Experten warnen vor sechs Gerätekategorien, die niemals über Steckdosenleisten betrieben werden sollten.

Die praktische Steckdosenleiste im Homeoffice, die Mehrfachsteckdose hinter dem TV-Board – in deutschen Haushalten sind sie allgegenwärtig. Doch was viele nicht wissen: Diese vermeintlich harmlosen Alltagshelfer können zur tödlichen Gefahr werden. Elektroexperten schlagen Alarm, denn die falsche Nutzung führt jährlich zu zahlreichen Wohnungsbränden. Besonders problematisch: Die Sicherungen in Haushalten springen oft nicht rechtzeitig an.

Die Leistungslüge auf dem Typenschild

Die Angaben auf Mehrfachsteckdosen versprechen Sicherheit: 16 Ampere oder 3600 Watt Belastbarkeit suggerieren ausreichend Power für mehrere Geräte. Eine gefährliche Fehleinschätzung, wie Andreas Habermehl vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) klarstellt.

„Mehrfachsteckdosen sind generell nicht für große Lasten ausgelegt“, erklärt der Experte laut „myhomebook.de“. Zwar können sie kurzzeitig Höchstleistungen verkraften, doch bei dauerhafter Belastung droht Überhitzung – sowohl der Steckdose selbst als auch des Kabels.

Diese Geräte niemals an Mehrfachsteckdosen anschließen

Besonders kritisch wird es bei leistungsstarken Geräten. Laut „chip.de“ sollten sechs Gerätekategorien grundsätzlich nicht über Steckdosenleisten betrieben werden:

  1. Wärmeerzeugende Geräte wie Toaster und Haartrockner
  2. Elektrische Heizgeräte, besonders im Badezimmer
  3. Elektrowerkzeuge mit hohen Anlaufströmen
  4. High-Tech-Geräte einschließlich Computer und Spielkonsolen
  5. Schnellladegeräte, die stabile Stromversorgung benötigen
  6. Haushaltsgroßgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen

„Executive Digest“ warnt vor allem vor der Kombination mehrerer leistungsstarker Geräte an einer Steckdosenleiste, wie „vol.at“ berichtet. Der Fachmann Habermehl empfiehlt stattdessen: „Mehrfachsteckdosen kann man an Stellen im Gebäude verwenden, an denen Geräte mit geringer Leistung verwendet werden sollen.“ Typische Beispiele sind Arbeitsplätze mit PC, Monitor und Router.

Warum Sicherungen nicht immer schützen

Ein gefährlicher Irrtum: Viele Menschen verlassen sich auf die Sicherungen im Haushalt. Das Problem dabei: Der Leitungsschutzschalter reagiert auf Stromstärke, nicht auf Überhitzung.

Laut „myhomebook.de“ entsteht die Brandgefahr besonders dann, wenn brennbare Materialien wie Gardinen in der Nähe sind. Zudem altern die Kontakte und Isolierungen bei häufiger Überlastung schneller, was die Überhitzungsgefahr weiter verstärkt.

Besonders riskant wird es bei Balkonkraftwerken. Wie „chip.de“ berichtet, speisen manche Nutzer ihre Solaranlagen über Mehrfachsteckdosen ein – ein gefährlicher Fehler. Die erzeugte Einspeisung kann die 16-Ampere-Grenze der Sicherung überschreiten, ohne dass diese auslöst. Der Elektroexperte warnt: Hier besteht „Gefahr für Leib und Leben“.

Zukunftssichere Elektroinstallation statt Flickwerk

Die Lösung liegt auf der Hand: Fest installierte Steckdosen statt provisorischer Lösungen. Habermehl kritisiert laut „myhomebook.de“ aktuelle Bautrends, die auf Kostensenkung durch Reduzierung fester Steckdosen setzen:

„Die Zahl der elektrischen Geräte in Haushalten und Unternehmen steigt jedoch seit Jahren kontinuierlich.“ Die Folge: Menschen greifen zu Mehrfachsteckdosen als Notlösung.

Business Punk Check

Der Elektro-Sicherheitsdiskurs offenbart ein klassisches Wirtschaftsdilemma: kurzfristige Kostenoptimierung versus langfristige Sicherheit. Die Baubranche spart bei Steckdosen, während die Elektronik-Industrie immer mehr Geräte auf den Markt wirft. Diese Diskrepanz schafft einen gefährlichen Graubereich, in dem Verbraucher mit Mehrfachsteckdosen improvisieren müssen.

Besonders brisant: Die Balkonkraftwerk-Bewegung als Teil der Energiewende stößt auf eine veraltete Elektroinfrastruktur. Hier offenbart sich ein strukturelles Problem der deutschen Energiepolitik – der Übergang zu dezentraler Energieerzeugung wird nicht von entsprechenden Sicherheitsstandards und Infrastrukturanpassungen begleitet. Für Immobilienbesitzer bedeutet das: Wer heute in zukunftssichere Elektroinstallationen investiert, schützt nicht nur Leben, sondern vermeidet auch teure Nachrüstungen.

Häufig gestellte Fragen

  • Wie erkenne ich, ob meine Mehrfachsteckdose überlastet ist?
    Warnzeichen sind Erwärmung der Steckdosenleiste, Verfärbungen an Steckern oder Gehäuse, Brandgeruch und flackernde angeschlossene Geräte. Bei diesen Anzeichen sofort alle Geräte trennen und die Steckdosenleiste austauschen.
  • Welche Alternativen gibt es zu Mehrfachsteckdosen für leistungsstarke Geräte?
    Für leistungsstarke Geräte sollten fest installierte Wandsteckdosen genutzt werden. Bei Bedarf können Elektrofachbetriebe zusätzliche Steckdosen installieren – eine Investition, die langfristig günstiger ist als die Folgekosten eines Brandes.
  • Wie kann ich mein Balkonkraftwerk sicher anschließen?
    Balkonkraftwerke sollten ausschließlich über spezielle Einspeisesteckdosen angeschlossen werden, die von Elektrofachkräften installiert werden. Niemals über Mehrfachsteckdosen oder selbstgebaute Lösungen einspeisen.
  • Was bedeutet die Energiewende für die Elektroinstallation in Bestandsgebäuden?
    Die Energiewende erfordert eine Modernisierung der Elektroinstallation in vielen Bestandsgebäuden. Hausbesitzer sollten einen Elektrofachbetrieb beauftragen, die Hausinstallation auf Zukunftsfähigkeit zu prüfen – besonders im Hinblick auf E-Mobilität, Wärmepumpen und dezentrale Stromerzeugung.
  • Welche wirtschaftlichen Folgen hat eine veraltete Elektroinstallation für Immobilienbesitzer?
    Veraltete Elektroinstallationen mindern den Immobilienwert, erhöhen Versicherungsprämien und führen zu teuren Nachrüstungen. Zudem können sie die Installation moderner Technologien wie Smart Home, Wärmepumpen oder Wallboxen verhindern, was langfristig zu höheren Energiekosten führt.

Quellen: „myhomebook.de“, „chip.de“, „vol.at“

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