Tech & Trends Traffic-Killer im Visier: Verlage gehen gegen Googles AI Overviews vor

Traffic-Killer im Visier: Verlage gehen gegen Googles AI Overviews vor

Ein direkter Widerspruch zu den Transparenz- und Qualitätszielen des Digital Services Act. Besonders pikant: Google trainiert seine KI mit genau jenen Inhalten, deren Urhebern es nun die Existenzgrundlage entzieht. Für die Medienbranche ein doppelter Schlag – erst werden ihre Inhalte für das Training genutzt, dann macht die KI den Besuch auf ihren Seiten überflüssig.

Digitale Souveränität in Gefahr

Die Beschwerde rührt an fundamentale Fragen der digitalen Zukunft. „Google drängt einmal mehr konkurrierende Angebote zurück, um die eigene Machtposition zu festigen“, erklärt Christine Jury-Fischer, Geschäftsführerin von Corint Media, gegenüber Dwdl. Die Verwertungsgesellschaft vertritt die Interessen zahlreicher Medienunternehmen und sieht in Googles Vorgehen einen Angriff auf die digitale Souveränität Europas.

Der Fall hat Präzedenzcharakter. Laut Buchmarkt ist es nicht der erste Vorstoß gegen KI-generierte Inhalte in Suchmaschinen. Erst kürzlich reichte ein US-Verlagshaus eine ähnliche Klage ein. Der Vorwurf: Google kündige mit seinen KI-Antworten eine jahrelange Übereinkunft auf, nach der Medien ihre Inhalte zur Indexierung bereitstellen und im Gegenzug Traffic erhalten.

Business Punk Check

Die Realität hinter dem KI-Hype: Google baut sein Monopol aus, während es die Geschäftsgrundlage der Contentproduzenten zerstört. Die Technologie ist beeindruckend, aber ihre Implementierung folgt dem klassischen Silicon-Valley-Playbook: Erst disruptieren, dann dominieren. Die wahre Innovation wäre ein Modell, das Medienvielfalt fördert statt sie zu kannibalisieren.

Für Medienhäuser bedeutet das: Entweder eigene KI-Strategien entwickeln oder in der Google-Abhängigkeit versinken. Die Beschwerde ist mehr als Jammern auf hohem Niveau – sie ist ein verzweifelter Versuch, die Balance zwischen Tech-Innovation und Medienvielfalt zu retten. Wer glaubt, dass KI-Antworten journalistische Inhalte ersetzen können, unterschätzt den Wert kritischer Berichterstattung in einer funktionierenden Demokratie.

Häufig gestellte Fragen

  • Warum sind Googles KI-Antworten so gefährlich für Medienunternehmen?
    Sie unterbrechen den Traffic-Fluss zu Medienwebsites, indem sie Antworten direkt in der Suchergebnisliste anzeigen. Dadurch entgehen Publishern Werbeeinnahmen und Reichweite – ihre wirtschaftliche Grundlage schwindet, während Google von ihren Inhalten profitiert.
  • Welche Alternativen haben Medienunternehmen gegen KI-Antworten?
    Medienunternehmen sollten eigene KI-Strategien entwickeln, exklusive Inhalte hinter Paywalls platzieren und alternative Distributionskanäle aufbauen. Gleichzeitig müssen sie kollektiv für faire Vergütungsmodelle kämpfen und rechtliche Schritte wie die aktuelle Beschwerde unterstützen.
  • Kann der Digital Services Act wirklich gegen Tech-Giganten wie Google durchgesetzt werden?
    Der DSA hat mit Strafen von bis zu 6% des weltweiten Jahresumsatzes tatsächlich Biss. Die Durchsetzung hängt jedoch stark vom politischen Willen der EU-Kommission ab. Erste Verfahren werden zeigen, ob Europa bereit ist, seine digitale Souveränität ernsthaft zu verteidigen.
  • Wie transparent sind Googles KI-Antworten wirklich?
    Die Transparenz ist minimal. Google offenbart weder die genauen Trainingsdaten noch die Funktionsweise seiner KI-Modelle. Studien zeigen, dass die Antworten regelmäßig Fehlinformationen enthalten – ein Problem, das durch die fehlende Quellenangabe noch verschärft wird.
  • Was bedeutet der Konflikt für die Zukunft der Informationslandschaft?
    Wir stehen an einem Scheideweg: Entweder entwickeln wir ein nachhaltiges Ökosystem, in dem KI-Technologie und Qualitätsjournalismus koexistieren, oder wir riskieren eine Informationslandschaft, die von wenigen Tech-Konzernen kontrolliert wird und anfällig für Manipulation ist.

Quellen: „Buchmarkt“, „Dwdl“, „Heise“, „Horizont“

Seite 2 / 2
Vorherige Seite Zur Startseite

Das könnte dich auch interessieren