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Tesla Cybercab: Verkaufstart trotz Sicherheitsbedenken

Tesla Cybercab: Verkaufstart trotz Sicherheitsbedenken
Tesla
Erschienen
Lesezeit3 Min · 527 Wörter

Kein Lenkrad, keine Pedale, kein Fahrer: Tesla will sein Cybercab noch 2026 an Kunden verkaufen. Während Elon Musk die nächste Mobilitätsrevolution ausruft, prüfen US-Behörden, ob sein autonomes Goldmobil überhaupt legal auf die Straße darf.

Tesla drückt beim autonomen Fahren aufs Gaspedal – ausgerechnet mit einem Auto, das keines mehr besitzt. Noch vor Jahresende sollen die ersten Cybercabs an externe Kunden gehen, obwohl entscheidende Sicherheitsfragen ungeklärt sind.

Goldene Kampfansage an die Autoindustrie

Zwei Sitze, goldene Karosserie, null Lenkrad: Teslas Cybercab bricht radikal mit allem, was Autofahrer seit Jahrzehnten kennen. Auf der Bilanzkonferenz zum dritten Quartal kündigte Technikchef Lars Moravy an, dass Tesla noch 2026 mit dem Verkauf beginnen werde. Bisher produzierte Fahrzeuge landen ausschließlich in der eigenen Robotaxi-Flotte. Künftig sollen auch externe Betreiber zugreifen können. Zunächst in kleinen Stückzahlen, dann zunehmend im großen Stil. Tesla will dabei Erfahrungen mit Auslieferung, Besitz und Flottenmanagement sammeln. Der Plan: autonome Mobilität vom Experiment zum Massengeschäft machen.

Musk verkauft die Zukunft – mal wieder

Schon im September hatte Tesla potenzielle Käufer für eigene Cybercab-Flotten gesucht. Jetzt wird aus der Interessensabfrage ein konkreter Verkaufsplan. Für Elon Musk ist das eine bemerkenswerte Kurskorrektur. Jahrelang versprach er, Millionen bereits verkaufter Teslas per Softwareupdate in fahrerlose Geldmaschinen zu verwandeln. Privatwagen sollten selbstständig Passagiere transportieren und ihren Besitzern Einnahmen bescheren. Realität geworden ist davon bislang wenig. Stattdessen setzt Tesla zunehmend auf ein speziell entwickeltes Robotaxi ohne klassische Bedienelemente.

Autonomes Fahren: Kunden warten, Flotten starten

Besonders pikant: Während Cybercabs noch 2026 an externe Betreiber gehen sollen, müssen gewöhnliche Tesla-Fahrer weiter auf echtes autonomes Fahren warten. Musk stellte eine unbeaufsichtigte Version von Full Self-Driving erst für das zweite Quartal 2027 in Aussicht. Wieder eine Verschiebung. Bislang bietet Tesla lediglich FSD Supervised an – ein Assistenzsystem, bei dem Menschen jederzeit eingreifen können müssen. Sollte Musk beide Termine einhalten, könnten kommerzielle Betreiber bereits fahrerlose Cybercabs einsetzen, während Privatkunden weiter selbst auf den Verkehr achten müssen. Vorausgesetzt, die Behörden spielen mit.

Lenkrad raus, Vorschriften egal?

Genau hier droht der große Crash mit der Realität. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA untersucht seit September, ob Teslas Cybercab die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfüllt. Das Verfahren wurde nur Stunden nach dem Start des öffentlichen Cybercab-Betriebs in Austin eingeleitet. Der Knackpunkt: US-Sicherheitsstandards verlangen bislang unter anderem Bremspedale sowie Rück- und Seitenspiegel. Ausgerechnet jene Komponenten, die Tesla beim Cybercab für überflüssig erklärt. Tesla hat die Einhaltung der Vorschriften selbst zertifiziert. Nun wollen die Behörden wissen, auf welcher technischen und rechtlichen Grundlage.

Musk gegen Washington: Wer bremst zuerst?

Rückenwind könnte ausgerechnet die Politik liefern. Das US-Verkehrsministerium hat vorgeschlagen, die Pflicht zu manuellen Bedienelementen für speziell entwickelte autonome Fahrzeuge abzuschaffen. Für Tesla wäre das ein gewaltiger Befreiungsschlag. Doch solange die Regeln nicht geändert sind und die Untersuchung läuft, bleibt das Cybercab ein regulatorisches Risiko. Die Entscheidung der NHTSA könnte bestimmen, ob Tesla seine fahrerlosen Fahrzeuge überhaupt legal betreiben darf. Musk will die Autoindustrie revolutionieren. Jetzt muss er nur noch beweisen, dass sein Zukunftsauto auch ohne Lenkrad sicher und gesetzeskonform unterwegs ist.

Günther Suchy

Head of Digital Editorial

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist der promovierte Volkswirt Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Als gelernter Redakteur kennt er den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: An der DHBW Ravensburg leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die staatliche Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder an Universitäten und Hochschulen in aller Welt, u.a. nach Shanghai/China, Chile oder Marrakesh/Marokko. Im Königreich Bhutan lehrte er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College und gab Seminare am Nationalen Olympischen Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“. An der Universität Durban in Südafrika unterrichtet er regelmäßig das Thema "Green Startups" und vermittelt in Praxis-Workshops Know-how zu innovativen Gründerthemen. Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.