Tesla schrumpft, Musk träumt – und die Börse jubelt trotzdem
Tesla schrumpft: Minus 3% Umsatz, minus 46% Gewinn. Musk stampft die Luxusmodelle S und X ein und setzt alles auf Robotaxis. Dumm nur: Google ist längst 2500 Autos voraus. Die Aktie steigt trotzdem.
Tesla hat 2025 zum ersten Mal in seiner Geschichte weniger Umsatz gemacht als im Vorjahr. Minus drei Prozent auf 94,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn brach um 46 Prozent auf 3,8 Milliarden ein. Die Auslieferungen sanken um 8,5 Prozent auf 1,636 Millionen Fahrzeuge. Zum zweiten Mal in Folge verkaufte der Konzern weniger Autos. Der Höhepunkt liegt bereits zwei Jahre zurück: 2023 waren es noch 1,8 Millionen Fahrzeuge. Die Reaktion der Börse? Plus sieben Prozent. Weil Tesla die Erwartungen minimal übertroffen hat. Willkommen in der Welt, in der schlechte Zahlen als Erfolg gefeiert werden, solange sie nicht ganz so katastrophal ausfallen wie befürchtet.
Model S und X werden geschlachtet
Elon Musk zieht jetzt die Konsequenzen. Allerdings nicht die, die ein normaler Automanager ziehen würde. Statt die Modellpalette zu überarbeiten oder aggressiver zu vermarkten, stampft er die Luxusmodelle S und X ein. Die Produktion läuft im kommenden Quartal aus, wie Musk in einer Telefonkonferenz verkündete. Technischer Support für bestehende Fahrzeuge soll es weiterhin geben. Aber neue Käufer? Fehlanzeige.
Das Model S war Teslas erster Massenmarkterfolg. Das Model X sollte den SUV-Markt erobern. Zusammen machten beide Modelle zuletzt nur noch drei Prozent der Auslieferungen aus. 97 Prozent entfielen auf die Modelle 3 und Y. Trotzdem: Die Entscheidung ist radikal. Musk opfert die Vergangenheit für eine Zukunft, die noch nicht existiert.
Die Robotaxi-Wette gegen Google
Denn Musk setzt alles auf selbstfahrende Robotaxis und humanoide Roboter. Das Autogeschäft? Interessiert ihn nicht mehr. In Austin fahren derzeit ein paar Dutzend Tesla-Robotaxis herum. Zum Vergleich: Googles Waymo betreibt mehr als 2500 fahrerlose Autos und expandiert aggressiv in neue Städte. Der Vorsprung ist gigantisch.
Tesla steht in diesem Rennen noch am Anfang. Die Technologie ist nicht marktreif. Die Regulierung unklar. Die Konkurrenz weit voraus. Trotzdem wirft Musk das funktionierende Geschäft über Bord. Das ist entweder visionär oder größenwahnsinnig. Vermutlich beides.
Politik und Image-Schaden
Zusätzlich belastet die Politik das Geschäft. US-Präsident Donald Trump ließ die Steuervergünstigung von 7.500 Dollar beim Kauf eines Elektroautos auslaufen. Ausgerechnet im Frühsommer, als sich Musk und Trump kurzzeitig zerstritten hatten. Inzwischen haben sich beide wieder angenähert. Aber der Schaden ist angerichtet.
Musks politisches Auftreten verschreckt Käufer. Ein Teil der Zielgruppe wendet sich ab. Tesla war mal die Marke der progressiven Tech-Elite. Heute polarisiert sie. Das spürt der Konzern in den Verkaufszahlen. Besonders im ersten Halbjahr 2025 brachen die Auslieferungen um 15 Prozent ein. Im dritten Quartal gab es einen kurzen Schub durch die Torschlusspanik vor dem Ende der Prämie. Danach folgte der Absturz: Im vierten Quartal sackte der Gewinn um 61 Prozent auf 840 Millionen Dollar ab.
Was bedeutet das wirklich?
Tesla vollzieht gerade eine radikale Transformation. Vom Autohersteller zum Technologiekonzern. Das Problem: Die neue Identität existiert nur in Musks Kopf. Die Robotaxis sind nicht da. Die humanoiden Roboter auch nicht. Das Autogeschäft schrumpft. Die Aktionäre applaudieren trotzdem, weil sie an die Vision glauben.
Wer profitiert? Kurzfristig niemand. Langfristig vielleicht Musk, falls die Wette aufgeht. Wer verliert? Die Mitarbeiter, die für die eingestellten Modelle arbeiten. Die Kunden, die auf neue Luxusmodelle gehofft hatten. Und möglicherweise alle Aktionäre, falls die Robotaxi-Vision platzt.
Business Punk Check
Tesla verkauft diese Transformation als strategischen Masterplan. In Wahrheit ist es ein riskantes Manöver ohne Netz. Musk stampft profitable Modelle ein, bevor die neuen Geschäftsfelder auch nur ansatzweise funktionieren. Die Robotaxi-Technologie ist nicht marktreif. Google hat einen Vorsprung von Jahren. Die humanoiden Roboter sind Science-Fiction. Was verschwiegen wird: Tesla verliert gerade seine Kernzielgruppe. Die progressiven Käufer wenden sich ab, weil Musk politisch polarisiert. Die konservativen Käufer kaufen keine Elektroautos. Der Sweet Spot schrumpft. Die Aktie steigt trotzdem, weil Investoren an Musks Visionskraft glauben. Das funktioniert, bis es nicht mehr funktioniert. Dann wird es brutal.
Häufig gestellte Fragen
Warum steigt die Tesla-Aktie trotz mieser Zahlen?
Weil Tesla die ohnehin niedrigen Erwartungen minimal übertroffen hat. Der Gewinn je Aktie im vierten Quartal lag leicht über den Prognosen. Investoren feiern das als Erfolg und glauben weiter an Musks Robotaxi-Vision.
Wann kommen die Tesla-Robotaxis wirklich?
Unklar. In Austin fahren ein paar Dutzend Testfahrzeuge. Eine Marktreife ist nicht absehbar. Google Waymo betreibt bereits über 2500 fahrerlose Autos kommerziell. Tesla hinkt Jahre hinterher.
Was passiert mit Model 3 und Y?
Offiziell nichts. Sie machen 97 Prozent der Auslieferungen aus. Aber wenn man Musk beim Wort nimmt, sind auch deren Tage gezählt. Er will Tesla vom Autohersteller zum Robotik-Konzern umbauen.
Quellen: Manager Magazin, Tag24, Handelsblatt