briefing · News-Content.

TikTok im Juni: Tagesschau vorn

TikTok im Juni: Tagesschau vorn
KI-generiert
Erschienen
Lesezeit3 Min · 580 Wörter

164 Videos, 50.000 Likes im Median – die Tagesschau zeigt im Juni, wie Reichweite auf TikTok heute funktioniert. Während klassische Medien überraschen, verteidigen die Jindaouis ihre Spitzenplätze und neue Creator schieben sich mit Vollgas in die Charts.

Nachrichten statt Nonsens? Auf TikTok längst kein Widerspruch mehr. Die aktuellen Rankings zeigen: Wer konsequent liefert, gewinnt – egal ob Medienhaus, Sportmarke oder Creator.

Die Tagesschau gibt das Tempo vor

Über den TikTok-Erfolg der Tagesschau wurde in den vergangenen Monaten viel gesprochen. Jetzt liefern die Zahlen den Beweis: Mit einem Median von 50.000 Likes ist der Account im Juni die klare Nummer eins. Dazu kommen satte 164 veröffentlichte Videos – keine gelegentliche Präsenz, sondern permanentes Bespielen der Plattform. Das Signal ist eindeutig: Reichweite entsteht nicht nur durch den perfekten Clip, sondern auch durch konsequente Frequenz. Wer TikTok immer noch als Spielplatz für belanglosen Content abtut, sollte spätestens jetzt seine Meinung überdenken.

Direkt dahinter landet Wonderwaffel mit 49.000 Likes im Median. Der Berliner Food-Account gehört längst zum festen Inventar der Charts. Platz drei sichert sich Red Bull, das mit einem gehosteten Parcours-Video erneut zeigt, dass bewährte Formate noch lange nicht ausgereizt sind. Dass der WDR-Wissenskanal Nice to Know aus den Top Drei rutscht und dafür Zeit im Bild sowie Rauch Eistee (DE) zurückkehren, unterstreicht einen klaren Trend: News- und Wissens-Content behauptet sich auf TikTok stärker denn je.

Adidas nutzt den WM-Moment

Auf Rang sieben landet Adidas – auf dem Papier unspektakulär, in der Praxis jedoch äußerst clever. Die Marke nutzt die Aufmerksamkeit rund um die Fußball-WM konsequent für virale Clips. Ein Geburtstagsgruß an Peso Pluma inklusive Mariachi-Band und Fußballtorte oder Lionel Messi, der Schuhe für seinen „letzten Tango“ erhält: Das sind Geschichten, die Popkultur, Sport und Emotion verbinden. Gerade diese Mischung macht den Unterschied. Adidas verkauft nicht einfach Produkte, sondern liefert Inhalte, die perfekt in den Algorithmus passen. Die Marke sitzt nicht nur im Stadion, sondern mitten im digitalen Gespräch. Das Format ist bekannt, funktioniert aber weiterhin erstaunlich zuverlässig.

Die Jindaouis bleiben das Maß der Dinge

Bei den Creator-Charts bleibt an der Spitze alles beim Alten. Die beiden Jindaoui-Accounts verteidigen Platz eins und zwei souverän und zeigen keinerlei Ermüdungserscheinungen. Dahinter wird das Feld allerdings deutlich dynamischer.Erstmals schafft es Anastasia Shyk alias Nastya auf Rang drei. Mit klassischem Lifestyle-Content hat sie sich Monat für Monat nach oben gearbeitet. Dass dieser Aufstieg kein Zufall ist, zeigen ihre erfolgreichsten Videos: Zwei Clips über typische Alltagssituationen erreichen rund 970.000 beziehungsweise 1,2 Millionen Likes und gehören zu den meistgelikten Beiträgen des Monats. Ebenfalls stark unterwegs ist Karim Jamal, der mit einem XXL-Pandora-Charm einen viralen Volltreffer landet. TikTok belohnt dabei weniger die große Inszenierung als die präzise erzählte Alltagsszene.

Neue Gesichter drängen nach vorne

Für frischen Wind sorgen außerdem Haqat & Cazal aus Nürnberg. Die beiden Schüler steigen direkt auf Platz zehn ein und nutzen ihren aktuellen TikTok-Hype als Sprungbrett für den Einstieg ins Musikbusiness. Ihre Single „Euros jagen“ steht kurz vor der Veröffentlichung – die Aufmerksamkeit dafür ist bereits jetzt beachtlich. Der Juni zeigt damit ziemlich deutlich, wohin sich TikTok entwickelt. Die Plattform ist längst mehr als eine Spielwiese für Trends. Sie ist ein ernstzunehmender Distributionskanal für Medienmarken, Creator und Musikprojekte. Wer hier Reichweite aufbauen will, braucht keine künstliche Inszenierung, sondern Geschwindigkeit, Kontinuität und ein Format, das Wiedererkennung schafft. Genau das haben die Gewinner dieses Monats verstanden.

Günther Suchy

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist er Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Der promovierte Volkswirt kennt den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: Er leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder in die Welt hinaus: Nach China, Chile, Marokko oder Bhutan, wo er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College lehrte und das Nationale Olympische Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“ beriet. An der Universität Durban in Südafrika gibt er Seminare zum Thema "Green Startups". Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.