Business & Beyond · künstliche Intelligenz

Uber streicht 3.300 Jobs: All In bei der Robotaxi-Wette

Uber muss fast 825 Mio. Euro Strafe zahlen
Viktor Avdeev auf Unsplash Uber muss fast 825 Mio. Euro Strafe zahlen
Erschienen
Lesezeit4 Min · 780 Wörter

Uber streicht zehn Prozent der Belegschaft, mitten im besten Geschäftsjahr der Firmengeschichte. Das Kapital soll künftig in Robotaxis statt in Managementebenen fließen.

Uber schreibt Rekordzahlen und entlässt trotzdem tausende Mitarbeitende: Der Fahrdienstvermittler streicht rund 3.300 Stellen, etwa zehn Prozent der weltweiten Belegschaft, wie aus einer internen Mitteilung von CEO Dara Khosrowshahi hervorgeht, über die heise berichtet. Es ist der größte Personalabbau seit der Pandemie, als das Unternehmen 6.700 Jobs strich.

Diesmal aber fehlt der sonst übliche Verweis auf Kosteneinsparungen durch Krise: 2025 stieg der Umsatz laut heise um 18 Prozent auf 52 Mrd. Dollar, der operative Gewinn verdoppelte sich nahezu auf 5,6 Mrd. Seit 2021 hat sich der Konzernumsatz nach denselben Angaben fast verdreifacht, was den Kontrast zwischen Wachstumskurve und Kürzungswelle zusätzlich schärft.

Hierarchien fallen, nicht nur Jobs

Der Abbau zielt gezielt auf mittlere Managementebenen. Die Zahl der Führungskräfte soll um 20 Prozent sinken, Teams mit nur ein oder zwei Mitgliedern werden laut TechCrunch halbiert. Betroffen sind vor allem jene, die laut Khosrowshahi „sieben oder mehr Ebenen“ vom CEO entfernt sitzen. Homeoffice wird für fast alle abgeschafft: Nur noch etwa ein Prozent der Belegschaft darf komplett remote arbeiten, der Rest muss mindestens drei Tage pro Woche ins Büro, wie WirtschaftsWoche berichtet.

Khosrowshahi begründet den Umbau mit gewachsener „Komplexität, mehr Ebenen, mehr Koordination und mehr Zerstückelung“, die Uber in den vergangenen fünf Jahren angesammelt habe. Anders als viele Techkonzerne nennt er ausdrücklich keine KI-Automatisierung als Auslöser. Laut TechCrunch werden zudem Engineering, Science und Delivery zu einer Einheit zusammengelegt, ebenso die bisher getrennten Lieferbereiche für Restaurants, Einzelhandel und Direktbestellungen. Vor allem Standorte in New York und San Francisco sollen künftig als globale Zentren dienen, während kleinere Büros konsolidiert werden.

Robotaxis als eigentlicher Kapitalempfänger

Die frei werdenden Ressourcen sollen laut heise gezielt ins Kerngeschäft und in künftiges Wachstum fließen, allen voran ins Robotaxi-Geschäft. Uber hatte bereits Anfang August angekündigt, mehr als zehn Milliarden Dollar in autonome Fahrdienste zu investieren, mit dem Ziel, zum zentralen Marktplatz für Robotaxi-Anbieter zu werden. In Europa nimmt das Konkrete Form an: Über eine Partnerschaft mit Pony.ai sollen mehr als 2.000 Robotaxis in fünf Städten vermittelt werden, während Waymo dieselben Märkte anvisiert.

Uber kooperiert in London mit Wayve; die Partner verfügen über TfL‑Genehmigungen für einen Robotaxi‑Pilotbetrieb mit Sicherheitsfahrer und vorbereiten kommerzielle Angebote über die Uber‑App, bislang im Rahmen lizenzierter Pilotprojekte. Der Kommentardienst TechBuzz ordnet die Wette kritisch ein: Der Markt für autonome Mobilität sei politisch reguliert und technologisch unsicher, während die Belegschaft die unmittelbare Last der Umstrukturierung trage, noch bevor sich zeigt, ob sich das Robotaxi-Kapital tatsächlich auszahlt.

Börse reagiert positiv, Kritik bleibt

Anleger honorierten die Ankündigung: Die Uber-Aktie legte laut heise im vorbörslichen Handel bis zu 2,5 Prozent zu, Konkurrent Lyft gewann parallel mehr als drei Prozent. Die Nachrichtenplattform Aljazeera verweist jedoch darauf, dass der Abbau ausgerechnet nach einem der besten Quartale der Firmengeschichte kommt, was Fragen zur Beschäftigungssicherheit in finanziell gesunden Techkonzernen aufwirft.

Die Wirtschaftsredaktion von Trending Topics ordnet den Stellenabbau zudem in den größeren Kontext der geplanten Übernahme von Delivery Hero für rund 13 Mrd. Euro ein, die parallel zur Restrukturierung läuft und Ubers Expansionskurs trotz Entlassungen unterstreicht. Beide Vorgänge zusammen zeigen ein Unternehmen, das gleichzeitig schrumpft und expandiert, je nachdem, welcher Bereich als Zukunftswette gilt.

Business Punk Check

Fakt ist: Uber streicht 3.300 Jobs bei Rekordumsatz und wachsendem Gewinn, das ist ungewöhnlich, weil der übliche Krisenkontext fehlt. Khosrowshahi verkauft den Schnitt als Effizienzgewinn, nicht als Sparzwang; die Börse honoriert das sofort.

Ob die freigesetzten Milliarden im Robotaxi-Geschäft tatsächlich neues Wachstum erzeugen oder nur eine teure Wette auf einen noch unklaren Markt sind, bleibt offen. Kritiker wie Aljazeera und TechBuzz sehen darin ein Muster: Belegschaft trägt das Risiko, Kapital wandert in Zukunftsprojekte mit offenem Ausgang.

Auf einen Blick

  • Uber streicht rund 3.300 Stellen, etwa zehn Prozent der globalen Belegschaft, den größten Abbau seit der Pandemie.
  • Der Schritt erfolgt trotz eines Umsatzwachstums von 18 Prozent und fast verdoppeltem operativem Gewinn im Jahr 2025.
  • Freigesetztes Kapital soll laut Unternehmensangaben ins Robotaxi-Geschäft und weitere Kernbereiche fließen, wo Uber mit Waymo und Pony.ai konkurriert.
  • Anleger reagierten mit Kursgewinnen, während Beobachter wie Aljazeera die Beschäftigungssicherheit in finanziell gesunden Unternehmen infrage stellen.

Quellen: heise (Kündigungswelle)heise (3300 Stellen)WirtschaftsWocheTechCrunchTrending Topics (Delivery Hero)Trending Topics (Schneller)AljazeeraTechBuzzReuters

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.