BusinessPunk Voices Die 5 größten Fehler der KI-Transformation – Teil 1: Warum es am Menschen scheitert

Die 5 größten Fehler der KI-Transformation – Teil 1: Warum es am Menschen scheitert

In meiner letzten Kolumne habe ich prognostiziert, dass 2026 das Jahr der erfolgreichen Transformation wird. Und das, obwohl gefühlt jedes Unternehmen bereits letztes Jahr eine KI-Strategie verabschiedet hat. PowerPoint-Folien wurden präsentiert, Budgets freigegeben, Pressemitteilungen verschickt. Und jetzt, die ernüchternde Realität: Bei vielen ist außer ein paar Piloten und heißer Luft nicht viel passiert.

Woran liegt das? Spoiler: selten an der Technologie. In meiner Arbeit mit Leaders of AI bilden wir Führungskräfte für die KI-Transformation aus – vom Mittelständler in der Provinz bis zum DAX-Konzern, über alle Branchen hinweg. Durch diesen Einblick sehe ich immer wieder dieselben fünf Fehler.

Heute sprechen wir über die ersten drei – und die haben alle mit Menschen zu tun.

 

Fehler 1: Das Delegations-Dilemma

Kennt ihr das? Der Vorstand verkündet auf der Jahresauftaktveranstaltung: Wir machen jetzt KI! Applaus, Konfetti, eine schicke Strategie-Folie. Und dann? Wird das Thema an eine Task Force delegiert, an die IT, an die da unten. Die Führungsetage selbst? Liest weiter das Handelsblatt und nickt wissend, wenn jemand ChatGPT sagt.

Das funktioniert nicht.

Führungskräfte müssen Role Models werden. Das bedeutet: selbst KI-Assistenten bauen und nutzen. Nicht delegieren, sondern ausprobieren. Auf Augenhöhe mit der Belegschaft diskutieren können, statt nur Anweisungen zu geben.

Der größte Wunsch, den ich aus der mittleren Führungsebene höre? Ich wünsche mir Executives, die wissen, wovon sie sprechen. Nicht vom Hype-Wissen aus der Wirtschaftswoche, sondern aus eigener Erfahrung.

 

Fehler 2: Das Gießkannen-Prinzip bei Schulungen

Wir haben jetzt Copilot. Das ist ja selbsterklärend, da brauchen wir keine Schulung. Oder alternativ: Wir machen eine zweistündige Einführung für alle, dann läuft das.

Nein. Läuft es nicht.

KI ist nicht einfach ein neues Tool wie Excel oder SAP. Es ist eine fundamental neue Art zu arbeiten, zu denken und zu handeln. Eure Mitarbeiter müssen lernen, Sinn von Unsinn zu unterscheiden, Gefahren zu erkennen, selbstständig Assistenten zu erstellen.

Das Gießkannen-Prinzip – allen das Gleiche, möglichst wenig, möglichst schnell – produziert nur eins: frustrierte Mitarbeiter, die nach zwei Wochen wieder in alte Muster zurückfallen. Gezielter Kompetenzaufbau in der Breite ist kein Nice-to-have. Es ist die Grundvoraussetzung.

Fehler 3: Experten in Silos verstecken

Wir haben eine KI-Task-Force gegründet. Fünf Experten, die das Thema jetzt lösen. Klingt gut. Ist aber ein Problem.

Denn was passiert? Die fünf Experten werkeln vor sich hin, entwickeln tolle Lösungen – und der Rest der Organisation wartet. Passiv. Das machen ja die anderen.

Was ihr stattdessen braucht, ist eine lebendige Community. Neben der Task Force muss eine Bewegung in der Organisation entstehen. Townhall-Meetings, bei denen Erfolge und Misserfolge geteilt werden. Hackathons, bei denen Fachabteilungen selbst experimentieren. Regelmäßige Jour Fixes zum Austausch über Automatisierungen und Assistenten.

Das Ziel: Eure Organisation muss anfangen, miteinander über KI zu sprechen, statt auf eine zentrale Einheit zu warten. Schwarmintelligenz statt Elfenbeinturm.
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Drei Fehler, ein Muster: Es geht um Kultur, nicht um Technologie. Ohne Vorbilder in der Führung, ohne echten Kompetenzaufbau und ohne Community verpufft die beste KI-Strategie.

Aber selbst wenn ihr diese drei Fehler vermeidet – es gibt noch zwei, die euch trotzdem das Genick brechen können. Und die haben nichts mit Menschen zu tun, sondern mit euren Strukturen. Und mit einem Denkfehler, der so tief sitzt, dass er fast unsichtbar ist.

Aber das klären wir beim nächsten Mal.

Dominic von Proeck ist Gründer von Leaders of AI, einer Akademie für KI-Transformation, in der ein kleines Team von weniger als zehn Menschen mit über fünfzig KI-Assistenten experimentiert, wie die Organisation von morgen funktioniert. Als Mitglied im KI-Expertenrat von Microsoft beschäftigt er sich täglich mit den strategischen Fragen der digitalen Zukunft in Europa. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter „KI mit Köpfchen – Wie man mit ChatGPT & Co die Organisation der Zukunft baut“ (Springer Gabler).

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