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Von Mord zu Machtkampf. Mode-Thriller in Mailand: Prada will Versace kaufen!

Von Mord zu Machtkampf. Mode-Thriller in Mailand: Prada will Versace kaufen!
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Da fallen die Fashion-Punks vor Aufregung vom Laufsteg. Es ist eine News, als würde Ferrari plötzlich Porsche übernehmen oder Real Madrid sich mit dem FC Barcelona zusammenschließen. In der Luxuswelt wird in diesen Tagen ein historischer Deal verhandelt: Die Prada Group prüft eine Übernahme von Versace! The Italian Job: Zwei der berühmtesten Fashion-Häuser Italiens unter einer Stoffbahn. Es ist mehr als eine Übernahme: Es ist eine Liebeserklärung an den ermordeten Gianni Versace. Und es ist eine Abkehr von Amerika. Design-Legende Miuccia Prada möchte die ikonische Marke, die zuletzt im Besitz US-amerikanischer Investoren war, zurück ins Land holen.

Der 15. Juli 1997. Es ist der Tag, an dem die Fashion-Welt schwarz trägt. Der legendäre Gianni Versace geht in Miami Beach spazieren. Er kauft sich an der Ecke Zeitungen. Es ist 8.45 Uhr, als er wieder an seiner Villa Casa Casuarina ankommt. Ein Mann nähert sich von hinten – ein gesuchter Serienmörder. Er heißt Andrew Cunanan. Vier Menschen hat er bereits umgebracht.

Er zieht eine Pistole, schießt Gianni Versace zweimal in den Kopf und rennt weg. Ärzte versuchen alles – aber keine Chance. In der Klinik verblutet einer der größten Modeschöpfer aller Zeiten in den Krankenhauslaken.

Das Motiv ist bis heute unklar. Es heißt, der Attentäter sei ein Fan von Versace gewesen und habe sich von ihm angezogen gefühlt. Aber es kommt nicht mehr zum Verhör: Auf der Flucht begeht der Killer Selbstmord.

Ein brutaler Kampf um das Erbe

Der Tod von Gianni – er hätte auch fast die schillernde Marke getötet, die er 1978 gegründet hatte. Investoren sprangen gleich nach der Beerdigung ab. Dass ausgerechnet seine kleine Schwester Donatella Versace das opulente Haus weiterführen könnte – daran glaubte niemand in der Branche.

Noch Jahre später erzählte mir Donatella, wie sie als Frau an der Spitze eines internationalen Fashion-Hauses belächelt und beleidigt wurde.

Ein brutaler Kampf.

Aber Donatella hat nie aufgegeben. Sie hat ihren Bruder wirklich geliebt und bewundert – und macht das bis heute. Sie hat nur ein Ziel: Sein Erbe zu erhalten.

Dafür gibt sie alles. Sogar ihre Gesundheit.

Ein Kleid, das die Welt veränderte

Ihr Erfolg? Unermesslich.

Mit einem einzigen Kleid hat sie das Unternehmen gerettet und das Internet, wie wir es heute kennen, gleich mit verändert.

Was kaum jemand weiß: Donatella Versace ist der Grund, warum es Google Images überhaupt gibt.

Das Jahr 2000, die Verleihung der Grammy Awards: Donatella kreiert ein tief aufgeschnittenes, smaragdgrünes Kleid, das mehr zeigt, als es verhüllt. Sie bittet ihre Freundin Jennifer Lopez, es an dem Abend zu tragen. Der Rest ist History.

Als J.Lo im grünen Dschungel-Dress über den roten Teppich schreitet, wollen es alle haben. Millionen Menschen suchen online nach diesem Kleid. Problem: Damals zeigte Google nur textbasierte Suchergebnisse – Bilder konnten nicht direkt gesucht werden.

„Es war die meistgesuchte Suchanfrage, die wir je gesehen hatten“, erklärt der damalige Google-CEO Eric Schmidt: „Aber wir hatten damals keine Möglichkeit, den Nutzern genau das zu geben, wonach sie suchten: Bilder von Jennifer Lopez in diesem Kleid. So wurde Google Images geboren.“

Eigentlich müsste die Imagesuche also Google Versace heißen.

Ein Imperium wechselt die Hände

Nach 20 schillernden Jahren an der Spitze hat Donatella ihr Imperium verkauft: 2018 übernahm die US-amerikanische Capri Holding, zu der bereits Jimmy Choo und Michael Kors gehören, Versace. Der Kaufpreis: 2,1 Milliarden Dollar.

Bedingung: Donatella bleibt das Gesicht der Marke. So hat sie den Fun, aber nicht mehr das Risiko. Ein kluges Timing, wie sich schnell zeigt. Denn kurz nach der Vertragsunterschrift kam Covid, dann der Absturz des chinesischen Luxusmarktes

Der Capri Holding reißen seitdem die Nähte ein. Eine 12-Milliarden-Dollar-Option, mit der amerikanischen Tapestry Fashion Group und Marken wie Coach und Stuart Weitzman zu fusionieren, wurde von Kartellbehörden zerstört.

Die Einnahmen sind seitdem konzernweit eingebrochen. Michael Kors minus 16 Prozent. Versace hat im letzten Quartal bei einem Umsatz von 185 Millionen Euro einen Rückgang von 15 Prozent gemeldet, der Betriebsverlust: 21 Millionen Euro.

Prada: Die Retter aus Mailand?

Und genau da kommt jetzt Prada ins Spiel. Eine der wenigen Manufakturen, die jede Form von globaler Luxuskrise abperlen lässt wie Regen auf seinen berühmten Re-Nylonfasern.

Prada ist an der Börse in Hongkong gelistet. Der Umsatz schoss in den letzten Quartalen um 18 Prozent auf einen neuen Rekord: 4,7 Milliarden Euro – die unfassbare Prada-Power.

Allein die Schwestermarke Miu Miu, benannt nach dem früheren Spitznamen der Firmengründerin Miuccia Prada, schoss um sagenhafte 105 Prozent in den Fashion-Himmel – der größte Hype seit Jahren!

Die Breaking News aus Mailand verbreitete der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg jetzt pünktlich zum Investor Day der Capri Holding in New York: Demnach hat die Prada Group über die Barclays Bank Berater beauftragt, eine Bewertung von Versace vorzunehmen und eine umfassende Prüfung eingeleitet.

Aus Börsenkreisen heißt es, Prada habe jetzt Einsicht in alle Finanz- und Geschäftsberichte bei Versace.

Ein historischer Deal bahnt sich an

Es wäre ein historischer Deal: Miuccia Prada und Donatella Versace – die neuen Königinnen in einem eigenen Super-Reich.

Eine Art Homecoming für italienische Schneiderkunst. So unterschiedlich sie auch sein mag – mit dem intellektuellen, minimalistischen Prada-Stil und dem Sex-Selling-Medusa-Look von Versace.

Mit Merger-&-Acquisition-vertrauten Personen erwarten viele einen echten Fashion-Thriller. Denn auch die französischen Luxusgiganten LVMH (Louis Vuitton, Dior, Loro Piana) und Kering (Gucci, Bottega Veneta) wollen milliardenschwere Aktienpakete für Versace ins Schaufenster stellen.

Am 4. März kommt der Verwaltungsrat von Prada zusammen. Die Hoffnung der Italiener: Zum 30. Todestag das Erbe von Gianni Versace wieder zu Hause zu haben.

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Portrait Tom Junkersdorf

Tom Junkersdorf