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Wissenschaftler zählen nach: Deutschland wächst – jedenfalls dort, wo die Verwaltung die Verwaltung verwaltet 

Beamte
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Eine neue Studie belegt: Der öffentliche Dienst wächst stärker als die Bevölkerung. Und in den Ministerien wächst die Zahl der Beamtenstellen rasant. Beides ist ein Indiz für mehr Bürokratie und mangelnde Digitalisierung. Das Thema wird in den laufenden Haushaltsverhandlungen jedoch fast ausgeblendet.  

Die Nachricht, die das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo jetzt verschickt hat, ist neutral formuliert, fast freundlich, doch dahinter verbirgt sich eine Entwicklung, die alles andere als eine gute Nachricht ist: „Länder und Kommunen beschäftigen immer mehr Mitarbeiter*innen“, steht da im schönsten genderdeutsch. Und dann geht es ins Detail: Der öffentliche Dienst ist besonders in den Kommunen stark gewachsen. Statt 15 Beschäftigten je 1000 Einwohner wie im Jahr 2006 arbeiteten 2021 in den Kommunen umgerechnet auf diese Einwohnerzahl 18 Beschäftigte. Und im Bereich „Zentrale Verwaltung“ wuchs insbesondere die „Innere Verwaltung“ um 32 Prozent. 

Behörden bei Bund, Land und Kommunen sind so aufgebaut, dass die „Zentrale Verwaltung“, Querschnittsaufgaben wahrnimmt und Ressourcen bereitstellt, die für das Funktionieren anderer Verwaltungsabteilungen notwendig sind. Es ist also, wenn man so will, die Verwaltung der Verwaltung, die am stärksten gewachsen ist. Was die Wirtschaftsforscher da aufschreiben, bedeutet im Klartext: Die Bürokratie ist explodiert. Und digital läuft nichts. Eigentlich sollte die Digitalisierung in der Verwaltung dazu führen, dass weniger mit Hand und Kopf gemacht werden muss – dass klappt aber offenbar nicht. Dramatisch mehr Menschen haben die Angestellten und Beamten in den Kommunen dabei nicht betreuen müssen: Die Bevölkerungszahl ist jedenfalls im gleichen Zeitraum nur leicht um zwei Prozent gewachsen. 

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.