Work & Winning Chef, es ist kalt und mein Auto sieht traurig aus. Ich bleib zu Hause.

Chef, es ist kalt und mein Auto sieht traurig aus. Ich bleib zu Hause.

Geht arbeiten. Seid Helden und keine Schneeflocken! Ein Wintermorgen ist kein Hochrisikosport.

Schneechaos! Eis! Lebensgefahr! Deutschland im Ausnahmezustand. Zumindest laut Schlagzeilen. Der Winter ist da, völlig überraschend gibt es Minusgrade im Januar. Wer hätte das ahnen können. Und hast du nicht gesehen, rollen Weicheier die große Rechtsfrage auf: Muss ich bei diesem Wetter wirklich zur Arbeit? Die kurze Antwort ist: Ja. Die lange Antwort: Ja, natürlich.

Wetter ist Wetter. Arbeit ist Arbeit. Ein Wintermorgen ist kein Hochrisikosport. Und wer jetzt bei Eisregen so tut, als müssten wir kollektiv ins Homeoffice fliehen wie bei einer Alien-Invasion, sollte sich fragen, ob er eigentlich an seine Arbeit glaubt – oder nur an Schlagzeilen. Dieselben Jungs, die heute zum Beispiel bei „Bild“ das große „Bleib bloß zu Hause, Lebensgefahr!!!“ trommeln, sind sonst die Ersten, die „die Fleißigen“ feiern, die „Leistungsträger in unserer Gesellschaft“, die „Macher, von denen wir mehr brauchen“. Heute Held, morgen Schneeflocke.

Nur mal zum Wissen: Das Wegerisiko, wenn du zum Job musst, liegt bei dir. Nicht beim Wettergott, nicht beim Chef, nicht beim Streudienst von Köln-Ehrenfeld. Wer arbeiten will – und ja, Arbeit ist immer noch kein optionales Hobby – organisiert sich. Früher nannte man das Erwachsensein. Heute heißt es „Resilienz“. Klingt moderner, meint aber dasselbe.

Und was ist mit der Lebensgefahr? Ganz ruhig. Wenn draußen wirklich die Apokalypse tobt, darfst du natürlich zu Hause bleiben. Aber bitte nicht schon bei „es ist kalt und mein Auto sieht traurig aus“. Lebensgefahr ist nicht, wenn der Bus fünf Minuten später kommt. Lebensgefahr ist nicht, wenn du Handschuhe anziehen musst. Lebensgefahr ist auch nicht, wenn du dich kurz fragst, warum du keinen Allrad hast. Lebensgefahr ist meinetwegen, wenn Wölfe durch die Innenstadt ziehen und Amazon nicht mehr liefert. Aber mein Paket kam eben an.

Alles darunter ist Kindergarten. Also: Jacke an. Kopf hoch. Los geht’s. Arbeit ist kein Feel-Good-Event. Sie ist kein Netflix-Abo mit Kündigungsfrist bei Schneefall. Arbeit ist Verbindlichkeit. Und nur dann funktioniert unser Land wieder – trotz Wetter, trotz Krisen, trotz Daueraufgeregtheit. Leistung verschwindet nicht, nur weil das Thermometer fällt. Wer über Zumutbarkeit spricht, muss wissen, was Wertschöpfung bedeutet. Also raus da.
Winter kann kommen. Wir auch.

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