Work & Winning Fachkräftekrise eskaliert: 2,8 Millionen junge Menschen ohne Abschluss

Fachkräftekrise eskaliert: 2,8 Millionen junge Menschen ohne Abschluss

Kommunikationslücke zwischen Betrieben und Jugendlichen

Ein zentrales Problem: Unternehmen und potenzielle Azubis kommunizieren aneinander vorbei. Während 71 Prozent der Betriebe ihre Stellen auf Facebook ausschreiben, sucht dort nur ein Viertel der jungen Menschen nach Ausbildungsplätzen. Die Bertelsmann-Ausbildungsexpertin Hellen Renk erklärt: „Bei der Ausbildungsplatzsuche kommunizieren Unternehmen und junge Menschen zu häufig aneinander vorbei.“

Zudem kennen Jugendliche nur einen Bruchteil der verfügbaren Ausbildungsberufe – darunter viele mit überdurchschnittlichen Verdienstmöglichkeiten. Besonders in der technischen Forschung und Entwicklung können Fachkräfte mit Ausbildung teilweise sogar mehr verdienen als Hochschulabsolventen.

Kurzfristiges Denken mit langfristigen Folgen

Ein weiterer Grund für den Azubimangel: Viele junge Menschen entscheiden sich nach der Schule für ungelernte Hilfsjobs. Der Lohn ist kurzfristig höher – Azubis im ersten Ausbildungsjahr verdienen mindestens 680 Euro monatlich, während Hilfsarbeiter durchschnittlich mehr als das Doppelte bekommen können. Eine fatale Entscheidung, wie Weber warnt: „Für Helfertätigkeiten wird sich die Arbeitsmarktlage verschlechtern.“

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack bezeichnet die Situation als „gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Skandal“: „In Zeiten, in denen fehlende Fachkräfte immer öfter als Konjunkturbremse genannt werden, können wir es uns nicht leisten, Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss zu lassen. Wer junge Menschen ausbremst, bremst letztlich auch das Potenzial unserer gesamten Wirtschaft.“

Lösungsansätze für die Bildungskrise

Die Experten sind sich einig: Es braucht niederschwellige Angebote, bei denen parallel zum Job Module in einer flexiblen Ausbildung absolviert werden können. Berufsberatung und Berufsorientierung müssen ausgebaut werden. Betriebe sollten in Schulen und auf Messen präsenter sein und praktische Eindrücke durch Betriebsbesichtigungen, Schülerprojekte und Praktika ermöglichen.

Besonders wichtig: Die Kommunikation muss dort stattfinden, wo sich junge Menschen aufhalten – auf YouTube, WhatsApp und TikTok. Nur so kann die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage geschlossen werden.

Die Bildungskrise wird sich ohne entschlossenes Handeln weiter verschärfen. Bis 2027 wird Deutschland voraussichtlich 730.000 Fachkräfte zu wenig haben. Diese Entwicklung bedroht nicht nur den Wirtschaftsstandort, sondern die gesamte gesellschaftliche Stabilität.

Die Lösung liegt in einem Paradigmenwechsel: Bildungsgerechtigkeit muss zur nationalen Priorität werden. Innovative Ausbildungsmodelle, die Anerkennung internationaler Kompetenzen und eine zeitgemäße Kommunikationsstrategie sind entscheidend. Nur wenn Wirtschaft, Politik und Bildungseinrichtungen gemeinsam handeln, kann der drohende Fachkräftekollaps noch abgewendet werden. Die Zeit drängt – jeder junge Mensch ohne Ausbildung ist eine verpasste Chance für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands.

Quelle: n-tv.de, presse-augsburg.de

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